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am 27. Juni 2009
Die Frage, was willst Du mit Deinem Leben anfangen, wie verstehst Du es bzw. wie verstehst Du Dich selbst, zieht sich konsequent durch alle Seiten. Ungemein spannend fand ich das & das Nachdenken darüber, vor allem die aufgezeigten Optionen, alles/vieles auch ganz anders zu sehen....

Ausgangspunkt ist die Moderne. Durch die Auflösung von verbindlichen Regeln durch Tradition, Konvention, Religion und die Veränderungsdynamik der Moderne ist das Ich in unserer Gesellschaft vor eine Fülle von Entscheidungen gestellt. Es besteht nicht nur die Freiheit, sondern auch der Zwang, sein Leben zu gestalten. Wie kann ich mit dieser Herausforderung umgehen? Schmid beantwortet diese Frage auf philosophische Weise - er reflektiert unseren heutigen Alltag und zeigt auf, was uns helfen könnte, nicht nur ein Ich zu sein, sondern ein Selbst zu gestalten. Atemberaubend, mit welcher Leichtigkeit er dabei Erkenntnisse und Begrifflichkeiten aus Jahrtausenden Philosophiegeschichte mit Fragestellungen der Jetztzeit in Verbindung bringt.

Grundtenor seiner Ausführungen: Ich muss mich selbst kennenlernen, mit mir selbst befreundet sein, um mich auf andere einlassen und bewusst leben zu können. Worauf es aus seiner Sicht dabei ankommt, beschreibt er in den 78 Kapiteln dieses Bandes. Das Ziel des Ganzen ist das generelle Anliegen der Lebenskunstphilosophie, dem Leben Sinn zu geben, das Leben so zu gestalten, dass es bejahenswert erscheint." (196). Um diesen Band zu lesen, muss man in der Lebenskunst allerdings schon so weit gediehen sein, dass man sich die Zeit nehmen kann, sich fast 466 Seiten lang mit ganz grundsätzlichen Fragen des Lebens zu befassen - und zwar ohne Schaukästen und Bildchen.

Lässt man sich auf Schmids sehr eingängig geschriebenen Ausführungen ein, eröffnen die Kapitel einem neuartige Perspektiven auf ganz gewöhnliche Vorgänge des modernen Alltags, z. B. eine philosophische Betrachtung des Sporttreibens und seiner Wirkung auf die Seele, das Verhältnis von Wellness zur Selbsterkenntnis, die Rolle von Schmerz für die persönliche Entwicklung oder eine philosophische Betrachtung des Lifestyle-Mittels Viagra.

Sehr lesenswert fand ich auch Schmids Wissenschaftskritik und seine Argumentation in der Frage, ob der Mensch einen freien Willen habe, seine Ausführungen zum Thema Arbeit oder zur der Frage, was die ,antike' Tugend der Tapferkeit heute bedeuten könne, seine Gedanken zur Selbsttötung oder der Kinderfrage, was denn nach dem Tod sei. Immer geht es ihm um ein Erkennen der Optionen und dadurch der Ermöglichung von bewusster Entscheidung.

