Diese Mitteilungen an Max [Frisch], die Wolfgang Hildesheimer dankenswerterweise uns allen zum Staunen, Lachen oder Ärger (je nach persönlicher Neigung) überlassen hat, sind eine der letzten Manifestationen und Manifeste seines brillianten Geistes, seines bemerkenswerten und unbestechlichen Scharfblicks und seines ebenso beißenden wie melancholisch-resignativen Humors. Ein scheinbar oberflächliches Dahinplätschern eines Bächleins von Kalauern erweist sich als tiefer Strom, der jedem, der unaufmerksam hineintappt, die Füße und den "gesunden" Menschenverstand wegreißt. Ein weiterer souveräner Abgesang des Meisters des Absurden auf die Sinnsuche in der Sprache, die Sinnsuche überhaupt. Eine fröhliche, erbarmungslose Entlarvung und Demontage der Sprache durch die Sprache, in der höchste Komik und tiefster Ernst einander durchdringen. Hildesheimer reißt Hülle auf Hülle weg, bis der Leser schließlich in einen (Zerr-)Spiegel blickt und ihm nichts mehr bleibt als das Lachen. Aber auch dieses nimmt ihm Hildesheimer zuletzt noch in einer bloßen Andeutung der katastrophalen Zukunftsperspektiven, welche er in "Biosphärenklänge" explizit ausgeführt hat. Wo finden wir uns schließlich wieder, wenn nicht im Zillertal oder auf den Tulpenfeldern Hollands?