Dieses Buch ist super einfach geschrieben, geht ins Detail, stellt das Mittelformat mit seinen Fotoapparaten, Objektiven und Zubehör vor. Intensiv geht Autor Adrian Bircher auch auf den Rollfilm und historische Aspekte der Mittelformatfotographie ein. Eine Mittelformatkamera muss nicht unbedingt teuer sein, sie ist aber meist so kostspielig wie eine sehr gute Kleinbildreflexkamera.
Das Mittelformat bietet weniger Tempo aber stärkeren Kontrast, höhere Abbildungsqualität und bessere Verwertung in der Werbung und im Druck. Die Kameras sind unterschiedlich, obwohl der einäugige quadratische Rumpf des Hasselbladsystems dominiert. Aber es gibt auch Reportagekameras, die wie eine Leica M7 funktionieren. Insgesamt bietet das Mittelformat unterschiedliche System zu unterschiedlichen Preisen an.
Ab 1000 Euro geht es momentan los und Schluss ist wohl erst bei 100000 Euro, dann verfügt der Fotograph auch über eine ausgesprochene Profiausrüstung. Das Buch beleuchtet die unterschiedlichen Aspekte und geht deutlich über die Beschreibungen in den Einkaufsratgebern vom Fotojournal hinaus. Neben der Vorstellung der Modelle berichtet Autor Adrian Bircher über die Belichtungsmessung, die Bildgestaltung und die klassischen Themen, für die sich Mittelformatausrüstungen lohnen.
Zu den Nachteilen des Buches gehört, dass die Bildunterschriften nicht genau anzeigen, mit welchem Equipment und Film sie gemacht wurden. Apropos Film: Hier geht der Autor auch nicht detailliert auf die Produkte ein. Aber das hat auch sein Vorteil, denn das Erscheinungsjahr 1990 würde ohnehin dazuführen, dass viele Produkte längst obsolet wären. Gleiches gilt leider für viele Modelle und Ausrüstungsgegenständen, die ebenfalls nicht erwähnt werden konnten, wie zum Beispiel die Hasselblad H 1, die erste echte Autofocuskamera aus Schweden. Inzwischen sind viele Mittelformatkameras nämlich, was Bedienung und Komfort angeht, den Kleinbildkameras ähnlicher geworden. Hier konnte der Autor natürlich nicht auf die Neuigkeiten eingehen, weil das Buch eben alt ist.
Besonders deutlich wird dies an den Datenrückteilen, die aus dem Mittelformat digitale Fotographie machen und die wohl über kurz oder lang sich etablieren werden. Allerdings sind die Fotographen in diesem Bereich puristische Fotoanhänger, deswegen werden der Rollfilm und die Kameras so schnell nicht sterben. Hinzu kommt, dass Dia und Prints keine Probleme mit der langfristigen Lagerung aufweisen. Portraitfotographie wird auch noch lange mit Rollfilm auskommen, weil der Abnehmer Prints der Spitzenklasse will und keine Datei.
Insgesamt ein sehr gutes, informatives Buch mit kleinen Wehrmutstrophen. Eine Neuauflage wäre nicht schlecht. Aber wer sich mit dem Mittelformat intensiv beschäftigen will oder den Kauf einer Kamera im Blick hat, der bekommt alle wichtigen Informationen und Hinweise. Ein Blick in einen aktuellen Einkaufsratgeber oder den Profi Foto Produktguide helfen da aus.