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Mittelmässiges Heimweh
 
 
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Mittelmässiges Heimweh [Audiobook] [Audio CD]

Wilhelm Genazino , Sylvester Groth
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (22 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Audio CD
  • Verlag: Hoffmann und Campe (Februar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455305210
  • ISBN-13: 978-3455305210
  • Größe und/oder Gewicht: 13,2 x 12,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (22 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 791.036 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Wilhelm Genazino
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Herr Rotmund hat sich in seinem beschädigten Leben halbwegs eingerichtet -- und das im wahrsten Sinne des Wortes. Halbwegs hat sich der 43-jährige Protagonist und Ich-Erzähler aus Wilhelm Genazinos Roman Mittelmäßiges Heimweh von Frau und Kind getrennt, es geht ihm halbwegs gut und halbwegs schlecht. Halbwegs leidet er am Dasein und dann doch eigentlich auch wieder nicht. Alles ist Mittelmaß in seinem Leben. Wenn er sich freut, dann nur „ein bisschen“. Wenn er sich grämt, dann nur „ein bisschen“. Das fehlende Andere reicht, um immer mehr aus dem Alltag ins Nichts völliger Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Auch dieses Verschwinden hat Genazino auf eindrückliche und eindringliche Weise sichtbar gemacht. Denn die einzigen Momente, die als schärfe Kanten aus dem Meer an Mittelmaß herausragen, sind jene, wo Herrn Rotmund ein Körperteil abhanden kommt. „Plötzlich sehe ich unter einem der vorderen Tische ein Ohr von mir liegen“, heißt es an einer Stelle, an einer anderen verliert er im Schwimmbad einen Zeh. Für Rotmund ist dies allerdings kein Grund, die Signale zu verstehen. Er umschifft die Klippen, um dann wieder zur Normalität zurückzukehren. Hatte der Verlust von Körperteilen in der Aufklärung -- etwa in Voltaires Candide oder in Johann Carl Wezels Belphegor -- die Funktion, den Pessimismus augenfällig zu berechtigen, verweist er in Mittelmäßiges Heimweh nicht mehr auf die Schlechtigkeit der Welt. Erkenntnisse sind Herrn Rotmund nicht vergönnt. Er löst sich einfach auf.

Mittelmäßiges Heimweh ist traurig. Es zeigt einen Helden, der haltlos durch die Wirklichkeit torkelt und dabei an Seele und Körper Schaden nimmt, ohne es zu merken. Das alles ist grandios beschrieben und zu lesen ein Genuss. Denn Genazino ist ein ganz Großer in der deutschen Literatur, mit einem seismographischen Gespür für (nicht nur) deutsche Befindlichkeiten. Hierfür ist Mittelmäßiges Heimweh ein weiterer Beweis. -- Thomas Köster, literaturanzeiger.de -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

"Mit schwebender Leichtigkeit berichtet er von niedergeschlagenen Seelen und den Belastungen des Angestelltendaseins." Wolfgang Schneider, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.07 "Ein Genazino-Roman ist wie ein zartgraues, luftiges Netz, in dem man für eine Weile festhängt, doch zugleich auch schwebt, losgelöst von eigenen Malaisen durch das angenehme Gruseln angesichts der kleinen und mittelgroßen Malheurs des Protagonisten." Kristina Maidt-Zink, Süddeutsche Zeitung, 20.03.07

