Aus der Amazon.de-Redaktion
Der Mann, den Edward Glyver kurz vorm Austernabendessen im Fischlokal Quinns in einer abgelegenen Ecke im London zur Mitte des 19. Jahrhunderts tötet, hat einfach Pech gehabt. Seine roten Haare wohl waren es, die den Unbekannten aus der Masse herausstechen ließen, deshalb fiel die Wahl auf ihn. Der rothaarige Fremde ist für den adeligen Glyver nur die Generalprobe für den eigentlichen Mord an seinem ehemaligen Freund und jetzigen Todfeind Phoebus Daunt, den er, wohl ganz zu Recht, für den Verlust seiner großen Liebe, von Bildung und Erbe verantwortlich macht. Dafür will Glyver sich rächen. Das Duell zweier intellektuell überaus gerissener junger Männer entbrennt: zweier Männer zudem, die bereit sind, bis zum Äußersten zu gehen ....
In der Mitte der Nacht, der Debütroman des englischen Lektors Michael Cox, ist ein bemerkenswertes -- und ein bemerkenswert düstres -- Buch. Letzteres liegt vielleicht daran, dass der Autor es schrieb, als ihm eine schwere Krankheit die Arbeit in seinem ursprünglichen Beruf unmöglich machte. Ersteres hat sicher damit zu tun, dass Cox laut Verlagsangaben ein Spezialist für viktorianische Literatur genannt werden kann. Denn die (von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann übrigens kongenial ins Deutsche übersetzte) Sprache kommt so altertümlich daher, dass man fast glaubt, ein Buch in Händen zu halten, das wirklich dieser Zeit entstammt.
Und trotzdem wirkt In der Mitte der Nacht absolut authentisch -- und dies aufgrund eines literarischen Kniffs, der oft angewendet wird, hier aber als beste aller möglichen Lösungen erscheint. Denn Cox hat sein Buch, versehen mit einer Herausgeberfiktion und Fußnoten, aus der Ich-Perspektive seines Helden Edward Glyver verfasst, der als Kind des 19. Jahrhunderts natürlich viktorianisches Englisch geschrieben hat. So ist der Identifikationsgrad des Lesers mit Cox Figur extrem hoch und distanziert zugleich -- ein Effekt, der die gruselige Hochspannung dieses großartigen Romans noch unterstreicht. --Stefan Kellerer
Kurzbeschreibung
Vom Freund verraten, von der Liebe betrogen und für immer um sein Erbe gebracht – Edward Glyver schwört kaltblütige Rache. In seinem rasenden Zorn verstrickt er sich in einem Geflecht aus Selbstüberschätzung, Verfolgungsangst und Gerechtigkeitswahn. Sein grausames Schicksal, so glaubt er, spricht ihn von allem frei – selbst von einem Mord … London 1854. Ein gebildeter und weltoffener junger Mann begeht einen Mord – nur um zu sehen, ob er dazu fähig ist. Der Mord an einem völlig unschuldigen Mann ist für Edward Glyver nur der vorläufige Höhepunkt in einem Kampf um Geld, Macht und ein entgangenes Erbe. Nach dem Tod seiner Mutter entdeckt Glyver, dass er dem englischen Hochadel entstammt. Fortan setzt er alles daran, seinem Vater, Lord Tansor, zu beweisen, dass er der legitime Erbe ist. Doch schon bald ereilt ihn eine schockierende Nachricht: Lord Tansor plant, den Sohn einer Verwandten als Erben einzusetzen. Edward tobt – ist dieser künftige Erbe doch Phoebus Daunt, jener Mann, der einst sein bester Freund war und nun sein größter Feind ist. Alles scheint ihm dieser Mann zu nehmen, selbst die Frau, die er liebt. Es beginnt der mörderische Wettlauf zweier Männer, die sich in ihrer Brillanz und Gerissenheit, in ihrer Sensibilität und Hybris auf geradezu unheimliche Weise ähnlich sind. Und Edward will siegen, ganz gleich, was es ihn kostet.