Prinzipiell kann man dieses Buch auch als Fundgrube unabhängig voneinander lesbarer Essays nutzen; gedacht ist es aber eher als Anleitung zur Selbstsorge - körperlich, seelisch, geistig - als Grundvoraussetzung für bewusste Lebensgestaltung, Selbstermächtigung oder Lebenskunst, wie er es nennt.
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am 2. September 2004
Wilhelm Schmid hat sich der Neubegründung einer Philosophie der Lebenskunst verschrieben. Nach dem beachtlichen Erfolg von „Schönes Leben?" (2000) legt er jetzt mit seinem neuen Buch über die Selbstfreundschaft ein gleichermaßen kenntnis- als auch erkenntnisreiches Werk über den Umgang des Menschen mit sich selbst vor.
Autarkie, Askese und Ekstase sind für Schmid zentrale Begriffe; Autonomie, Wahl, Freiheit, Sinn, Glück, Fülle und Aufmerksamkeit einige andere. Auch der Angst kommt einige Bedeutung zu: In ihr sieht der Autor sogar den Anfang aller Lebenskunst. Warum? Weil im selben Maß, wie sich der moderne Mensch seine Freiheit nimmt und von alten Bindungen löst, auch die existenzielle Angst wächst. Darin liegt die Widerspruchsnatur des Begriffes, solange nur von der Befreiung von und nicht vom Freisein für etwas die Rede ist. Vor diesem Hintergrund formuliert Schmid eine provokant klingende These: Ausgerechnet die Moderne und das in ihr ausgesetzte Individuum sind weitaus labiler als es angesichts ihrer fast grenzenlos scheinenden Omnipotenz und lärmig vorgetragenen Hybris scheint.
Getreu dem delphischen Motto „Erkenne dich selbst" kreisen Schmids Gedanken in sich weitenden Ringen um dieses unbekannte Wesen, dem unsere Fürsorge gelten soll. Dabei zeigt sich: Es ist nicht leicht, eine Beziehung zu sich selbst aufzubauen, noch dazu eine freundschaftliche; einerseits, weil dem Ich sein Selbst meistens ziemlich fremd ist, andererseits auch deshalb, weil das Ich oft etwas darstellt, das weniger eine ausbalancierte Einheit darstellt, als vielmehr eine in verschiedene Fragmente gespaltene und zwischen diesen hin- und hergerissene Erscheinung.
Schmid widmet seine Achtsamkeit den Ausprägungen dieses Selbst in vielerlei Formen, zum Beispiel dem elektronischen Subjekt, wie es sich uns fortschreitend im von E-Mails und E-Government geprägten „E-Life" gegenübertritt. Entscheidend aber in diesen Zeiten ist die Beschäftigung mit dem zentralen Problem der postindustriellen Gesellschaft: Keine Arbeit zu haben. An diesem Punkt hat eine Philosophie, die sich am Leben der Menschen orientiert und sich vor dem Begriff Lebenshilfe nicht scheut, einen ersten Härtetest zu bestehen. Wie steht es um die Lebenskunst und das schöne Leben in diesen hart(z)en Zeiten?
Unter anderem, so Schmid, „gerät die Sorge um sich zur Sorge um Arbeit", ist also eine der Ausdrucksformen der Selbstsorge. Eine Selbstverständlichkeit? Ja, und das nicht nur im bürgerlichen Sinne, denn schließlich steht mit dem Lebensunterhalt das Leben an sich in Frage. Geld und Besitz sind insofern als sinnvoll zu erachten, als sie einem nicht nur die Existenzgrundlage verschaffen, sondern auch das Verfügen über Möglichkeiten und jene materielle Sicherheit, die notwendig ist, um die Existenzangst nicht völlig ausufern zu lassen.
Worauf es Schmid jedoch ankommt, ist den Begriff der Arbeit nicht nur auf den materiellen Aspekt und die Erwerbsarbeit einzuengen. Deshalb führt er hier den Begriff der Lebensarbeit ein, als einem umfassenden Tätigsein auf den verschiedenen Baustellen des Lebens: „Arbeit ist all das, was ich in Bezug auf mich und mein Leben leiste, um ein schönes und bejahenswertes Leben führen zu können." Und er zählt auf: die Arbeit an Freundschaft, Familienarbeit, Bürgerarbeit, Muße als Arbeit und - last and least - auch die Erwerbsarbeit.
Eingebettet in den ideellen Zusammenhang der Lebensarbeit erscheint das Geldverdienen nur als ein Teil dieser zu leistenden Lebensarbeit. Arbeitslosigkeit kann eigentlich nur in diesem letzten Punkt eintreten, denn an Gelegenheiten, in den anderen genannten Bereichen tätig zu werden, wird es ein Leben lang nicht mangeln. Insofern geht auch der immanente Sinn der Arbeit nicht verloren, denn es wäre fatal, ihn nur an den Begriff der Erwerbsarbeit zu koppeln, welche ihn ohnehin oft genug - Überforderung, Entfremdung, Mobbing, innere Kündigung, Burnout, Depression - skrupellos korrumpiert.
Hilft uns das? Nicht direkt. Wer nicht weiß, wovon er morgen seine Miete bezahlen soll, wird sich zunächst nur schwer mit solchen Gedanken trösten können. Unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem ist um die Arbeit als Grundlage der Produktion materieller Ressourcen herum organisiert. Wir sind damit aufgewachsen und viele Jahre darauf vorbereitet worden, in diesem System unsere Rolle zu spielen und darauf unsere eigene Existenz aufzubauen. Sinn ergibt sich hauptsächlich aus unserem ökonomischen und materiellen Erfolg. Lässt sich daran etwas ändern, ohne das System selbst in Frage zu stellen?
Nicht sofort. Wenn überhaupt, dann nur über den langwierigen Weg einer allmählichen Einübung anderer Sichtweisen: über Askese und Meditation. Was Schmids Philosophie der Lebenskunst auszeichnet ist, dass sie nicht bei der bloßen Behauptung einer selbstgestalteten, bejahenswerten Existenz stehen und somit utopisch bleibt, sondern bedenkenswerte Vorschläge - nicht „Rat-Schläge" und Rezepte - für die Entwicklung und Verwirklichung anderer, eigener Einstellungen gibt.
Alle Ausarbeitungen zu diesen Themen sind geprägt von einem tiefen Verständnis für die Bedingtheit der menschlichen Existenz. Viele Sätze sind Balsam für die gehetzte und geschundene Seele, die offen oder uneingestanden nach Erlösung vom Terror moderner Lebens-, Arbeits- und (Re-) Produktionsbedingungen lechzt, also nichts so sehr wie Ruhe, Frieden und Glück herbeisehnt. Schmid vertritt die pragmatische Romantik einer anderen Moderne. Angetrieben von der Notwendigkeit der Selbst- und Seelsorge trägt er seine „Predigten" vom schönen Leben bis in den hintersten Winkel des Thüringer Waldes. Dabei pflegt er einen essayistischen und oftmals poetischen Stil, frönt der Lust an der Kunst der Formulierung und Wortschöpfung („cyberhaft - zauberhaft"), reichert die meist kurzen Kapitel mit anschaulichen Beispielen und Fällen aus der Gegenwart an und lockert sie gelegentlich, dort wo es angebracht erscheint, auch mit etwas Heiterkeit auf. Erstmals begegnet einem der Verfasser in seiner Schrift gelegentlich auch ganz persönlich. All das zusammen macht dieses Buch über seinen Gehalt hinaus besonders lesbar.
Aber, um das berüchtigte Haar im epikureischen Süppchen nicht zu übersehen: Wohin kommen wir, wenn jeder sein eigenes kocht und auslöffelt? Wohin führt diese Selbstbeschäftigung? Bleibt sie reiner Selbstzweck? „Ist Selbstbeziehung Egoismus?" - Nein. Je aufmerksamer Schmid sich den Ausprägungen und Aspekten des Selbst zuwendet, desto klarer wird, dass die Beschäftigung damit sehr schnell vom Ich zum Wir, der Welt und schließlich auch weit darüber hinaus führt. Die Beziehung zum Selbst wird umgehend zu einer Bezogenheit auf die Anderen.
Schmid wird nicht müde, die so verstandene Selbstfreundschaft deutlich von der Selbstsucht abzugrenzen. Er darf sich dabei ebenso auf das christliche Gebot der Nächstenliebe stützen, die ursprünglich die Selbstliebe voraussetzte, wie auch auf Adolph Freiherr von Knigge. Dieser leitete seine oft falsch verstandenen Schrift von 1788 „Über den Umgang mit Menschen" mit einem Kapitel über den Umgang mit sich selbst ein und formulierte darin: „Die Pflichten gegenüber uns selbst sind die wichtigsten und ersten, und also der Umgang mit unserer eigenen Person weder der unnützeste noch uninteressantes."
Die Philosophie der Lebenskunst ist ein lebensfreundliches Korrektiv zur oft eher lebensfeindlichen Ausprägung moderner Sichtweisen und Verhältnisse. Das hat nichts mit krampfhaftem Positivdenken zu tun, denn das Unschöne, Schmerzliche und Leidvolle, die Krankheit, Trauer und Melancholie, die Niederlage, das Versagen und die Niedergeschlagenheit werden von diesem Wissen um das Lebenkönnen, das auch ein Wissen um das Sterbenmüssen , nicht ausgeschlossen.
Auch über den Tod hinaus lässt sich dieses Selbst letztendlich denken und erfährt dadurch seine größtmögliche Weiterung. Schmid: „Jedenfalls ist eine solche Vorstellung von Transzendenz ein möglicher Gedanke des Selbst, unabhängig davon, ob dem eine Wirklichkeit entspricht."
Diese Öffnung des Selbst für das ganz Andere eröffnet die Möglichkeit der Überschreitung seiner Grenzen, vielleicht sogar für die Überwindung des Selbst und dessen endlichem Verzicht. Angesichts dieses uns alle bevorstehenden Endes ergeben sich Antworten auf die Fragen nach dem Glück und dem Sinn schließlich fast von alleine. Und in dem Moment, in dem das Leben endlich in seiner ganzen Fülle in den Blick des Selbst gerät, findet die alle Selbstbezogenheit ihr Ende.
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am 13. November 2013
Als Philosophiestudent in der "Moderne" vermisse ich oft das Praktische im Studium, das Nützlich-Sinngebende. Etwas, dass fern ab von abstrakt-theoretischen Gebilden ist. Eben das, was Philosophie einst noch bei den alten Griechen war: Lebenskunst!

