Das Buch 'Mittelalter' von Prof. Dr. Harald Müller ist im Jahr 2008 im Akademie Verlag erschienen. Die Papierqualität ist gut.
Prof. Dr. Müller hat das Buch in 14 Kapitel aufgeteilt, plus zusätzlich ein Kapitel für den Serviceteil und eins für den Anhang.
Im ersten Kapitel (Die fremde Epoche zwischen Verklärung und Verketzerung) weißt der Autor darauf hin das 'unser' Mittelalter das Produkt zweier Welten ist: Die eine besteht aus meist diffusen Mittelalter-Bildern in unseren Köpfen, die andere ist die der Wissenschaft vom Mittelalter, der Mediävistik. Er analysiert was die meisten Menschen unter Mittelalter verstehen und stellt diesem anschließend die Sicht aus der wissenschaftlichen Perspektive gegenüber. Während Herr Prof. Dr. Müller aus der wissenschaftlichen Sicht schreibt, geht er auf viele Punkte, wie z.B. Epochengrenzen, Binnengliederung, Nationale Eigenheiten, Heilsgeschichte u.v.m. ein.
Im zweiten Kapitel (Weltbilder) befasst sich der Schreiber mit Weltkarten, Weltchroniken und christlich dominierter Vielfalt. In diesem Kapitel erfährt der Leser wissenswertes über die Entstehung verschiedener Weltkarten, Informationen über Geschichtenwerke der mittelalterlichen Historiografie und über die christliche Zeitrechnung. Im dritten Teil des Kapitels geht der Autor auf die Dominierung der christlichen Vielfalt ein und informiert über andere Glaubensrichtungen, Irrlehren und vieles mehr.
Das dritte Kapitel (Leben in überschaubaren Gemeinschaften) geht auf das Familienleben im Mittelalter, 'Rangordnungen' im Haus aber auch viele Informationen über die Handhabung bei Streitereien/Fehden ein.
Das vierte Kapitel (Äckern und Menschen) zeigt erst die mittelalterlichen Anbautechniken auf und im Anschluss daran geht es auf weitere wichtige Themen wie Klima, Landesausbau, Bevölkerung usw. ein. Im weiteren findet man in diesem Kapitel Informationen zur sozialen Ordnung und zu möglichen Besitzverhältnissen im Mittelalter. Im letzten Teil dieses Kapitels geht der Autor kurz auf die Dorfgenossenschaft und Bauernaufstände ein.
Im fünften Kapitel (Von Herren und Vasallen) wird anfangs erst einmal geklärt was das Lehnswesen war und wie es sich entwickelt hat, was es beinhaltete, aber auch wann es beendet wurde. Im nächsten Unterkapitel geht es um die Strukturen einer Kriegerkaste und anschließend um europäische Feudalgesellschaften.
Kapitel sechs (Von Bürgern und Einwohnern: die Stadt) weißt anfangs auf Definitionsproblem beim Begriff 'Stadt' hin und zeigt im Anschluss verschiedene Aspekte auf, welche im Mittelalter zu einer Stadt dazu gehörten. Es wird vom dazugehörigen Stadtherrn geschrieben, von Stadtsiegeln und div. anderen wissenswerten Dingen. Im Unterkapitel 6.3 geht es vor allem um die Sozialstruktur im Mittelalter, sprich um Orte der Zusammenkunft, die verschiedenen Bevölkerungsschichten aber auch um Randgruppen und Sonderfälle.
Im siebten Kapitel (Vielfalt unter der Krone) geht der Autor auf die Wege zum Thron, Bedingungen königlicher Herrschaft und Herrschaft und Konsens ein.
Das achte Kapitel (Umfassende Präsenz: die lateinische Kirche) beschäftigt sich mit der Rolle der Kirche im Mittelalter. Es beschreibt die Sonderrechte der Kleriker und auch die Hierarchie bei dieser Gruppe. Im weiteren wir auf die Religion und Kirche im Alltag eingegangen und beschrieben welche kirchlichen Gemeinschaften es im Mittelalter gab. Im Unterkapitel 8.3 geht der Autor auf das Thema 'die Papstkirche zwischen Machtfülle und Ohnmacht ein' und durchleuchtet dieses.
Kapitel neun (Das Zeitalter der Urkunden? Kommunikation im Mittelalter) geht erstmal auf die Funktionen der Schriftlichkeit ein, macht aber auch deutlich das mündliche Verträge üblich waren und auch bei Gericht anerkannt wurden. Das letzte Unterkapitel wurde der Symbolischen Kommunikation, sprich den Gesten und komplexeren Handlungsabläufen mit zeichenhaftem Charakter gewidmet.
Im zehnten Kapitel (Die Kultur der Eliten) beschreibt der Autor anfangs die 'kirchliche' Kultur, geht dann zu Höfen und Städten über und zum Schluss endet er mit der Ausstattung, dem Gefolge usw.
Das elfte Kapitel (Aufstieg in die Welt des Verstandes) beschreibt den 'Weg der Bildung' im Mittelalter
Kapitel zwölf (Ausweitung des Wissens) dient vor allem technischen Erfindungen und Neuerungen.
Im dreizehnten Kapitel (Unterwegs in alle Richtungen. Mobilität im Mittelalter) geht der Autor auf Reisen ein. Er berichtet über Reisepraxis und 'geschwindigkeit, Unterkünfte aber auch über Anlässe zu Reisen, Zoll und Geldwechsel. Ein eigenes Unterkapitel wird sogar den Pilgerreisen gewidmet.
Kapitel vierzehn (Selbst-Bewusstsein des mittelalterlichen Menschen) beschäftigt sich mit den Menschen selbst.
Kapitel fünfzehn ist ein Serviceteil und in Kapitel sechzehn sind alle Anhänge nochmals aufgelistet.
Am Ende eines jeden Kapitels gibt der Autor einige Lektüreempfehlungen und schreibt auch kurz zusammengefasst Fragen und Anregungen.
Das Buch fasst in meinen Augen viele Aspekte des Mittelalters auf und gibt diese gut erklärt wieder. Dank den Literaturempfehlungen kann man sich (wenn benötigt) noch speziellere Lektüre anschaffen.