Das Buch wurde besonders gut bewertet und so entschloss ich mich damit, zusammen mit meiner Familie, in die Bretagne zu reisen. Ich muss dabei erwähnen, dass ich kein passionierter "WoMo"-Fahrer bin und das vermutlich auch nicht mehr werde. Wir wählten diese Art zu Reisen, da wir kleine Kinder haben und unsere frühere Travellerzeit uns stark geprägt hat, dass man eben nicht nur an einem Fleck bleibt und 2 Wochen in einem Radius von 100 km um das Hotel/Ferienhaus bleiben möchte. Vorneweg: Der Urlaub war wunderbar und das Buch hat uns teilweise dabei geholfen einen entspannteren Urlaub zu erleben.
Jetzt aber die negative Seite. Das Buch ist schrecklich gegliedert. Es besteht zumeist aus einem unübersichtlichen, fortlaufenden Text mit allerhand unnützer Information. Teils geht es einige Absätze um die Familie des Autors und deren Vorlieben und Gefühlen. Das fand ich anfangs ziemlich amüsant, doch es stört sobald man eine schnelle Information nachschlagen möchte. Man kämpft sich dann jedes Mal durch ganze Absätze, bis man dann die eigentlich Info findet. Wenn man sie findet, denn das Buch lässt vieles aus.
Der Autor gibt sich als Bretagne-Kenner aus und will einen Reiseführer schreiben, der teils die Geschichte, Kultur und Stellplätze bzw. Reiserouten vorgeben soll. Das muss einfach scheitern, berücksichtigt man wie kurz das Buch ist. Einige Orte sind sehr gut und ausführlichst mit tollen Stellplätzen beschrieben und man ist froh, dass man das Büchlein hat. Andere sehr schöne Orte tauchen in dem Buch überhaupt nicht auf oder werden kurz erwähnt weil der Familientross des Autors den Ort nur passiert hatte. Das ist wirklich nervig, denn man erwartet doch von einem Reiseführer nicht, dass er einem nur die Möglichkeit lässt, die exakt gleiche Strecke wie jeder andere, der dieses Buch besitzt, zurückzulegen. Es ist unglaublich schwer das Buch zu verwenden, um eine alternative Reiseroute, abweichend von der des Buches, zu verfolgen. Man verheddert sich dann in subjektiven Beschreibungen und Empfindungen des Autors und fragt sich, ob das Ganze ein Reisebericht oder ein Reiseführer sein soll.
Ich habe es wirklich bereut keinen einfach Stellplatz-Atlas und einen weiteren Reiseführer über Geschichte und Kultur des Landes zu kaufen. Allerdings glaube ich, dass für viele "WoMo"-Fahrer das Buch ausreichend sein könnte, denn wenn ich mir anschaue wie wenig mancher Motorhomebesitzer sich überhaupt mit seinem Umfeld abgibt, dann reicht eine solch oberflächliche Berichtesammlung sicher weiter, denn man kann bequem die Route 1:1 nachfahren. Man kann sogar die GPS Koordinaten einfach in das Navi eingeben und locker zum nächsten erwähnenswertem Ziel des Autors tuckern. Daher ist die Zielgruppe wohl eher etwas älter, man will abends die Satanlage aufbauen und verhält sich auch sonst so wie daheim. Wer jedoch eher die Freiheit des Wohnmobils/Busses nutzen möchte, um die Bretagne zu erkunden und den Führer als Hilfestellung nutzen möchte, um sich selbst eine Reiseroute zusammen zu setzen, der wird sicher enttäuscht sein.
Ich kann das Buch nicht empfehlen und würde es auch nicht mehr benutzen. Zumal man einen Stellplatzatlas mit fast allen Plätzen des Buches für ganz Frankreich zum gleichen Preis bekommen kann. Ich würde also eher darauf setzen einen ausführlichen Reiseführer über Geschichte und Kultur des Landes mitzunehmen in Kombination mit einem Stellplatzatlas.
Ich will abschließend trotzdem noch erwähnen, dass sich der Autor sehr viel Mühe gegeben hat das Buch zu schreiben. Leider scheint er sich noch nie einen anderen Reiseführer und deren Aufbau angesehen zu haben, was für mich der Grund der schlechten Bewertung ist.