Das Buch deckt ein ganzes Leben ab! Und zwar nicht im Stile einer popularwissenschaftlichen Selbsthilfelektüre, sondern mit philosophischem Anspruch. Klar, das Buch ist mit knapp 450 Seiten schon ein "Schinken", vor allem weil es auch thematisch sehr dicht gepackt ist. Aber der Autor hat eine klare und präzise Sprache; wer konzentriert sich peu à peu ans Lesen macht, wird ein wunderbar bereicherndes Werk vorfinden!
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am 21. Dezember 2011
Ein kluges Buch über das Leben und wie man positiv damit klar kommen kann. Fast alle möglichen Lebensbereiche werden berührt, es gibt viele Anregungen zum Nachdenken, aber alleinseligmachende Empfehlungen oder gar Vorgaben werden vernünftigerweise vermieden. Wer mit sich im Reinen ist, kann auch Andere besser verstehen und mit ihnen umgehen.
Fazit: empfehlenswert für jeden, der bereit ist über sich und sein tägliches Verhalten nachzudenken und der Veränderung sucht.
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am 11. März 2008
Das is doch wahre Philosophie, auf dem Weg zu sich selbst sein.
Wilhelm Schmitd gibt wertvolle Tipps für eine Lebenskunst im Zeitalter der Globalisierung.
Der Leser wird vor einem spiegel gestellt und mit denkanstößen über sich selbst versorgt .
Das Buch ist nicht nur was für Anfänger, sonder auch was für erfahrene Philosophen , denn W.schmidt verweist oft auf seine philosophischne Quellen und zitiert andere Philosophen in einem sprachlich gelungen Kontext .
Zwar wiederholt sich W.Schmitd des öfteren ,jedoch merk man beim lesen wieviel Mühe sich der Autor bei diesem Werk gegeben hat .
Was mir besonders gut gefällt ist die Art wie W.schmitd mit seinem Leser umgeht ,er fordert ihn nicht auf etwas zu machen ,sonder stellt ihn stehts vor einer wahl die er selbst treffen muss .
Alles in allem ist das Buch wirklich ein wichtiges Werk mit Fragen die sich jeder mal gestellt haben mus, deshalb kann ich diese Buch weiter empfehlen ,falls man sich selbst was Wert ist .
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am 22. März 2014
Gibt viele Ratschläge wie man sein Leben mit einer besseren Einstellung einfach genießen kann. Brauchte zwar des öfteren Google um die ganzen Fremdwörter zu verstehen, trotzdem sollte man dieses Buch mal gelesen haben.
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am 28. Oktober 2007
Mit sich selbst befreundet sein, das klingt nach muffiger siebziger Jahre Selbsterfahrung, Cellulite geplagte Frauen die ihr Frühstück therapeutisch nachtanzen und danach versunken linksherum im rechtsdrehenden makrobiotischen Müsli rühren. In diesem Sinne ist das Buch reinster Etikettenschwindel.
Verständlich und trotzdem mit wissenschaftlichen Anspruch, beschreibt Schmid, Möglichkeit zu sich selbst vorzudringen. Er beobachtet stark und bringt Selbverständlichkeiten treffend und sprachlich schön auf den Punkt. (Mein Lieblingsatz: Alltag ist der Ausnahmezustand der zur Regel geworden ist).
So kurzweilig und heutig kann Selbsterfahrung sein.
Nebenbei: ich habe das Buch mit Gewinn parallel zu Parmuks "Das schwarze Buch gelesen". Im Prinzip geht es da um genau das Selbe, nur in Romanform.
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am 18. September 2014
Schmid kommt das Verdienst zu, nicht philosophiehistorisch, sondern mit Blick auf die aktuelle Lage in den westlichen Industrienationen, in denen sich traditionelle Bindungen und Orientierungen stark aufgelöst haben, systematisch nachzufragen und weiterzuentwickeln, was an der antiken Lebenskunst, der „techne tou biou“ bzw. „ars vivendi“, tauglich ist und weiterbringt.

