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Mittelreich: Roman
 
 

Mittelreich: Roman [Kindle Edition]

Josef Bierbichler
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Nun hat Bierbichler einen Roman geschrieben, der in einer klaren, poetischen Sprache von den Schrecken und Torheiten des 20. Jahrhunderts erzählt. Er ist ein Ereignis in diesem  Bücherjahr.«

(Wolfgang Höbel Der Spiegel )

»Josef Bierbichler schaut tief in die Seelen der Menschen, in Abgründe und Verletztheiten. Ihm ist mit diesem Zeitpanorama ein großer Wurf gelungen.«

(Rainer Kasselt Sächsische Zeitung, Magazin )

»Bierbichler hat eine überwältigende Begabung, von Verlierern und Verlorenen zu erzählen. ... Insofern ist Mittelreich ein zeithistorischer Roman, eine Dorfgesellschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Und wie sagt man bei historischen Werken, wenn sie gelingen: Es ist ein großer Verdienst des Autors, dass er diese Geschichte rekonstruiert hat.«

(Rudolf Neumaier Süddeutsche Zeitung )

»Es ist viel drin in den 400 Seiten von Josef Bierbichlers Mittelreich, einem Roman voller Pathos, Ungeniertheit, Zärtlichkeit und Wut, geschrieben von einem Autor, der große Sprachkraft und Sprachlust verrät, der den hohen Theaterton nahtlos mit der derben Umgangssprache verknüpft, der bei seinen eindringlichen Zeit- und Menschenbildern vom Bieder-Heimatrealistischen nichts wissen will und lieber ein wunderbar seltsames Kunstbairisch pflegt, das auch da, wo es umständlich-gedrechselt oder verquer und absurd klingend daherkommt, poetische Funken schlägt.«

(Wolfgang Seibel ORF Ö1 )

»Josef Bierbichler ... hat ein ungeheuer saftiges, witziges, düsteres, tragisches und zutiefst musikalisches Buch geschrieben, dessen Ende man schon nach wenigen Seiten zu fürchten beginnt, weil man süchtig geworden ist nach seinem Ton und dem mitleidslosmitfühlenden Blick, mit dem der 63-Jährige auf seine Figuren und das Leben schaut.«

(Eva Behrendt Cicero )

»Mittelreich ist die geglückte literarische Auseinandersetzung mit dem ländlichen Katholizismus, mit einem Erbe, vor dem manche bis heute davonlaufen — das man aber auch wie im Falle Bierbichler annehmen kann, um es umzupflügen.«

(Andreas Fanizadeh tageszeitung )

»Bierbichler schreibt wie ein angeschlagener Boxer, der wild nach vorn drängt. Ungeschützt, wüst, toll.«

(Stern )

»Denn Bierbichler beschreibt nicht einfach Welt und Wirklichkeit, er rennt mit kratzbürstiger Garstigkeit gegen sie an. Zu dieser Erzählweise gehören mundartliche Dialoge, grelle Bilder, schräge Schwänke, unvermittelte Handlungsbrüche; nie aber verläppert sich dieser Roman in Prosaplätzscherei.  ... Und schon damals fiel einem der berühmte Kafka-Satz ein: ›Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.‹ Ein solches Axt-Buch ist Mittelreich. Ein großes Buch.«

(Dirk Pilz Frankfurter Rundschau )

»Im Grossen und Ganzen ist hier ein Schriftsteller geboren, der, selbst wenn es bei diesem einen Roman bliebe, zu den unvergesslichen Stimmen dieser Jahre gehören wird. Was für ein Kerl. Was für ein Roman!«

(Martin Ebel Tages-Anzeiger )

»Das ist, in kraftvoll realistischer, manchmal auch kleistisch kataraktgleicher Prosa geschrieben, ein Märchen: wie es im Leben manchmal passiert. Doch der große Theater- und Filmschauspieler Josef (Sepp) Bierbichler ... erzählt auch von der Fülle des Scheiterns. Von heillos komischen Katastrophen, von fürchtertlicher deutscher Weltgeschichte, die selbst die Dörfler am oberbayrischen See in ihren erdbraunen, blutigen Fängen hält.«

(Peter von Becker Der Tagesspiegel )

