Der Privatdetektiv Joshua Croft leidet gerade an Auftragsmangel, da schneit ihm ein leicht mysteriöser Navajo namens Daniel Begay mit einem merkwürdigen Auftrag ins Haus: Er soll die Gebeine des Navajo-Chiefs Ganado auffinden. Der Witz an der Sache: Ganado wurde 1866 in einem Canyon begraben, aber 1925 fand der Archäologe Dennis Lessing das Grab und nahm seinen Inhalt an sich -- und wurde knapp eine Woche später ermordet. Dieser Mord wurde nie aufgeklärt.
Das Ganze klingt abstrus, aber nicht gefährlich. Croft macht sich auf den Weg nach El Paso, wo Lessing an der Universität gelehrt hatte und wo dessen Tochter Alice Wright lebt, inzwischen in den 70ern und eine grande dame der Anthropologie.
Doch der Schein trügt -- die Recherchen sind tatsächlich gefährlich, und Croft stochert, zunächst ohne es zu wissen, in einem Wespennest. Während er selbst brutal zusammengeschlagen wird, wird Lessings Tochter Alice, mit der er kurz zuvor noch gesprochen hat, ermordet.
Croft und sein Auftraggeber kommen bald dahinter, mit wem Alice Wright kurz vor ihrem Tod noch telefoniert hat: Mit Peter Yazzie, einem alten Navajo, dessen Vater 1925 ebenfalls an jener unseligen Expedition beteiligt war. Und dieser Yazzie ist nun ebensowenig telefonisch zu erreichen; vermutlich schwebt er in Lebensgefahr, denn der Schlägertrupp aus El Paso ist unterwegs in Richtung Reservat.
Es kommt zu einer Art Showdown um Yazzies abgelegene Hütte herum, und am Ende erfährt Croft, warum sein Auftrag so gefährlich war und mehrere Todesopfer verlangt hat -- es geht um Bodenschätze und Stammesgesetze der Navajos, um Erpressung und Korruption. Der Fall ist gelöst, das Unbehagen bleibt.
So weit, so gut -- was der Leser zunächst vermutet, spricht Crofts platonische Liebe Rita aus: "Warum komme ich mir auf einmal vor wie eine Figur aus einem Tony-Hillerman-Krimi?" Allerdings macht Satherthwait nicht den Fehler, in Hillermans Fußstapfen treten zu wollen -- sein Joshua Croft ist eher ein Nachfolger von Sam Spade oder Philip Marlowe, und sein Krimi "Mit den Toten in Frieden" erinnert trotz seines Schauplatzes stark an die "hardboiled"-Krimis der 1940er Jahre.
Gelungen sind Satherthwait die Charaktere seiner Protagonisten; einige davon bestechen geradezu durch plastische Zeichnung: Etwa der alte Daniel Begay, die grande dame Alice Wright, dann natürlich Crofts (zu seinem Leidwesen nur platonische) große Liebe Rita, die seit einer Schießerei querschnittgelähmt ist, und einige andere. Auch der Plot ist im Großen und Ganzen logisch und frei von übers Knie gebrochenen Zufällen. Allerdings hätte Satherthwait, wenn er schon einen Teil der Handlung im Navajo-Reservat ansiedelt, ein wenig sorgfältiger sein dürfen: Seine Darstellung vom Leben und Sterben des historischen Ganado hält schon einer oberflächlichen Recherche nicht stand -- das ginge noch (er hätte halt einen anderen Namen verwenden sollen). Aber seit Tony Hillerman wissen wir auch ein wenig darüber, wie sich traditionsgebundene Navajos gegenüber ihren Toten verhalten: Sie verhalten sich jedenfalls nicht so, wie Satherthwait uns das glauben machen will. Tja. Manchmal genügt es nicht, auf einen Kollegen anzuspielen; man sollte ihn auch lesen. Vor allem, wenn ein Toter Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist...
Wofür man Satherthwait allerdings nicht verantwortlich machen kann: Die deutsche Übersetzung. Ein leidiges Thema, gewiss. Zwar ist die Übersetzung im wesentlichen unauffällig, sie überträgt sogar den typischen "hardboiled"-Sprachduktus überzeugend ins Deutsche -- gut so! Weniger gut sind allerdings gewisse Probleme der Übersetzerin mit der Zeitenfolge im Deutschen. Und Freunde der gediegenen Stilblüte kommen auf ihre Kosten, wenn sie in Kapitel 24 mit einer bemerkenswerten menschlichen Anatomie konfrontiert werden: "Sein Kopf flog zur Seite, aber hatte noch die Geistesgegenwart, einen scharfkantigen Felsbrocken zu greifen".
Übersetzung hin, verwackelter historischer Hintergrund her: Insgesamt ist "Mit den Toten in Frieden" kein schlechter Krimi, und vor allem Joshua Croft ist ein origineller Protagonist, den man nicht ungern in weiteren Fällen wiederträfe. Allerdings: Diese Krimireihe ist steigerungsfähig.