Er belebt etwas wieder, das im Laufe der abendländischen philosophischen Denkens ins Hintertreffen geraten, wenn nicht verloren gegangen ist: als nach dem strengem Maßstab der Moderne „unphilosophisch“, weil es dem Gebot nicht genügt, das Empirische im Nachdenken zu “hintergehen” und damit logisch zu "überbieten" (eine Ausnahme mögen z.B. Schopenhauers "Aphorismen zur Lebensweisheit" darstellen). Damit hat sich eine „Leerstelle“ aufgetan, die (heutzutage) leicht von wohlfeilen Lebenshilfeangeboten, Glück und Erfolg verheißenden SchwurbelTheorien, esoterischen Konzepten, so althergebrachten wie abgelebten religiösen Antworten etc. besetzt wird.

Was aber ist, all diese unbefriedigenden, mangelhaft fundierten Ratschläge beiseite lassend und nüchtern-schlicht von der Conditio humana (die freilich zuvor konzeptuell zu fassen ist bzw. von der man eine Grundauffassung haben muss) ausgehend, im Allgemeinen und im Besonderen zu beachten, damit der praktische, auch ganz alltägliche Lebensvollzug besser gelingt – ohne kurzschlüssig sogleich "das Moralische" ins Spiel zu bringen, ein gebieterisches Sollen vor allem mit Bezug auf andere . Das verdient eine gesonderte Betrachtung, und der hat sich Schmid (der über die Lebenskunst bei Michel Foucault promoviert hat) verschrieben, ziemlich allein auf weiter akademischer Flur, besonders in deutschen Landen

So betulich der Titel des Buchs klingen mag – er bringt auf den Punkt, was im Kern Sache ist und alle Ausführungen durchzieht: „Daher geht es in der Lebenskunst zuallererst um die Beziehung des Individuums zu sich selbst, deren Verfehlung zur Folge hat, dass auch die Beziehungen zu anderen nicht mehr zustande kommen. Lebenskunst ist die Sorge um ein maßvolles Selbstverhältnis“ (S. 16; also keine narzisstische Kultivierung des Ego, die in dem Zusammenhang leicht vermutet oder unterstellt werden kann). Vorgaben von außen fehlen mehr denn je, deshalb gelte: „Die Freiheit als Befreiung macht eine eigene Lebensführung erst zur Notwendigkeit“ (S. 11) Das wird Schmid nicht müde zu wiederholen und die häufigen Wiederholungen sind denn auch eine der Schwächen des zu langen Buchs. Da sich also das Gelingen nicht wie von selbst durch stabilisierende, stützende Normvorstellungen des Kollektivs ergibt, denen man sich einfach unterwerfen könnte im Vertrauen auf glückliche, quasi automatische Formung des eigenen Lebens, müsse „die Ethik des Umgangs mit sich selbst“ heute in besonderem Maße „kunstvoll, das heißt durchdacht und gestaltet, nicht kunstlos, also unüberlegt und zufällig sein“ (S.18, wo Schmid auf die altgriechische „Selbstsorge", die „epimeleia heautou“ verweist). Dass die “Befreiung von Vorgaben der Tradition, Konvention und Religion” als ein Produkt der Moderne in eine so das oft wiederholte Desideratum des Autors neue “Formgebung der Freiheit” münden müsse, solle sie nicht in orientierungsloses Herumstolpern und “nihilistische” SelbstVerwahrlosung ausarten, schreibt Schmid einem Projekt ein, das er an vielen Stellen plakativ “andersmodern” nennt.