"Abermals große, makellose Literatur - in diesem Fall der Glücksfall von einem Roman." Edo Reents, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.07 "Die Fähigkeit zu genauer Beobachtung alltäglicher Szenen, der Sinn für Situationskomik und die Neigung, aus dem Beiläufigsten die condition humaine zu deuten - all dies zeichnet Genazino zweifellos aus." Ulrich Greiner, Die Zeit, 08.02.07 "Die Deutung dieses Geschehens bleibt, wie bei Kafka, wie bei Borges, den Lesern überlassen. Klar ist aber: Wilhelm Genazino hat sich, nach einigen Jahrzehnten stetiger Ernte, doch noch vom Acker gemacht. Er hat sich ein neues Feld erschlossen." Martin Lüdke, Frankfurter Rundschau, 07.02.07 "Ganz auf der Höhe seiner Kunst. So gibt es hier auch inhaltlich wieder das volle Genazino-Programm: Humor und Melancholie, Ironie und Alltag." Gerrit Bartels, Der Tagespiegel, 06.02.07 "Zu Beginn des Romans lässt Genazino das Tragische auf ebenso selbstverständliche wie phantastische Weise in die Handlung einbrechen. Erstaunlich, dass es ihm gelingt, daraus einen hinreißenden Roman zu entwickeln. Wie ist das möglich?" Jan Bürger, Literaturen, 03/07 "Im Zeitalter der lauten und schrillen Selbstdarsteller hat Wilhelm Genazino einen Nomaden der Grossstadt geschaffen, der somnambul durchs Leben torkelt und dabei stets etwas weniger wird, der allmählich an Seele und Körper zerbrökelt und zerfasert und doch geflissentlich über seinen Zerfall hinwegsieht." Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung, 03.02.07 "In der Nachfolge Kafkas hat Genazino seine Poesie der Übergenauigkeit von Roman zu Roman perfektioniert ... ein kleines Meisterwerk." Jan Bürger, Literaturen, 03/07 "Ein hervorragender Roman. Im besten Sinne irritierend, mit reichlich Gelegenheit, sich selbst im Buch zu sehen. Und er ist sogar lustig - ausgerechnet an den schmerzlichsten Stellen." Brigitte, 14.03.07 -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Konrad Lorenz hat im Jahre 1973 in "Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" vom "Wärmetod des Gefühls" gesprochen, von der Abflachung aller Emotionen und ihrem Verlöschen in der "Mittelmäßigkeit" der durchschnittlichen Empfindung. Wilhelm Genazino ist der Autor, der diese Befindlichkeit seit dem ersten Erscheinen seiner "Abschaffel Trilogie" literarisch in immer neuen Anläufen durchdekliniert hat, bis seine Lesergemeinde den Genazinoschen Protagonisten, ganz gleich in welcher sozialen Verkleidung er auftritt, schon von weitem erkennen können.

In dem vorliegenden Buch "Mittelmäßiges Heimweh" trägt der Genazinosche Protagonist den Namen Dieter Rotmund und arbeitet als allein verdienender Finanzbuchhalter in einer nicht näher gekennzeichneten Stadt, wahrscheinlich Frankfurt, während seine Familie im Schwarzwald lebt. Die Ehefrau Edith trägt zwar nichts zum Lebensunterhalt bei, arbeitet aber als SPD Lokalpolitikerin in der Kommune mit, ist nörgelig bis in die Spitzen ihres "kleinen Busens" und mit einer zeitgemäßen Sucht nach "Emanzipation" geschlagen, die sie schließlich in ein Techtelmechtel mit einem Nachbarn treibt. Der arme Dieter Rotmund dagegen darf an den Wochenenden, an denen er seine Frau uns seine kleine Tochter Sabine besucht, noch nicht mal ran und fliegt eines Tages sogar in hohem Bogen aus seinem Haus, weil die Affäre der werten Gattin öffentlich wird.