Kurzbeschreibung

Im Ersten Weltkrieg zerschlägt eine feindliche Kugel zuerst den Stahlhelm und dann den Schädel des ältesten Sohnes vom Seewirt. Also muß sein jüngerer Bruder Pankraz das väterliche Erbe antreten. Der überlebt zwar den zweiten großen Krieg, wäre aber trotzdem lieber Künstler als Bauer und Gastwirt geworden. Da braucht es schon einen Jahrhundertsturm, der droht, Haus und Hof in den See zu blasen, damit aus Pankraz doch noch ein brauchbarer Unternehmer und Familienvater wird. Aber als der eigene Sohn ihn später anfleht, ihm die Erziehung im katholischen Internat zu ersparen, versteht er ihn nicht. Zu sehr ist man in diesen Zeiten mit anderem beschäftigt: das Vergangene vergangen sein zu lassen und die Geschäftsbedingungen der neuen Gegenwart zu studieren. Eine Seewirtschaft in Bayern, bizarre Gäste und eine Familie über drei Generationen, heillos verstrickt ins ungeliebte Erbe. Josef Bierbichler, der große Menschendarsteller des deutschen Theaters und Films, erzählt hundert Jahre Deutschland. Ein Epos über Krieg und Zerstörung, alte Macht und neuen Wohlstand, über die vermeintlich fetten Jahre.

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39 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Mittelgut 28. Oktober 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Ja, dieser Roman ist wuchtig, nicht nur von seiner Stämmigkeit, mit der er in der Hand liegt. Er wirkt wortgewaltig, Sprachverliebt, in seiner Mischung aus bayerischer Derbheit und poetischer Schilderung auch richtig neu. Was kraftvoll beginnt, lässt auch kaum nach, der Autor kann diesen mitunter anmaßend pathetischen Ton halten, und doch, leider muss ich es sagen, kam es mir manchmal vor, als würden alle Worte die Figuren vor allem nur verschütten, sie unsichtbar machen hinter dem Anspruch, es auf die eigene Weise zu schildern, eben jenem kraftvoll bayerisch donnernden Tonfall. Auch bemerkte ich, wie mir die Personen lange oft fremd blieben, wie sie hinter all den vielen Worten ihr eigentliches Leben eher versteckten, wie es dem Autor wichtiger war, als allwissend darüberschwebender Erzähler seine Meinung über die dunklen Zeiten im Land und speziell dort am See kundzutun, statt sie seine Figuren fühlen und erleben zu lassen.

Wortgewalt heißt hier langsames, fast lähmend redundantes Erzählen, als wäre das schlichtere Leben der Figuren dahinter zu wenig. Ich hatte mich auf eine bayerische Familiengeschichte gefreut, kein Komödienstadel natürlich, sondern echte, handfeste Figuren und ihr Leben voller Brüche und Gegensätze. Auch auf Dialoge, doch diese liebt der Autor nicht sehr. Josef Bierbichler bleibt auch als Autor kantig und nicht jedermanns Sache. Was ich durchaus positiv meine. Aber eine hymnische Rezension wie andere kann ich nicht schreiben, dazu hat mich diese Geschichte einfach zu oft - sorry - gelangweilt.

Und noch was zum Schluss, aber dafür kann der Autor ganz bestimmt nichts: Warum geriet das Titelbild bloß so fad? Deutsche Tristesse at its best.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Derb und poetisch 5. Januar 2012
Format:Gebundene Ausgabe
In seinem Roman Mittelreich erzählt Joseph Bierbichler die Geschichte einer bayerischen Seewirtsfamilie über drei Generationen und beinahe einhundert Jahre deutsche Geschichte. Im ausgehenden 19. Jahrhundert errichtet der alte Seewirt einen neuen Anlegesteg und setzt auf das ohnehin schon reichlich protzige Haus ein weiteres Stockwerk. Die idyllische Lage lockt die Ausflügler in Scharen an den See. Mit den Gästen kommt gesellschaftlicher Weitblick und ein gewisser Wohlstand. Man gehört nun nicht mehr zu den armen Leuten, ist aber auch nicht richtig reich: mittelreich eben.