I. Passend ist der Ausgang von der Erfahrung der Angst, in der das Geborgensein im Gewohnten, Konventionellen, Schützenden nicht mehr erlebt werden kann; daher sei sie, die Angst, „nicht zu überspielen, nicht zu betäuben“, sondern „ in sich aufzunehmen und durchzustehen“ (S. 25) – und zum Anlass für das Fragen danach zu nehmen, woran man sich orientieren soll bzw. es verlässlich tun kann. Die Moderne verschärft es: „Beängstigend ist vor allem die moderne Freiheit selbst, denn sie ermöglicht auf neue Weise, das eben zu verfehlen, sich in den von Befreiung eröffneten Möglichkeiten zu verlieren“ (S. 28) Dabei gehöre die Angst (nicht verstanden als spezielle Phobie) „von Grund auf dem Leben zu“ und sei kein wegzutherapierendes Phänomen: „Diese TRAGISCHE Auffassung der Angst widerspricht der FUNKTIONALEN, aus deren sicht nur ein ,Dysfunktion’ zu beheben wäre“ (S. 29)

Der nächste Schritt: „Aus der ängstlichen Sorge UM sich selbst wird die kluge Sorge FÜR sich selbst“ (S. 32) Und schnell schon hier über die grundsätzliche Betrachtung hinausgehend ist Schmid dabei, die Theorie der Lebenskunst in Ratschläge münden zu lassen, von der wohltuenden Wirkung, welche die körperliche Berührung haben könne, über die „Pflege der Gewohnheiten“ bis zur „Kunst der Oberflächlichkeit“, die darin bestehe, auch unwichtigen Dingen ihren Platz einzuräumen, Banales und Triviales gelten zu lassen. Im folgenden Kapitel „Schwach sein, versagen dürfen“ (S. 35 ff.) heißt es, einen zentralen neuralgischen Punkt berührend: "Liegt der Grund dafür, dass die Kultur der Moderne so allergisch gegen Schwäche ist, darin, dass sie sich ohnehin nur mit Mühe der Sinnlosigkeit erwehrt? Ist sie entgegen dem äußeren Eindruck im Innersten ihrer selbst schwach und ohnmächtig?“ Unweigerlich geht es im Buch immer wieder um Sinn bzw. Sinnlosigkeit; zur Gänze lässt sich Schmid, so empfinde ich es, aber nicht auf die “metaphysische Obdachlosigkeit” nicht ein, die insofern besteht, als es grundlegend und unaufhebbar eine "Lösunglosigkeit" gibt, wenn die letzte Sinngarantie fehlt.

Zunächst befasst sich Schmid weiter mit prinzipiellen Erwägungen, so mit der Rolle der Philosophie, mit deren Hilfe (jedoch nicht „durch sie“) sich Klärung erreichen lasse, diesseits von fragwürdigen, weil simplen und zu viel versprechenden LebenshilfeRezepten (S. 41). Zu gewinnen sei auf diesem Wege eine „Grundhaltung“, markiert von „Grundüberzeugungen“ (S. 43 f.). Im Folgenden spielt Schmid (à la Sloterdijk) den „Kyniker“ gegen den „Zyniker“ aus, z. B. folgendermaßen (S. 47 f.): „Gegen den Zynismus führt ein Kyniker nicht etwa ethische, sonder in erster Linie existenzielle Gründe mangelnder Lebbarkeit und Lebensklugheit ins Feld“ (mit Blick auf eine nihilistische Haltung); dazu gehöre, „nicht unentwegt einen Diskurs nur mit verbalen Argumenten zu bestreiten [], sondern auch existenzielle Argumente in den Diskurs einzuführen, die Art und Weise des Vollzugs des Existenz selbst zum Argument zu machen, in einer Sprache, die universell verständlich ist, der Sprache des wirklich gelebten Lebens“ (S. 48 f.). Das aber bedeutet, das Verbale als zu theoretisch zu verabschieden und so aus dem „Diskurs“ herauszuspringen.

Im Folgenden nur Stichworte, die den weiteren Gedankengang umreißen: Kunst und „Gekonntheit“, Gespür für Möglichkeiten, selbstmächtige Gestaltung, Hermeneutik des Lebens, das Leben als Spiel, Integration des Zufälligen, Hinnahme äußerer Einflüsse (die unabweisbar sind und sich nicht ändern lassen).

II. Von der Sorge für sich selbst

Aufgeworfen wird die grundsätzliche Frage danach, was das „Selbst“ ist, in umspielenden Betrachtungen: Beziehung zu sich selbst, Fremdheit des Ich im Umgang mit sich (da ist die fundamentale Spaltung); davon ausgehend werden thematisiert: Selbstaufmerksamkeit, Selbstbesinnung und Selbstgespräch (auf S. 82 ist die Rede von „intrasubjektiver Selbstverständigung“). Und nicht fehlen darf die Selbsterkenntnis, anknüpfend ans „gnothi seautón“. Schmid liebt – wie sich hier wie auch an vielen anderen Stellen zeigt – (manchmal im Herunterrattern ermüdende) Aufzählungen, die darin bestehen, einen Grundbegriff durch adjektivische Beifügungen zu variieren und so ein Liste aufzustellen. Hier sind es die anthropologische, philosophische, theologische, cartesianische, psychologische und biologische Selbsterkenntnis. Interessant ist übrigens die Stelle, an der es um die christliche Verteufelung des selbstbewussten Selbst geht, das in den „Generalverdacht des Sündhaften“, weil von Gott und den Mitmenschen Abgewandtem gerät; es ergibt sich das Paradox: „Zugleich wird das Mönchtum und mit ihm das Christentum gerade aufgrund der Selbstverdächtigung zu einer unvergleichlichen Schule des Selbst, der kognitiven Selbstaufmerksamkeit, der Selbstreflexion, des Selbstgesprächs, der asketischen Selbstgestaltung und Selbstmächtigkeit“)