Diese Zumutungen des Leben stützen Dieter Rotmund in die Verzweiflung, und vielleicht wäre er ganz darin versunken, gäbe es nicht die Liebe seiner kleinen Tochter Sabine, den gelegentlichen Beischlaf mit der merkwürdigen Frau Schweitzer und eine unerwartete Beförderung zum Finanzdirektor, die ihn wenigstens seiner finanziellen Sorgen enthebt. Aber innerlich bleibt Dieter Rotmund leer und einsam, ein Stadtstreicher nach Feierabend, auf der Flucht vor seinem Kummer gegen den er sich allerdings auf typisch Genazinohafte Art zur Wehr zu setzen weiß. "Es ist meine Wahrnehmung, die meine Melancholie über den vielleicht ausbleibenden Sinn vertreibt und mich ins Leben zurückholt", heißt es auf S. 179, der Anblick eines Kindes, das mit dem "Kehlsack" der Großmuter spielt, das plötzliche Nasenbluten eines jungen Mannes oder das Erscheinungsbild einer Zigeunercombo, deren Musik keiner hören will. Dieter Rotmund durchschreitet seine Wirklichkeit wie eine Galerie von Standbildern, die er in sich aufsaugt, damit ihre bloßes Sosein seine eigene Verzweiflung so lange zuschüttet, bis die Tränen versiegen und der Lebensmut für eine kurze Weile zurückkehrt. Genau genommen besteht diese Genazinosche Katharsis" darin, sich die Alltäglichkeit mit dem verfremdeten Blicke eines Unbeteiligten und gänzlich Unwissenden dergestalt vor Augen zu führen dass die dabei evozierte situative Komik den eigenen Kummer betäubt. Dies funktioniert durch eine im der deutschen Literatur einzigartige Sprachlichkeit, der es gelingt, jeder Banalität ihre Sonderbarkeit abzuquetschen und sie damit zu einem Objekt der Ablenkung und des Staunens zu erheben - etwa, wenn ein Teppich auf seine "Tränensaugkraft" oder ein Gesicht auf seine "Lebensunkundigkeit" hin untersucht wird, wenn der Protagonist sich als "Bescheidenheitsangeber" oder Melancholiker entdeckt, der das Jetzt nur noch aus der Perspektive der Erinnerung erleben kann. Es gehört zum Zauber der Genazinoschen Prosa, dass diese Katharsis mühelos auch auf den Leser übergreift, der all die Empfindungen Rotmunds natürlich kennt und teilt und somit auch an dem den Trost, den Rotmund für sich selbst erarbeitet, partizipieren kann. Allererste Wahl für Leser, die den leisen Lebensekel und die Mühe kennen, mit einem Rest von Würde durch die Zumuntungen des Alltags zu kommen.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
kurz und einprägsam 25. April 2007
Von IG
Format:Gebundene Ausgabe
Sollte ich dieses Buch in eine Kategorie einordnen, ich würde den Ordner Stille Bücher nehmen. Es ist weder herausragend noch sensationslüstern. Dieser Roman kommt auf leisen Sohlen daher geschlichen, ganz unauffällig, ohne stören zu wollen. Mutig finde ich von Genazino, den Ich-Erzähler konsequent im Präsens berichten zu lassen. Das ist doch eher unüblich in der Prosa und wird doch mehr der Popliteratur zugeordnet, die von den Kritikern und Literaturwissenschaftlern mehr belächelt als ernst genommen wird.

Also hier verliert jemand sein Ohr, später noch einen Zeh und man nimmt es hin. Völlig unaufgeregt erfahren wir solche Dinge, und noch viel mehr. Die allmähliche Trennung von Ehefrau und Kind, der berufliche Aufstieg. Die einfache Sprache, diese unaufdringlichen Sätze steigern das Grauen, welches sich oftmals hinter der Sprache verbirgt. Andere würden lamentieren lassen oder aufgeregt Emotionen aneinanderreihen. Das fehlt und macht aber das Prägnante dieses Romans für mich aus. Ich lese gerne solche Romane, die es nicht immer auf die Bestsellerlisten schaffen. Das mittelmäßige Heimweh strotzt vor lauter Bildern, die sich dem Leser erst erschließen müssen.

Das Ende überrascht? Ja und nein, würde ich sagen. Denn es wird dem Leser wieder einmal vorgeführt, dass nichts so ist wie es scheint. Und das aus den kleinen Dingen große werden können. Und vor allem, dass einen das Glück manchmal dort findet, wo man es nicht erwartet. Ich hatte Freude beim Lesen. Genazino hat den Leser durch den Erzähler gut führen lassen, es gab eigentlich keine vordergründigen Unstimmigkeiten, die einen stutzig werden lassen.

