Am Anfang dieser Rezension soll diesmal das Ende stehen: was bleibt nach 330 Seiten? Was ist die Aussage des Buches, an was wird man sich erinnern wenn man es in 3 oder 4 Wochen im Regal stehen sieht und was kann man anderen über den Inhalt eigentlich mitteilen? Die Antwort ist leider: nicht viel.
Wer jünger als 40 ist, braucht dieses Buch nicht in die Hand zu nehmen. Es geht um die Songs der achtziger Jahre und damit eine Zeit, die stilistisch wie musikalisch schon nur schwer nachzuvollziehen ist, wenn man sie selbst erleben durfte, aber wohl vollkommen unerschlossen bleiben muss, wenn man sie retroperspektiv betrachten soll. In "Mit Mädchen über Duran Duran reden:..." erfolgt dieser Blick dann aus den Grenzen der USA heraus, auf Bands und einen Musikstil, der seinen Ursprung hauptsächlich in Europa hatte und ensprechend verzerrt auf der anderen Seite des Atlantiks anbrandete. So irritiert der Fokus auf die ein oder andere Band manchmal, hat man als Mitteleuropäer doch zumindest teilweise andere Band aus dieser Zeit vor Augen - als Deutscher vermutlich sowieso.
Die Kapitel hangeln sich entlang der einzelnen Jahre zwischen 1980 und 1989 und betten das Familienleben und Erwachsenwerden des Autors in kleine musikalisch angehauchte Geschichten ein. Das gelingt Rob Sheffield gut - Schreiben und Formulieren liegen ihm und die Kapitel reihen sich als angenehm warmherzige, aber zumeist auch recht belanglose bis banale Anekdoten aneinander. Bei den namensgebenden Mädchen des Buches handelt es sich dabei anfänglich um seine Schwestern, dann die ersten Lieben und letztlich wieder die Schwestern und seine bis heute mit ihm zusammenlebende Frau. Sie alle werden als starke, intelligente und durch und durch liebenswerte Persönlichkeiten dargestellt - ein wenig überhöht, fast schon langweilig perfekt.
Das Buch hat seine guten Momente und natürlich wecken die Erzählungen über Mixtapes, Single Cassetten und damalige Plattenpreise lang gehegte Erinnerungen an scheinbar bessere Zeiten. Aber abseits dieser aufkeimenden Nostalgie weckt "Mit Mädchen über Duran Duran reden:..." wenig in seinem Leser. Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass die Zeiten von New Wave und Schulterpolstern stets mit einem peinlichen Beigeschmack behaftet sind und man viele der einstiges Hits heute nur schwer ohne Alkohol ertragen kann; vielleicht (und nach meinem Dafürhalten hauptsächlich) aber wohl daran, dass Rob Sheffield zwar den Wunsch zu Schreiben verspürt, aber nicht all zu viel mitzuteilen hat. Wer Musikromane mag, wird grade unter den Erscheinungen der letzten 2 Jahre, sicher bessere finden.