Zur „epistemologischen Vorsicht“, die der grundsätzlichen Vorläufigkeit jeglichen Wissens Rechnung trägt, merkt Schmid an, ein Maßhalten in der Hinsicht empfehle sich auch deshalb, um „über aller Selbsterkenntnis die Arbeit der Selbstgestaltung nicht zu vernachlässigen“ (S. 95). Wenn ich da an Prof. Wienbruch denke Und platterdings: „der Lebensvollzug kann nicht aufgeschoben werden, bis die Erkenntnis des Selbst abgeschlossen ist“ (S.96). Ein „lebbares“ Maß sei auch hier unumgänglich.

Hoch anzurechnen ist, dass Schmid im Theoretischen eine gebotene Vorsicht walten lässt; er lässt die tiefere Ergründung dessen, was philosophisch Selbstbewusstsein genannt wird, auf sich beruhen, sich pragmatisch bescheidend (was dem strengen Philosophen freilich nicht genügen kann), und macht dies mit intellektueller Redlichkeit ausdrücklich kenntlich: „Der Strittigkeit des BEGRIFFS Selbst geht das Bemühen um Selbsterkenntnis aus dem Weg, indem es auf das zugehörige PHÄNOMEN rekurriert, nämlich die phänomenale Erfahrung, dass SO ETWAS WIE ein Selbst sich ängstigt, Bedürfnisse nach Essen, Trinken, Liebe kennt “ (S. 97). Für seine Zwecke reicht dem Autor eine handfeste Umschreibung wie: „Selbst ist das, was unweigerlich nicht Sache eines anderen ist; das, was einzig und allein dieses Leben lebt und zu Ende bringt.“ Und wieder die Mahnung, der pragmatische Appell: „Dieses OPERABLE Selbst zu gewinnen, kann nicht aufgeschoben werden, bis definitiv gekört ist, ob es ONTOLOGISCH ein Selbst überhaupt gibt.“ (S. 98) Also: Lasst uns auf gut Glück „ins Unreine“ leben. Zur Sprache komemn "initiales Selbst“ und „integrales Selbst“ – „im Vergleich zum spontanen Ich ist SELBST der umfassendere und reflexivere Begriff“. Entscheidend ist das „Sich“, das für eine ontologisch neue Kategorie steht – und im (allerdings nicht notwendigen) Ausdrücklichwerden größeren Abstand zu sich selbst ermöglicht: „In der NichtIdentität zwischen Selbst und Sich vermag die Selbstreflexion sich einzunisten, mit deren Hilfe das Selbst sich immer wieder neu zu orientieren und zu korrigieren vermag.“ (S. 99)

Analog zur Vorsicht um Umgang mit dem Begriff des Selbst hält sich Schmid beim Gebrauch des Wortes „Seele“ zu recht zurück. Wo ist denn überhaupt mal zu lesen, wie ungenau der Bedeutungsumfang dieses Wortes ist? Wer ringt sich schon mal zum ehrlichen Eingeständnis durch, dass die Häufigkeit des Gebrauchs in großem Missverhältnis zur Verschwommenheit der Vokabel steht. Der Autor schreibt auf S. 99: Die Hermeneutik gebe „dem Selbst seine SEELE wieder, ein möglicher Akt der Deutung und Interpretation [die beiden Wörter führt Schmid immer wie zwangsgekoppelt im Doppelpack an; worin sollen sie sich unterscheiden, wenn stets beide zusammen genannt werden?], nicht weil die Rede von einer ,Seele’ sehr genau, sondern hinreichend ungenau bestimmt ist. Sie ist somit hermeneutisch ergiebiger und evoziert ein Mehr an kreativen Vorstellungen als das nüchternere Konzept der PSYCHE in den Psychowissenschaften. Der Verzicht auf die Rede von der Seele hat sich nicht bewährt [] Womöglich bleibt alle Rede vom Selbst und seiner Seele provisorisch und ,unterdeterminiert’“ Siehe dazu auch S. 260 ff. (“Mutmaßungen über die Gestalt der Seele”), wo es zu Beginn heißt: “Aber was ist Seele? Offenkundig ein nebulöses Gebilde jedenfalls konnte sie in endlosen Abfolgen von Klärungsversuchen noch nie definitive Konturen gewinnen, und so lassen sich lediglich Mutmaßungen über sie anstellen.”

