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Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 19.12.2000
Harald Fricke findet die Betrachtungen des Münchener Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich über den Zusammenhang zwischen Kunst und Politik hochinteressant. Zwei Dutzend Beispiele hat Ullrich gefunden, in denen sich Politiker und Wirtschaftsbosse vor Werken zeitgenössischer Künstler ablichten ließen - um damit ein Image kultureller Distinktion zu transportieren. Damit zeige Ullrich, wie sich das Bild des Herrschers für die Öffentlichkeit verändert habe. Insignie der Macht sei heute nicht mehr das "Selbstporträt hoch zu Ross" mit Telefon und Firmenlogo, sondern der gute Geschmack, zur Schau gestellt im Blick auf eben jene Kunstwerke, vor denen sich die Mächtigen von Heute gerne auf Fotopapier verewigen lassen. Geschickt leite Ullrich eine Blickhierarchie aus der Rezeptionsgeschichte zeitgenössischer Kunst ab: Je geringer das Verständnis des Publikums für Bilder, umso nachhaltiger die Bewunderung für diejenigen, die sich zum Fototermin vor diesen Bildern zeigten. Ullrich führe mit seiner Untersuchung fort, was Pierre Bourdieu in "Die feinen Unterschiede" begonnen habe. Alles werde kulturell gedeutet und Stilsicherheit suggeriere Entscheidungswillen.
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Kurzbeschreibung
Kunst ist symbolisches Kapital. Kapital, das auch jenseits des Ästhetischen Verwendung findet. So hat es schon immer eine Allianz zwischen Machtelite und Kunst gegeben. Doch die Zeiten, da sich die Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik vor gediegenem Mobiliar und Ölschinken abbilden ließen, sind vorbei. Manager und Volksvertreter umgeben sich zunehmend mit moderner, zeitgenössischer Kunst. Dem Wertewandel, der den neuen Statussymbolen der Macht zugrunde liegt, geht Wolfgang Ullrich ebenso nach, wie den Machtgesten und den Leistungsprofilen der Kunst.
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