Hanna und Thomas, der Generation "Mitte 30" angehörig, sind kein jungverliebtes Paar. Ihre kinderlose Beziehung hat sich mit den Jahren eingespielt und wird geprägt von der großen und kleinen Alltagsroutine. Gemeinsam erfüllen sie sich einen Traum - den Traum vom eigenen HAus.
Der Film setzt gleich zu Beginn dort ein. Die beiden kaufen sich also gemeinsam ein altes Haus, mitten im brandenburgischen Nirvana, ländliche Idylle pur. Gemeinsam, so der Plan, soll das Haus einen Sommer lang bewohnbar gemacht werden - währenddessen zu ihrer Oase der Zweisamkeit werden. Thomas, ein verantwortungsscheuer Enddreißiger, der in ständiger Verweigerung zum endgültigen Erwachsenwerden lebt, versucht sich selbst an Renovierungsarbeiten, bei welchen er jedoch schnell an seine Grenzen stößt. Die bodenständigere Hanna lässt ihn gewähren, ist jedoch von seiner Planlosigkeit überfordert. Der Plan von der totalen Zweisamkeit wird durchbrochen von Thomas Bruder, dem stillen Friedrich, der mitten in einer Lebenskrise steckt. Seines Zeichens Architekt, lässt sich das Paar schließlich darauf ein, ihn für ein paar Tage bei sich aufzunehmen. Letztlich gesellt sich noch Hannas junge Patentochter, Augustine, zu dem Trio. Gemeinsam nehmen sie einige Renovierungsmaßnahmen am Haus vor, verbringen ein paar feucht-fröhliche Sommerabende und philosphieren weinselig über das Leben im Allgemeinen. "Die Wahrheit ist immer das,was passiert. Nicht das, was man sich denkt oder sich wünscht." sagt Hanna in einem solchen Gespräch, nichtahnend, wie sehr sie sich damit den Ergeignissen nähert. "Es kann doch nicht sein, dass man, wenn man die 35 mal überschritten hat, nur noch über guten Wein sprechen möchte. Wichtig ist doch, dass wir so glücklich sein können, dass es egal ist, ob ein Wein gut oder schlecht ist" sagt Thomas durstig nach der bereits gelebten Jugend und der damit verbundenen Leichtigkeit. Bald stellt sich heraus, dass Thomas sich von der "jugendlichen Leichtigkeit" der Augustine, die zu seiner eigenen Überraschung mit den Jahren zur jungen Frau gereift ist, mehr und mehr angezogen fühlt.Die ernsthafte, strukturierte Hanna, lebenserfahrener als Thomas, nimmt diese Entwicklung schrittweise wahr und verzweifelt zunehmend daran. Selbst findet sie sich - wider Erwarten - mehr und mehr von dem introvertierten, konservativen Friedrich - der das ganze Gegenteil seines Bruders Thomas ist - hingezogen. Friedrich,derzeit ohne echte Lebensaufgabe, gerade von Frau und Kind verlassen, sucht seinerseits in Hanna den Halt, den er schmerzlich vermisst. Auch Thomas bleibt diese Zuneigung nicht verborgen. Alte Rivalitäten brechen zwischen den Brüdern auf. Hanna und Thomas verlieren zunehmend den Zugang zueinander. Beide leiden darunter. Doch jeder für sich allein. Alles passiert unterschwellig, niemand spricht das aus. Die Situation spitzt sich weiter zu und schließlich entladen sich die Gefühle, was darin gipfelt, dass Augustine sich auf ein sexuelles Erlebnis mit Thomas einlässt. Der Morgen danach bringt eine Entscheidung für alle Beteiligten mit sich.
Ein französisch anmutender,atmosphärischer deutscher Film in schönen Bildern, stimmungsvoll untermalt von Vic Chesnutt.
Ja!Ja!Ja! Es gibt sie eben doch, diese deutschen Filmproduktionen, die sich völlig ungekünstelt um echte Authentizität bemühen ganz ohne diese beinahe zwanghaft chronische Schwerelastigkeit und bildhaften Depressionsdarstellung auskommen!
Fazit: Dies ist ein Problemfilm - auch deutsch, und wenig spektakulär vielleicht - dafür aber auf eine feinfühlig, lebendige, erfrischend ungekünstelte reale Weise in Szene gesetzt und sehenswert.