Auf S. 103 geht es weiter mit „Selbstgestaltung“ und “Selbstmächtigkeit“, vor dem Hintergrund des Befunds, dass das Selbst „ausgerechnet in der Moderne, die zu seiner Befreiung so viel beigetragen hat, im Modus der Zerstreuung, Zersplitterung und Verzweiflung zurückbleibt“, der „inneren Festigkeit“ ermangelnd. Schmid plädiert für eine „Asketik“ qua „Einübung und Gewöhnung“ („Asketik teilt den Weg zu einem Ziel in überschaubare Proportionen und Etappen ein“, S. 104). Zu gewinnen, herauszuarbeiten ist „Kohärenz“, das „KernSelbst“. Ein Rat im Hinblick auf Verlust und Verzweiflung: Dafür Sorge zu tragen, „niemals das RESSENTIMENT, das Rachegefühl, den Lebensneid in sich herrschen zu lassen, denn damit vergällt das Selbst vor allem sich selbst das Leben.“ (S. 113) Ab S. 115 über “Selbstvertrauen, Selbstfreundschaft, Selbstliebe”, auch mit Blick darauf, dass die Beziehung zu sich und zu den anderen (entgegen dem Verdacht, hier werde dem Egoismus, der Selbstsucht gehuldigt, gekoppelt sind: “Es mangelt an der Ethik im Umgang mit anderen im selben Maße, wie es an der ETHIK IM UMGANG MIT SICH SELBST (Hervorhebung durch mich) mangelt” (S. 121).
Bei der Frage nach der Möglichkeit von Freiheit lässt Schmid wieder die aufrichtige Vorsicht walten, die der schon bei der Erörterung von ”Selbst” und “Seele” an den Tag gelegt hat: “Die Behauptung, dass es eine selbstbestimmte Freiheit der Wahl ,gibt’, ist ebenso schwer zu begründen wie die gegensätzliche, das es sie ,nicht gibt’.. [...] Aus der Sicht der Lebenskunst liegt es jedoch nahe, für die ANNAHME zu optieren, das es SO ETWAS WIE Freiheit gibt und dass das Selbst, wenngleich verhängnisvoll verstrickt, in vielen Fällen eine wirkliche Wahl zu treffen hat.” (S. 125) Es ist eine als solche eingestandene, offengelegte pragmatische Hypothese, die von Theorieballast befreit.

Hier und da misst Schmid der materiellen Abgesichertheit zu wenig Bedeutung zu und spielt sie herunter, so etwa auf S. 131: “Durch Geld ist es [der Verlust des “Selbsteigentums”] nicht zu kompensieren; Geld mag beruhigend sein, lebensnotwendig aber ist, sich selbst zu Eigen zu sein.”. Ab S. 136 das “Plädoyer für eine ästhetische Ethik”, anknüpfend an die antike “Kalokagathia”. Wichtig ist Schmid immer wieder zu betonen, dass er kein normatives, sondern “optatives” Modell anbietet, nach Art einer hypothetischen Konstruktion: WENN sich die Chancen, dass das Leben, so wie es nun einmal bedingt ist, glückt, erhöhen sollen, DANN empfiehlt es sich.... Man kann’s stets auch sein lassen. Es ist ein angenehmes, entspanntes, gelassenes Aussparen des bevormundenden “Sollens”. Das gilt auch grundsätzlich, für die Akzeptanz des Lebens selbst; Schmid wendet sich gegen eine (biedere, zu humanistischen Phrasen verführende) “normative ,Biophilie’”, der er die ”optativ vorgehende philosophische Lebenskunst” entgegenstellt: “In der Liebe zum Leben kommt allenfalls eine existenzielle Wahl zum Ausdruck, eine Fundamentalwahl, die häufig unbewusst, im Rahmen der Lebenskunst jedoch sehr bewusst getroffen wird.” (S. 140) Anders herum: Man kann (und “darf” prinzipiell) das Leben auch ablehnen. Von der “Gerechtigkeit des Selbst gegen sich” (S. 146 ff.); ein schönes Beispiel dafür ist Montaignes Betrachtung zur Krankheit, von Schmid so resümiert: “Man solle höflich mit seiner Krankheit umgehen, denn sie sei nun mal Bestandteil des Lebens und habe Bürgerrecht im Selbst; vielleicht werde sie heilsam sein, daher komme es darauf an , ihr nach Möglichkeit zu entsprechen und ihr gerecht zu werden.” (S. 150) Vom Wert der Gewohnheiten (darin bestehend, “von der Wahl zu entlasten”, S. 153), auch des “Gewöhnlichen”: “Menschliches Leben scheint sich wesentlich im Banalen abzuspielen, anders ausgedrückt: Seine Substanz liegt in der Akzidenz” (S. 155; es ist wohl übetrieben um den Preis der griffigen Formulierung, denn die “Substanz” geht in der “Akzidenz” die sie sonst als das verlöre, von dem sie sich zu ihrem Bestehen abheben muss doch nicht restlos auf). Die “Bewältigung der Alltäglichkeit”. Der gute alte Brief, ausgespielt gegen die EMail; hier wird Schmid etwas altbacken: “Was bleibt, ist die nackte Information und Kommunikation [Quatsch in dieser Pauschalität], ohne Sinnlichkeit des vom Absender ausgewählten Papiers..”. [mit Blümchenmuster und duftend?] Zur Unterschätzung des Materiellen siehe auch S. 178, wo der Autor das Klischee bedient: “Aber vielleicht ist es Ausdruck einer Gerechtigkeit des Lebens, dass die Besitzenden mit Schwierigkeiten zurechtzukommen haben, die den nichtbesitzenden, arm, aber voller Leben, so nicht bekannt sind, während die Wohlhabenden, satt, aber ohne Impuls des Lebens, damit zu kämpfen haben.” (S. 178).