Ein großartiger kleiner Roman.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich löse mich auf 29. März 2009
Von Anke Przybilla VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Dieses kleine Büchlein hat unter den Literaturkritikern helle Begeisterung hervorgerufen. So schrieb z. B. die FAZ: "Ein Glücksfall von einem Roman." Und in der Tat ist dieses, mit dem "Corine"-Belletristik-Preis des ZEIT-Verlages ausgezeichnete Werk, eine lesenswerte Darstellung von Scheitern und Auferstehung.

Mit dem feinen Gespür für die Tragik des Alltäglichen schildert Genazino den Zerfall des bürgerlichen Lebens des Hauptprotagonisten Dieter Rotmund. Am Anfang des Romans steht der Verlust seines eigenen Ohres, welches plötzlich und ohne Vorwarnung in einer Kneipe unter dem Tisch liegt. Dieter Rotmund ist sofort klar, daß es sich um sein Ohr handelt. Jedoch verspürt er keinen Schmerz und kann sich auch nicht erklären, wie es dazu kommen konnte, daß ihm nun ein Ohr fehlt.

Und dies wird nicht sein einziger Verlust im Laufe der Geschichte bleiben. Und auch bei allen anderen wird er nicht verstehen, warum ausgerechnet ihn dieses Schicksal trifft. Seine Frau, die schon lange im Schwarzwald wohnt und mit der er eine Wochenendbeziehung führt, wird sich von ihm trennen, weil sie einen Liebhaber hat und wie so oft hat diese Trennung auch eine nicht unwesentliche Auswirkung auf sein Verhältnis zu seiner kleinen Tochter.

Obwohl er gerade zum neuen Finanzdirektor seiner Firma ernannt wurde, läuft nichts nach Plan. Nun sollte man annehmen, dies würde Herrn Rotmund aus der Bahn werfen und er würde versuchen, zu retten, was zu retten ist. Aber nein, er nimmt alles scheinbar gelassen hin, so, als würde dieses, aus den Fugen geratene Leben, nicht seins sein. Obwohl er anfangs in gewisser Hinsicht trauert, wandeln sich seine starken Gefühle recht bald in mittelmäßige Emotionen.

Erst die Begegnung mit Sonja, seiner Vormieterin, läßt ihn wieder ein wenig lebendiger werden. Doch es sollen noch weitere Verluste folgen.

Die Geschichte des Dieter Rotmund folgt keinem großen Spannungsbogen, doch die subtile und ironische Beschreibung des Wandels seiner Gefühle läßt sicher die meisten Leser mit ein wenig Lebenserfahrung mit dem Eindruck zurück, diese Leere auch schon selbst gespürt zu haben und die Mittelmäßigkeit des eigenen Lebens, der eigenen Verluste somit mit Humor nehmen zu können.
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Wärmetod des Gefühls
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Vor 12 Monaten von L. Reinhard veröffentlicht
Einfühlsam geschrieben, so daß man das Buch nicht mehr aus...
Mittelmäßiges Heimweh beinhaltet eine wunderbar einfühlsam erzählte Geschichte, von einem Autor, der ein sehr guter Beobachter ist. Lesen Sie weiter...
Vor 18 Monaten von Tino Dittrich veröffentlicht
Gedehnte Betrachtungen eines emotional Unscheinbaren
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Mittelmaß,? nicht mal mäßig! Belehrendes mal...
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Veröffentlicht am 25. September 2007 von Karin Fiedler
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Ein Mann zerfällt. Erst verliert er ein Ohr, einfach so. Nein, natürlich nicht einfach so. Der Verlust des Ohres sowie evt. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 30. Juni 2007 von Floetelei
ohne ohr hört man besser
wie schön, daß es dieses buch gibt. so schnell man es liest, so lange kann man nachdenken, wie ein leben ohne ohr eigentlich wäre - was ja auch ein leben ohne... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 6. April 2007 von liebesleserin
Das Groteske im Leben
"Mittelmäßiges Heimweh" ist der erste Roman, den ich von Wilhelm Genazino gelesen habe. Deshalb kann ich auch keinen Vergleich anstellen mit möglicherweise noch... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 2. April 2007 von Th. Leibfried
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