Peter Brunnert hat viele Seiten: Eine vordere und eine hintere wie die meisten anderen Menschen auch. Und das ist noch lang nicht alles.
Bekanntermaßen hat er eine lustige, für die wir ihn seit "Wirklich oben bist Du nie" alle so lieben. Besonders dann, wenn er als selbsternannt herumnörgelnder Pedant so wunderbar eloquent die kleinen Disharmonien der alltäglichen oder der kletterwärts alltagsentrückten Welten besingt. Dem Leser sei hier seine Ode an die Identifizierung mit Barntrup empfohlen. Ebenso, wie eine Reiki Meisterin im Standby, die mit sanfter Fastberührung spontan auftretende potentiell überlebensbedrohende Lachmuskelkrämpfe rechtzeitig in lachtränig luftschnappendes Weiterleben zu transformieren vermag.
Dann gibt es an Peter die Seite des Literaten. Da Peter den Verlagen inzwischen mehr Schauder-Nichtmärchen liefert, als er jemals selbst er- und überleben konnte, sind es auch die Geschichten anderer vernunftentsagter Zeitgenossen, die durch seine Feder fließen wie Dosenbier durch die trockene Kehle des pannenverwöhnten Monacotrampers.
Dabei treffen seine Worte den Kern dessen, was das Erlebnis wirklich ausmacht. Peter versteht, was seine stets tapferen - darf man sie Helden nennen? - erleben. Und er kann es ausdrücken. So wie es ist. Genau so. Ich bin selbst einmal runter geknallt. Ohne Seil. Habe ruhig und sachlich gewusst, das war es jetzt. Warum soll jetzt ein Wunder passieren? Und es ist genau so, wie Peter schreibt. Du ballerst gelassen das Eis runter. Genau wie ein Marmeladenbrot auf die falsche Seite. Genau so wie in "2 mal 50 Meter". - Das Wunder ist übrigens passiert, ich bekam für ein Kreuzband eine zweite Lebenshälfte und kann jetzt diese Rezension schreiben. Danke.
Und auch danke für die Bohrhaken. Auch eine erfreuliche Seite von Peter. In der Monsterwand hab ich mich so über jeden einzelnen davon gefreut. Habe selbst im Zustiegunterholz genau so geflucht. Und jeder einzelne Bohrhaken ein Aufatmen, wenn man ihn klickt. Danke! Wie schön, dann daheim von den drei Freunden zu lesen und sich auszumalen, wie Hans und Peter die alle hoch geschleppt und mit der Bosch in diesen kompakten Granit reinmodelliert haben. Ich glaube, Peter ist der einzige Schrauber, der darüber schreibt. Seine offene Ehrlichkeit verdient Respekt. Besonders für das Photo. Wer da oben war, versteht das. Oder zumindest fast oben bis bei uns das Gewitter kam.
Ein Lächeln ist bei dem Foto trotzdem über mein Gesicht gehuscht. Aber nur kurz. Ein dreißig Meter Runout bleibt ein dreißig Meter Runout. Vor allem in Valle. Das ist die heroische Seite von Peter.
Und hier zeigt sich das, was ich an Peter am meisten schätze. Seine Ehrlichkeit. Seine einzig vernünftiges Scheitern vor dem Eisenbahnüberfall - die deutsche Sprache entbehrt ja des Wortes Lokomotivüberfall - genau so, wie seine Angst vor den alles und scharfen Prügeln im Bielatal. So ist Sachsen. Und das ist Peter. Jeder, der seine Obsessionen teilt, wird sich darin wieder finden. Aber nur, wenn er zu sich selbst genau so offen und ehrlich ist, wie Peter zu uns.
Wer freilich Peters Obsessionen nicht teilt und Pinguinschlittatoren eine tolle Idee findet, wird sich vielleicht fragen, wozu Menschen das alles eigentlich tun und dann sogar noch aufschreiben und drucken lassen? Für diese Frage bin ich nicht der Richtige. Wer sich dazu zählt, möge bitte selbst eine Rezension schreiben. Ich bin gespannt darauf.