III. - V. Die Trennung des Vorstehenden von den folgenden Oberkapiteln, in denen es um die “körperliche, seelische und geistige Sorge” geht, ist mir zu unscharf. Unmerklich gehen die Kapitel ineinander über, weil das vorhergehende zunehmend Ratgeberhaftes enthält. Was folgt, ist eine Rundumschlag, wie die Lebenskunst nun im Einzelnen und im praktischen Lebensvollzug zu realisieren sei. Was das Körperliche angeht, werden u.a. thematisiert: Pflege des Körpers, der Sinnlichkeit, Sport, Ernährung, Hausmedizin, Eugenik. Im Kapitel über die “seelische Sorge” werden beispielsweise angesprochen: Gefühle, Umgang mit Schmerz, Singen und Tanzen, Rausch und Sucht, Einsamkeit, Schweigen, Lächeln, Melancholie. Und mit Blick auf die “geistige Sorge” betrachtet werden u.a.: begriffliche Klärung, Schreiben und Lesen, die Bedeutung des “Gespürs” , die “Kunst der Muße”, die Haltung der “heiteren Gelassenheit”, Lebensüberdruss und die ewige Frage nach dem “Sinn des Lebens”.

VI. Das Ende des Buchs bilden Betrachtungen der Lebenskunst unter dem Gesichtspunkt des Wechsels der Lebensphasen mit ihrem je eigenen Erlebensmodus, von der frühen Kindheit (mit ihrer “Selbstverständlichkeit des Eingebettetseins in der Welt”, S. 415, und der wichtigen Chance, den “Möglichkeitssinn” auszubilden, S. 423) bis zum Alter dessen positive Möglichkeiten Schmid betont (“Im besten Fall überwiegt die Dankbarkeit für das Leben alle Beschwerlichkeiten”), dabei ausblendend, wie ein Mensch im nicht idealen Fall, der doch die Regel ist, mit dem Alter zurechtkommen kann. Bei allem gilt, dass das Älterwerden wie das Heranwachsen “nicht kontinuierlich, sondern in Schüben geschieht, die so rasch, wie sie kommen, nicht sogleich zu bewältigen sind, so dass die Lebenskunst darin besteht, sich die Zeit zu lassen , die dafür erforderlich erscheint.” (S. 449). Seneca: “Vivere tota vita discendum est" (auf S. 451 zitiert).

Vieles wiederholt sich. Bei aller Treffenden, das ihm mit seiner Formulierungsgabe gelingt: Er neigt zu Weitschweifigkeit (so bei den schon erwähnten Aufzählungen), zur Wortverliebtheit und gelegentlich auch zum Wortschwalligen. Siehe dazu etwa das Blabla der Selbstverständlichkeiten auf S. 230: “Sich um Klugheit zu bemühen heißt abzuwägen, einzuschätzen, Sensibilität zu gewinnen, ein Gespür zu entwickeln, verfügbare Kenntnisse heranzuziehen und sich um eine Aufklärung von Zusammenhängen zu bemühen, so weit das momentane Wissen reichen kann.” Oder, was die Schwäche für hier euphemistische Platitüden angeht, S. 272: “ Alles Leben zeichnet sich ab im Gesicht, auch die Abwesenheit von Leben. Angesichts dessen könnte ein Problem darin zu sehen sein, wenn das Gesicht zu glatt bliebe, zu glatt für ein erfülltes Leben, das eher die Falten liebt: In ihnen zeichnet sich die reiche Landschaft des Lebens ab.” Oder: “Horizonte eröffnen Räume des Lebens” (S. 445).

Was mich bald immer wieder ungeduldig diagonal lesen oder Abschnitte nur streifen oder gar überspringen lässt, ist das gebetsmühlenartig wiederkehrende Grundmuster, die Beschwörung der “vernünftigen Mitte”, des Maßhaltens, die stets gleiche Warnung vor den Extremen. Es ist nicht viel mehr als eine Entfaltung dessen, was der “gesunde Menschenverstand” einem sagt. Ich verspüre eine ähnliche Langeweile wie die, an die ich mich vage von der Lektüre der Nikomachischen Ethik her erinnere. Plädoyer für - cum grano salis gesagt - eine Wohltemperiertheit, eine Suche nach Ausgeglichenheit, für die es keiner besonderen gedanklichen Anstrengung bedarf. Es wird also langatmig.

Enttäuschend ist auch, dass Schmid so wenig konkrete Beispiele bringt, ob aus belletristischen Werken, Biografien, aus der Geschichte, dem Reservoir an Fällen, die von Psychologen beschrieben worden sind, oder aus anderen Quellen. So bleibt etliches blutleer, zu allgemein, abstrakt, zu wenig anschaulich und handfest, wo es doch darum gehen soll, den Lebensvollzug gerade in seiner Praxis darzustellen. Bereichert und verdichtet hätte Schmids Buch außerdem, wenn er mehr Denker und Konzepte aus der Philosophiegeschichte ins Spiel gebracht hätte, als er es sehr sparsam tut (mit einer Vorliebe u. a. für Seneca, Baltasar Gracián und Nietzsche).
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am 14. Januar 2013
auch wenn es aufgrund der Darstellung nicht ganz einfach ist, den Inhalt zu verdauen, so ist dieses Buch doch eine Bereicherung
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am 27. Juni 2011
Ein Buch, das in angenehmer Sprache geschrieben ist, sodaß es immer mal wieder zu Hand genommen werden kann, um ein oder zwei Kapitel zu lesen. Es gibt immer wieder gute und auch ungewöhnliche Impulse zum Weiterdenken auf dem eigenen Weg oder auch zum Verständnis anderer.
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