So einfach ist das! Wenn man die Frau sucht, in die man sich verknallt hat, und dann feststellt, dass sie sich doch nicht in Lyon, sondern in Spanien aufhält, muss man improvisieren.Der Student Frank Reese(Matthias Diedrich) macht genau das. Er sucht sich eine Mitfahrgelegenheit von Karlsruhe nach Lyon. Dort will er Mercedes treffen, die rassige Spanierin, die er in Karlsruhe kennengelernt hat. Der Automechaniker Thomas Kleiser(Martin Kaps) nimmt Frank in einem Wohnmobil mit, dass er in Lyon verkaufen will.
Doch dann kommt alles anders. Mercedes ist in Spanien und Frank findet Thomas in der Nacht stockbesoffen auf den Straßen Lyons. Der Wohnmobilverkauf ist gescheitert. Also nimmt das Schicksal seinen Lauf. Frank will weiter nach Spanien und Thomas sagt:"Wie wärs mit mir?" Auf Landstraßen schippert der smarte Thomas, der fast alle Dinge im Leben ohne großes Nachdenken erledigt, den ruhigen, ewig grübelnden Frank in den sonnigen Süden. Dabei treffen zwei Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zudem geht so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Aber schließlich ist der Weg das Ziel. Und dieser gemeinsame Weg von Thomas und Frank, der ist wirklich sehenswert...
-Mitfahrgelegenheit- war in der Entstehung eher ein Projekt als ein Film. Regiseur und Drehbuchschreiber Alexander Schulz bot seine Story im Internet zum mitschreiben an. Interessierte konnten auf die Story einwirken und Vorschläge für ihren weiteren Verlauf beisteuern. Das war so kreativ wie erfolgreich.
In seinen Bildern vereint Schulz den Charme einer Low-Budget Produktion mit wunderbaren Ansichten von Straßen und Landschaften. In diese traumhafte Kulisse setzt er mit Thomas Kaps und Matthias Dietrich ein Duo, das einem sehr schnell ans Herz wächst. Da passen alle Dialoge, Gesten und Widersprüche. Wie Frank und Thomas zum Team werden, das ist eine echt anrührende Geschichte.
Dazu kommt Thomas Einsicht: "Es muss ja nicht immer Mercedes sein" und der Running Gag mit dem Namen Frank und Frankie. Für mich das Sahnehäubchen der Produktion war jedoch der Soundtrack. Hier schickt Alexander Schulz mit Clueso, Calim, Dachterrasse, Vember, Jenix und Angelas Park einen Mix aus zum Teil völlig unbekannten Interpreten mit ein paar starken Indie-Experten an den Start. Der dabei entstandene Mix aus Bildern und Melodien ist ganz große Klasse.
Wenn sie sich also einmal anders unterhalten wollen und sich hin und wieder aus dem Film- und Kino-Mainstream ausklinken, dann lege ich ihnen -Mitfahrgelegenheit- ans Herz. Ich warne aber Unvorsichtige. Es gibt kaum Action, keine überragenden Stunts und keine Bilder, denen man ansieht, dass sie Millionen gekostet haben. Was ich ihnen jedoch versprechen kann, sind gute Dialoge, zwei hervorragende Schauspieler, eine kreative Idee und eine wirklich ansprechende Geschichte. Wenn sie auf diesen Mix stehen, dann stehen ihnen unterhaltsame 90 Minuten bevor. Manchmal ist weniger einfach mehr!