Der Autor beherrscht seinen Stoff nicht nur meisterlich - er kann ihn auch erzählen!
Sein Entwurf ist genial:
1. Band geographische Geschichte - könnte auch geography is destiny heißen - für mich gewaltige Augenöffner, wie er hier die Mechanik der Räume von der Ostssee bis zu den Saharagebieten entwickelt. Engstellen und Fluß- und Gebirgslandschaften in der Horizontalen aber auch Vertikalen - wie sehr ändert sich doch in der Zeit der Spätrenaissance schon die Welt und ihr Gefüge, wenn man nur neben einer Stadt den Berg hinaufsteigt.
2. Band Sozialgeschichte: Die ökonomischen und gesellschaftlichen Grundlagen dieser im wesentlichen aus Phillip II Spanien, Sizilien, Venedig, Rom, Genua und dem osmanischen Reich mit den afrikanischen Vasallen bestehenden Welt. Auch hier greift er wieder aus bis zur Silberflotte aber auch zu den Getreide-lieferungen von Danzig nach Venedig. Also das Mittelmeer als Kraftzentrum eines Großraumes zu seiner Glanzzeit - bevor es zu einem Neben-meer wurde.
3. Band: Menschen und Ereignisgeschichte - was der Leser wohl traditionell unter Geschichtsschreibung versteht - hier empfehle ich grobe Vorkenntnisse, da setzt er doch das eine oder andere voraus.
Das alles nie langweilig, immer spannend, aber sehr tiefgründig und doch nie belehrend erzählt, das ist Braudels Mittelmeer zur Zeit Phillips des II und der Türkenkriege - ein Meisterwerk!
Beispiele für diese Erzählkunst ohne je das wissenschaftliche Niveau zu opfern, habe ich jetzt im angelsächsischen und französischen Bereich kennengelernt, wer ein deutschsprachiges Beispiel kennt, bitte melden!