Aus der Amazon.de-Redaktion
Bis jetzt ist es der Band aus München um Sänger Thomas Lidner mit jedem Album gelungen ihren Erfolg auszubauen und sich neben Formationen wie In Extremo, Tanzwut oder Corvus Corax ganz an der Spitze der mittelalterlichen Szene zu etablieren. Zwei Jahren nach
Wie Pech und Schwefel, dem letzten Longplayer, überzeugt das Sextett auf dem fünften Album
Mit Leib und Seele mit einer vielschichtigen Mixtur aus Folk- und Rock-Sounds.
Die 17 Songs auf dem Album zählen sicherlich zu den eingängigsten Kompositionen, die Schandmaul bisher einspielte. Die Band ist, im besten Sinn des Wortes, erwachsen geworden und begeistert nicht nur mit ausgefeilten Arrangements sondern auch mit der Power und Ideenvielfalt, die nötig ist, um in der heutigen Musikszene auf Dauer zu bestehen. Schandmaul ist mit Mit Leib und Seele das Kunststück gelungen, sich hörbar weiterzuentwickeln und trotzdem die eigenen musikalischen Wurzeln nicht aus den Augen zu verlieren. Unter der Regie von Thomas Heimann-Trosien reiht Schandmaul einen gelungenen Song an den anderen, von "Feuertanz" über "Kein Weg zu weit" bis hin zu "Das Mädchen und der Tod", bei dem fröhliche mittelalterliche Folkklänge und Heavy-Gitarrensounds eine explosive Mixtur ergeben. Ein weiterer Höhepunkte ist neben "Der Untote" definitiv die Midtempo-Ballade "Zauber der Nacht" sowie das schwermütige "Dunkle Stunde". Mit Mit Leib und Seele ist es Schandmaul gelungen sich musikalisch neu zu positionieren ohne ihre alten Fans damit vor den Kopf zu stoßen. --Norbert Schiegl
Stern
Hä? Was ist denn hier los? Ist Deutschland in so tiefe Depressionen gefallen, dass wir uns jetzt scharenweise ins Mittelalter flüchten? Da war ja wirklich fast alles besser: viel mehr Parkplätze, keine Besuche von der GEZ, null Vogelgrippe. Die Münchner Band Schandmaul hat sich im Mittelalter inzwischen richtig gemütlich eingerichtet: Die sechs Musiker mischen Dudelsack, Flöten und Schalmeien mit Geige, Drehleier, Schlagzeug und E-Gitarren und brauen daraus einen - nun ja - mannigfaltig bunten Rocksound mit folkloristischen Einsprengseln, der zwischen Kunst und Kitsch pendelt und live gespielt Menschen von sechs bis sechzig in eine rätselhafte Exstase versetzt. Haben Schandmaul die Weltflucht-Formel gefunden? Oder liegt es an diesen epischen Texten, die von Zauberei, den Mächten des Dunklen und von echten Männern handeln, die ihre Feinde mit kochendem Pech in die Flucht schlagen? Hat ja was, der Gedanke: Holt die Streitaxt raus und sattelt die Pferde. Kochendes Pech für alle Idioten in Büro, Autowerkstatt oder Call-Center! Der Erfolg von Schandmaul ist unheimlich. Im Mittelalter hätte man die Musiker womöglich der Hexerei bezichtigt und ein hübsches Feuerchen für sie entzündet. Irgendwie ist sie insgesamt doch gesünder, diese Gegenwart.
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