Doch dem ältesten Sohn und Erben Toni zerstört im ersten Weltkrieg eine Gewehrkugel nicht nur den Stahlhelm, sondern auch Teile seines Gehirns.
Nach Jahren, in denen die geistige Zerrüttung Tonis immer weiter voranschreitet,
bringt der alte Seewirt seinen ältesten Sohn in einer Anstalt für Geisteskranke unter und stellt seinen zweiten Sohn Pankraz, der den zweiten Weltkrieg mit einem Granatsplitter im Bein überlebt hat, vor die Wahl. Entweder übernimmt der Jüngere die Seewirtschaft mit allen Konsequenzen oder er lehnt sein Erbe ab und wird vom Vater keine weitere finanzielle Unterstützung erhalten.

Pankraz, ein sanfter und grüblerischer junger Mann, der von einer Zukunft als Opernsänger träumt, entscheidet sich für die materielle Sicherheit und gibt seine Gesangsstunden auf. Er heiratet die Bauerntochter Theresa, mit der er einen Sohn und zwei Töchter zeugt und baut die Seewirtschaft weiter zur Touristenattraktion aus. Doch seine Frau leidet unter ihren beiden bigotten Schwägerinnen, die unverheiratet als Jungfrauen im Elternhaus wohnen bleiben, und darunter, dass ihr schwacher Mann sie und ihre Kinder nicht gegen seine Schwestern verteidigt. Erst ein Jahrhundertsturm, der das Dach des Seewirtshauses aus einer Verankerung reißt, holt den Pankraz aus seiner Lethargie und macht einen brauchbaren Familienvater und Unternehmer aus ihm.

Seinen ältesten Sohn Semi schickt Pankraz in ein katholisches Internat, damit dieser neben der Erziehung zur Frömmigkeit auch eine gute schulische Bildung erhält. Semi wird von einem der Mönche missbraucht und fleht den Vater an, ihm die katholische Erziehung zu ersparen. Aber Pankraz und Therese weigern sich, das Unfassbare zu glauben und schicken den Jungen nach den Ferien wieder ins Internat. Semi kehrt als zerbrochener Mensch nach Hause zurück.

Im ersten Drittel ist der Roman Bierbichlers anstrengend zu lesen. Sowohl die dumpfen, oft abstoßenden bäuerlichen Charaktere als auch die derbe, manchmal brachiale Sprache und die vielen langatmigen Beschreibungen, in denen das Gesinde und die Nachbarn der Seewirtsfamilie eingeführt werden, machen es dem Leser nicht leicht, in die Erzählung hineinzufinden.

Doch wer nicht aufgibt, wird beinahe unmerklich in die Geschichte der Seewirtsfamilie hineingezogen. Vor allem der eher intellektuelle Pankraz, der seine künstlerischen Ambitionen aufgeben muss und seine Frau Therese, die von ihren Schwägerinnen unterdrückt und als Häuslerin verachtet wird, bieten genug Identifikationspotential, um sich auf die Erzählung einzulassen.

Bierbichler entfaltet vor dem staunenden Leser ein wüstes Panoptikum dumpfen bäuerlichen Lebens. Man folgt der Geschichte mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu und kann sich dem Sog, den die Erzählung nach und nach entwickelt, nicht mehr entziehen.

Fazit: Keine leichte Lesekost. Aber wer sich auf Bierbichlers verqueres, derbes und doch poetisches Kunstbaierisch einlässt, wird mit einem grandiosen Blick auf hundert Jahre deutsche Geschichte belohnt.
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37 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von J. Fromholzer TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Josef Bierbichler hat einen echten bayerischen Heimatroman geschrieben, ohne Sentimentalitäten, ohne Kitsch. Er schreibt so, wie er spricht, man hört ständig seine Stimme im Kopf beim Lesen (wenn man ihn öfters auf der Bühne gesehen und gehört hat).

