Vorsicht - Inhaltsbeschreibung + Schlussverrat!
Colette schaffte es in "Mitsou" großartig, ein genaues und realistisches Bild der ersten Verliebtheit eines Pärchens zu zeichen. Die Dinge, die von den Protagonisten nach dem ersten Treffen ineinander projiziert werden, die manische Verliebheit, die durch einen gewitzten Briefwechsel angeheizt wird, die Ernüchterung und die Beklemmung beim zweiten Treffen, der Versuch, mit Sex Nähe herbeizuführen, die Selbsttäuschungen und Ausreden die man sich selbst gegenüber erfindet um eine solch beklemmende Situation ertragen zu können und letztendlich die Schlüsse/Hoffnungen, mit denen das Paar auseinander geht. Der Schluss ist dabei die schönste Stelle des Buches, in dem Mitsou bemerkt, dass sie zwar die Erwartungen, die ihr Leutnant in sie hinein projiziert hat, enttäuscht hat und noch nicht erfüllt, dass aber genau diese Erwartungen nun in ihr leben und wachsen und sie versuchen will, der Mensch zu werden, den sich ihr Geliebter wünscht. Aber nicht nur um des Geliebten willen - er hat ihr gezeigt, dass sie mehr sein kann als sie bis jetzt ist, auch ohne ihn.
Das Bild, das Colette von dieser ersten Verliebheit und ihren Erwartungen zeichnet, ist genau, unverklärt, und führt einem teilweise schmerzhaft vor Augen, wie sehr Romantik von Erwartungen und Projektionen abhängt und wie leicht diese enttäuscht werden. Der philosophische Schluss der Heldin zeigt darüber hinaus, das man das aber nicht so tragisch nehmen muss - Erfahrungen, ob gute oder schlechte, sind prinzipiell immer für etwas gut.