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Wenn ich z.B. jetzt schreibe, "Dieses Buch ist für jeden, der öfter mal missversteht oder missverstanden wird, ein Gewinn", dann haben Sie vier Möglichkeiten: Sie können die reine Sachbotschaft hören (so, wie sie dasteht). Sie können eine Beziehungsbotschaft hören (Ich, der schlaue Rezensent, weiß, was für Sie, den schlechten Kommunikator, gut ist). Sie können eine Selbstoffenbarung erkennen (offenbar hatte ich das Buch nötig und mit Gewinn gelesen). Oder bei Ihnen kommt der Appell an ("Kaufen Sie dieses Buch!").
Während die Beziehungsbotschaft bei Ihnen vielleicht zu einer Abwehrreaktion führt ("Dieser Schlauberger hat mir gar nichts zu empfehlen!"), könnte die Selbstoffenbarung die gegenteilige Reaktion hervorrufen ("Wenn es ihm genützt hat, warum dann nicht auch mir!"). Dieses Beispiel im Sinne Schulz von Thuns zeigt: Es gibt keine absoluten Nachrichten – es gibt nur Interpretationen.
Nun könnte ich Ihnen auch noch sagen, dass der Sender ebenfalls mit vier Schnäbeln spricht, aber diesen Job überlasse ich lieber Friedemann Schulz von Thun. Denn Band I ist so lebendig und anschaulich geschrieben, so reich an Beispielen und Zeichnungen, dass ich Ihnen das Vergnügen dieser Lektüre nicht vorenthalten will.
In Band II geht der Autor auf "Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung" ein (so der Untertitel). Wenn es zwischen zwei Menschen kracht, denkt jeder sofort: Der andere ist schuldig! Friedemann Schulz von Thun entlarvt diese Milchmädchenrechnung als Irrtum. Denn jeder von uns pflegt einen bestimmten Kommunikationsstil (acht davon werden in diesem Buch ausführlich dargestellt), und von diesem Stil hängt es ab, wie die Mitmenschen auf uns reagieren.
Sehr deutlich wird das am Beispiel eines Paares: Der Mann hat immer wieder kleinere Heimlichkeiten vor seiner Frau. Diese ahnt das, wird nervös und fragt ihm Löcher in den Bauch. Er wiederum fühlt sich eingeengt und kontrolliert – und reagiert mit neuen Heimlichkeiten, um sich Luft zu verschaffen. Worauf sie noch bohrender nachfragt. Worauf er noch verschlossener wird usw.
Das Teufelskreis-Schema lässt sich zur Analyse aller Konflikte anwenden, ob privat oder beruflich. Es ist deshalb so erhellend, weil es zeigt: Keiner von uns ist nur Opfer – jeder ist an Konflikten beteiligt und kann den Teufelskreis durchbrechen, indem er sein eigenes Verhalten verändert. Schulz von Thun demonstriert mit dem Modell des Entwicklungsquadrats, wie wir unseren Kommunikationsstil zum eigenen Vorteil verändern können, und mit dem Modell des Inneren Teams (im dritten Band), wie wir durch gelungene Selbstklärung auch zu mehr Klarheit nach außen finden.
Alle drei Bände sind äußerst lesenwert, nicht nur für Psychologen, Lehrer und Dozenten, sondern für jeden, der spricht und zuhört. Selten ist es einem Wissenschaftler gelungen, so populär und zugleich hintergründig zu schreiben. Kein Wunder, dass "Miteinander reden" als eines der ersten Bücher ein breites Publikum für die Kommunikationswissenschaft begeistert hat. Ich habe alle drei Bände gerade zum zweiten Mal mit Gewinn gelesen!
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