Primary Colors ist ein Film über den Vorwahlkampf des Südstaaten-Gouverneurs Stanton zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei und (noch) nicht direkt mit deutschen Verhältnissen vergleichbar. In den USA ist die Person des Kandidaten alles und die eigentliche Politik nichts. Und so ist es auch wichtig jemanden zu präsentieren, der charismatisch, möglichst gutaussehend oder sogar prominent ist.
Jack Stanton ist unverkennbar ein Mann vom Typus J.F.K./Bill Clinton. Sympathisch, selbstbewusst, eloquent, schlagfertig und: ein Frauenheld (hier wäre statt "Mit aller Macht" "Macht's mit allen" treffender gewesen). Und so beschränkt sich sein Wahlkampf zunehmend auf das glaubwürdige Dementieren seiner Verfehlungen und die Suche nach den (privaten) Schwächen des Gegenkandidaten. Seine Ehefrau, die längst jeden Seitensprung verarbeitet und verziehen hat, steht zumindest nach außen fest an seiner Seite - in bester Hillary Clinton Manier. Im Mittelpunkt jedoch stehen Stantons Wahlkampfhelfer. Sie, die Designer dieser Fassade, erledigen ihren Job perfekt, wenn auch hin- und hergerissen zwischen Opportunismus und Idealismus.
Der Film ist eine Parabel, eine Satire, ein wenig auch Melodram. Und darin liegt seine eigentliche Schwäche. Trotz vieler netter Anspielungen fehlt ihm der Biss. Er ist irgendwie zu harmlos oder zu wenig dramatisch oder nicht amüsant genug, je nach dem, was dieser Film eigentlich hätte sein wollen.