Seit knapp vierzehn Wochen habe ich nun das EURO-Geld in der Tasche, aber bisher ist mir nur ein einziges Geldstück in die Hände gekommen, das etwas anderes auf seiner Rückseite zeigt als Bundesadler, Brandenburger Tor oder Eichenblatt. Dabei stelle ich es mir ganz reizvoll vor, nach und nach eine Sammlung der Münzen aller Euro-Länder zusammenzutragen.
Wenigstens habe ich kürzlich schon mal dieses Büchlein im praktischen Westentaschenformat als einen wertvollen Helfer bei einem solchen Vorhaben entdeckt. Seine handliche Größe (16 x 9 cm) und sein robuster transparenter Kunststoffumschlag erlauben es, den Ratgeber schon unterwegs zu befragen, welchem Land die im Wechselgeld enthaltene Münze zuzuordnen ist.
Die Qualität der Farbfotos ist - vor allem dank dem (übrigens laut Deklarierung chlorfrei gebleichten) Kunstdruckpapier - sehr gut. Der Druck und die (in ihrer Art und Größe für ein Taschenbuch gut passende) Schrift sowie die mehrfarbige Gestaltung und die Farbunterlegung von Textteilen zeugt nicht nur von einer ausgezeichneten typographischen Arbeit, sondern macht die Darstellung auch sehr übersichtlich und läßt sie zu einem optischen Genuß werden
Auf 96 Seiten enthält es:
eine übersichtliche Zusammstellung der Münzrückseiten aller zwölf Euro-Staaten mit Erläuterung ihrer nationalen Symbole,
eine Darstellung der sieben Banknoten mit Erklärung ihrer Sicherheitsmerkmale und ihrer Symbole europäischer Baukunst,
Hinweise zur Umlaufmenge der jeweiligen Münzen und Banknoten,
Kurzporträts der Euro-Länder mit Angaben zu Geographie, Politik und Wirtschaft,
111 Quizfragen rund um den Euro mit den dazugehörigen Antworten.
Wenn ich also z.B. feststellen möchte, wo das 2-Euro-Stück mit dem loorbeerbekränzten markanten Männerhaupt herkommt, das ich da kürzlich bekommen habe, dann erfahre ich zunächst aus der Hauptübersicht auf den beiden inneren Umschlagseiten, daß sie in Italien geprägt wurde, und dann kann ich auf Seite 41 nachlesen, daß es sich um das Bildnis von Dante Alighieri (1265-1321) handelt, über den mir die wichtigsten Informationen gleich mitgeliefert werden. Und auf Seite 40 links daneben finde ich darüber hinaus schließlich noch in komprimierter Form Angaben zu Fläche, Einwohnerzahl, Bevölkerungsdichte und Bevölkerungswachstum, zu Staatsform und Regierungschef, zur territorialen Gliederung, zu den Amtssprachen und Nationalfeiertagen, zu den größten Städten, längsten Flüssen, höchsten Bergen, zu Bruttoinlandsprodukt, Exporten und Importen, Mehrwertsteuerhöhe und Arbeitslosenquote, zum Erfüllungsstand der Maastricht-Kriterien und zu den Schöpfern der Münzrückseiten-Entwürfe. Damit ist mein Informationsbedürfnis fürs erste befriedigt.
Besonders lobend möchte ich die Kommunikationsfreudigkeit des Verlages erwähnen, die in der Einladung der Leser zum Ausdruck kommt, ihre Meinungen, Berichtigungen und Verbesserungsvorschläge mitzuteilen. Ich bin ihr gern gefolgt.
Alles in allem erscheint mir das kleine Bändchen als ein bibliographisches Meisterstück, das, so meine ich, eigentlich in die Tasche jedes Europäers gehören sollte. (Vielleicht ein kleiner Geschenkhinweis für den nächsten Geburtstag?) Es bildet seinen Besitzer nicht nur, sondern leistet darüber hinaus einen kleinen, aber doch wichtigen Beitrag zum weiteren mentalen Zusammenwachsen Europas – auch wenn es sich vorerst nur um das halbe Europa handelt...