Bierbichler packt die familiären Geschichten und großen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts in stimmungsvolle, lokale Bilder. Das Leben auf dem Land (unweit von München) wird auch von der Nähe der Hauptstadt "Minga" dominiert. Die reichen und neureichen Münchner ("Sommerfrischler") erobern sich den See, wo das Ganze spielt. Dass der Autor diese Leute nicht mag, hat er schon in seinem ersten Buch "Verfluchtes Fleisch" geschrieben. Ein besonderer Glücksfall ist das "Mittelreich-Hörbuch", das eine Gesamtlesung des Textes durch den Autor bietet; man kann es nach dem Lesen des (gedruckten) Buchs zusätzlich anhören und wird durch Bierbichlers Vortrag ganz neue Facetten entdecken. Obwohl Josef Bierbichler auf Bayern-2-Radio angekündigt hatte, sein Buch so zu lesen wie Heiner Müller gelesen hat, also einen Text "runterzuleiern" (Zitat), macht er dies nicht. Bierbichlers Vortrag ist souverän bayerisch, jedoch mit großer Distanz zu professionellen Hörbuchsprechern.

Bücher wie "Mittelreich" sind eine Seltenheit in unserer Gegenwart.

Ein Nachtrag: Momentaufnahmen von Bierbichlers Lesung in St. Pölten am Landestheater, 19.10.2011, die ich besucht habe. Das Publikum "windet" sich bei eingeschaltetem Saallicht, als er die ganze Schlachtszene, Zuber Storch mit der Sau, liest. Das Publikum beginnt zu hüsteln, sich zu räuspern, den Zuhörern wird es unangenehm. Bierbichler ist in Topform, schaut demonstrativ ins Publikum hinunter, trinkt Rotwein und Weißbier durcheinander. Ein perfekter Abend. Bierbichler liest 90 Minuten, obwohl er eigentlich nur sechzig lesen wollte, wie er sagte.

Der gesamte Text lebt natürlich davon, dass er von Bierbichler selbst interpretiert wird.
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Schwierig für mich, das erste Stück des Weges zu bewältigen, 30, 40, 50 Seiten, in das bayrisch-bäuerliche Gasthaus der Finsternis; doch dann erweisen sich die... Lesen Sie weiter...
Vor 12 Tagen von Klaus Servene veröffentlicht
Enttäuschend!
Nach alle den hymnischen Kritiken wurden meine Erwartungen kaum erfüllt.- Ein Generationenroman wohl kaum da die Zeit und Charaktäre vor dem WKII nur beiläufig... Lesen Sie weiter...
Vor 14 Tagen von Rainer Ruby veröffentlicht
Genial Bayrisch
Wunderbar diese präzisen Wortschöpfungen, die Personenbeschreibungen, die sympathisch unauffällig daruntergeschobene Kritik an den
durch Sturheit und Ignoranz... Lesen Sie weiter...
Vor 1 Monat von Peter Kager veröffentlicht
"Die Erde ist keine Heimat"
Wenn man dieses Buch gelesen hat und Bierbichler aus Filmen kennt, dann wünscht man sich, ihn einmal selbst zu hören bei einer Lesung. Lesen Sie weiter...
Vor 3 Monaten von Retsina veröffentlicht
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Eine grundsätzliche Anmerkung vorweg: Immer wieder stelle ich fest, dass gerade Werke aus der Ecke "literarisch wertvoll" oder welche, die von der Literaturkritik gelobt oder... Lesen Sie weiter...
Vor 3 Monaten von Th. Leibfried veröffentlicht
Typisch Bierbichler! Selbstverliebt!
Ich gebe zu, kein großer Freund von Josef Bierbichler zu sein, dessen Darstellungsweise immer und in jeder Rolle einfach Josef Bierbichler ist. Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Eva Bergmann veröffentlicht
kräftige Sprache
Bierbichler liest mit deutlich bairischer Sprachfärbung, jedoch ohne Dialekt; also auch für Nichtbayern verständlich. Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Caligula Lischkaschek veröffentlicht
Anstrengend
Nach den überschwenglichen Kritiken habe ich dieses Buch mir bestellt . Es hat mich enttäuscht! Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Dr. Stefan Scholz veröffentlicht
Mehr erhofft
Vielleicht bin ich für dieses Hörbuch nicht bayrisch genug,ich hatte Mühe den Ausführungen des Sprechers konzentriert zu folgen. Lesen Sie weiter...
Vor 5 Monaten von sarah goldstein veröffentlicht
Enttäuschend
Bei allem Respekt: aber an Oskar Maria Graf kommt Bierbichler bei weitem nicht heran. Und warum? Weil ihm die Wahrhaftigkeit fehlt! Lesen Sie weiter...
Vor 5 Monaten von Leserin veröffentlicht
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