Also, billig ist diese Sammlung ja wirklich. Mir tun allerdings die teilweise ganz ordentlichen Interpreten leid. Man erfährt nämlich nirgendwo, mit wem man es eigentlich zu tun hat. Die Musiker, die Flöten, Trommeln, Drehleier, Pommer und manches andere mittelalterliche Instrument spielen (mal ein wenig trocken bemüht "mittelalterlich-authentisch", dann wieder mit folkig angehauchten Wanderklampfen-Akkorden oder gar lateinamerikanischen Rhythmen), sind völlig namenlos, ebenso wie die Sängerinnen und Sänger, die vereinzelt in Erscheinung treten dürfen, etwa beim Troubadourlied "Reis glorios" oder Oswald von Wolkensteins Kanon "Her wiert". Was auffällt, ist die Kürze, in der manchmal sogar Würze liegt. Eine Unzahl von Melodien wird kurz angespielt, die Ein- bis Zweiminutenlänge wird selten überschritten. So würde sich das ganze ganz gut als Kompendium mittelalterlicher Melodeyen eignen, wenn es wenigstens Quellenangaben würde. Außer einer kurzen Titelangabe wie "Trotto" oder "Saltarello" erfährt man aber überhaupt nichts: keinen Komponisten, keine Herkunfts-Handschrift, noch nicht einmal das Land oder das Jahrhundert der Entstehung des Stückes. So ist das Album nur für ein Quiz unter Mittelalterkennern geeignet unter dem Motto "Wer findet als erster heraus, was wir hier hören?".