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Die Autorin Noelle Chatelet beschreibt in ihrem Roman Mit dem Kopf zuerst die Wandlung von Denise zu Paul einfühlsam und ohne Voyeurismus oder moralischen Zeigefinger? Die Geschichte bewegt, auch deshalb, weil sie aus der Ich-Perspektive geschrieben ist. Chatelet schafft es mit ausgefeilten Bildern und einer sehr musikalischen Sprache, einen Einblick in Denise/Pauls Seele zu vermitteln. Das Leiden am eigenen Anderssein, die Erniedrigungen durch unverständige Mitmenschen, der Wunsch nach einem anderen Körper, die Liebe zu einem Mädchen: All das erlebt die Leserin unmittelbar mit Paul/Denise.
Aber gerade durch die intensive, poetische Erzählweise wird vieles verwischt, was interessant gewesen wäre. Denise/Pauls Eltern reagieren extrem verständnisvoll und unterstützen ihr Kind in allem, was es tut. Ist das wirklich realistisch? Und Denise/Pauls erste Liebe wendet sich irgendwann ab aber warum? Sie wusste von Denise/Pauls Zweigeschlechtlichkeit, wieso sie aber eines Tages nach jahrelanger Zuneigung urplötzlich aus Denise/Pauls Leben verschwindet, bleibt offen.
Was Chatelet in ihrem Buch überhaupt nicht hinterfragt, sind die Geschlechterrollen, die Kindern, auch Denise, zugeschrieben werden. Der Vater wünscht sich einen Sohn, das angebliche Mädchen hasst Röcke, erst als Junge kann sie ein Mädchen lieben. Das dies nicht weiter thematisiert wird, ist ärgerlich.
Dennoch hat Chatelet ein wichtiges Buch über ein Tabuthema geschrieben. Das Ringen von Denise/Paul mit dem eigenen Körper und der eigenen Identität ist bewegend, und wer das Buch einmal angefangen hat, kann es sicher nicht wieder weglegen.
Claudia Frickel
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vorurteile - Verstehen lernen,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mit dem Kopf zuerst (Taschenbuch)
Noelle beschreibt auf sehr einfühlsame Weise das Tabuthema: Mann und Frau in einem Körper, beginnend mit den Problemen die schon in jüngsten Jahren entstehen. Ich bekam einen sehr kleinem Einblick, wie schwer es für Betroffene sein muss, mit diesem Thema umzugehen und Vorurteile zu bekämpfen. Von nicht Betroffenen ganz zu schweigen.Ich vermute Noelle hat die Spitze eines Eisberges beschrieben. Die Problematik ist mit Sicherheit viel tiefgreifender und das liest man zwischen den Zeilen. Ein fesselndes Buch, interessant bis zur letzten Seite. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
verspricht mehr, als es hält,
Von
Rezension bezieht sich auf: Mit dem Kopf zuerst (Gebundene Ausgabe)
Mit dem Kopf zuerst" erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich anders fühlt, ohne dabei wirklich zu wissen, was dieses Gefühl auslöst.Von der Mutter extrem in der Weiblichkeit unterstützt und gefördert, zum Beispiel durch Klavierstunden, wird Denise von ihrem Vater kaum beachtet - lediglich bei sportlichen Aktivitäten, wie am Trapez, gewinnt sie seine Aufmerksamkeit. Hier gibt er seiner Tochter Hilfestellungen und zeigt ihr, dass er stolz auf sie ist. Gemessen an der Gesamtseitenzahl bemerkt Denise ziemlich schnell, dass sie kein Mädchen sein will, dass sie sich als Junge fühlt. Dass ihre beste Freundin viel mehr als das ist - sie stellt lange Zeit die einzige Liebe dar und ist letztlich auch die Person, die Denise die Entscheidung mehr oder weniger abnimmt, ob sie ihr Anderssein leben soll. Mit einer kindlichen, aber irgendwie doch auch weisen und reifen Aufforderung wird das kleine Mädchen Denise schließlich auf den für sie - beziehungsweise ihn - einzig richtigen Weg geschubst. In einer insgesamt ziemlich verworrenen, teilweise extrem verwirrenden Zeitabfolge und einer nicht immer direkt verständlichen, aber sehr einfach und eher kindlich gehaltenen Sprache erzählt Noëlle Châtelet von der Verwandlung eines Geistes und eines Körpers - wie der Titel sagt: Mit dem Kopf zuerst. Bei dieser Verwandlung befindet sich nie beides auf einer Ebene. Obwohl der Titel des Buches in der Erzählung öfter fällt, wird erst nach dem Lesen und einigem Nachdenken wirklich klar, in welchem Zusammenhang der Titel eigentlich mit dem Inhaltlichen steht. Die Thematik macht während des Lesens ein wenig nachdenklich, wird aber nicht vollends ausgeschöpft. Von einer preisgekrönten Autorin, deren andere Romane über Frauen hochgelobt werden, bekommt man in diesem Buch leider nicht viel mit - vielleicht liegt das aber auch an der Erwartungshaltung, die deshalb möglicherweise zu hoch ist. Was man Noëlle Châtelet allerdings zugestehen muss, ist die wirklich gute Darstellung zweier so unterschiedlicher Personen, die sich den größten Teil des Buches ihren Körper teilen. Auch wenn man weder das Mädchen noch den jungen Mann wirklich kennen lernen darf, was durch die sprunghafte Erzählart nahezu unmöglich gemacht wird, erhält man einen Eindruck von der Liebe zum Detail, mit welcher die Autorin zeitweise arbeitet. Fazit: Was im Klappentext als interessante Thematik und spannende Auseinandersetzung mit selbiger verkauft wird, entpuppt sich leider als ziemliche Mogelpackung. Viele inhaltliche, teilweise auch wortwörtliche Wiederholungen und die sprachliche Einfachheit - vieles kommt vielleicht auch durch die Übersetzung zustande - schmälern das Lesevergnügen deutlich. Trotzdem gehört Mit dem Kopf zuerst" zu den Büchern, die man - einmal angefangen - kaum mehr aus der Hand legen kann. Bewertung: Handlung: 3/5 Charaktere: 2/5 Lesespaß: 2/5 Preis/Leistung: 2/5 (Originalrezension für Literatopia.de) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gespalten,
Von
Rezension bezieht sich auf: Mit dem Kopf zuerst (Taschenbuch)
Schon als Kind will Denise lieber ein Junge sein, und als sie heranwächst, fühlt sie sich als Mann, Paul, der im Körper einer Frau gefangen ist. Aber es sollen noch leidvolle Jahrzehnte vergehen, ehe er / sie den entscheidenden Schritt wagen kann.Die inneren Kämpfe, die Denise / Paul mit der Zweigeschlechtlichkeit ausficht, sind gefühlvoll, intensiv und eindringlich dargestellt, gehen über den Komplex der Transsexualität hinaus und konkretisieren generell das Leben eines Menschen, der uneins ist mit sich selbst. Vom ersten Anderssein-Wollen steigert sich die Verbitterung an sich selbst bis zum Selbstmordversuch und dem Aufenthalt in der Psychiatrie. Dabei geht es gar nicht um eine vollständige Geschlechtsumwandlung; dennoch ist die Brustamputation Erlösung und Befreiung. Was wundert: Hat es keine Kämpfe mit anderen Menschen gegeben? Die Eltern akzeptieren problemlos, anstelle der Tochter einen Sohn zu haben; die Schulfreundin unterstützt das "Junge-Sein", und auch als Erwachsene(r) scheint Denise / Paul auf andere Menschen eher faszinierend zu wirken. Dass die Beziehungen zur Außenwelt so problemlos ablaufen, ist ein fragwürdiger Gegensatz zu den inneren Kämpfen und das Manko des Buches. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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