Ich weiß nicht, ob James F. Cooper den Bericht von Alexander Mackenzie kannte, als er seine Lederstrumpf-Geschichten schrieb (möglich wäre es), aber mir fallen deutliche Parallelen auf (das soll keine Kritik sein): Die endlosen, fast menschenleeren Weiten, die Angst der Weißen vor den Indianern und umgekehrt, die immense Bedeutung der Rindenkanus für den Transport von Menschen und Gütern, die enormen Strapazen, die gerade die sogenannten Waldläufer auf sich nahmen. Ihr Schicksal beurteilt Mackenzie aus eigener Anschauung wohl realistischer als Cooper: während Coopers Held Natty Bumppo uralt wird, gibt Mackenzie unumwunden zu, dass die Waldläufer aufgrund ihres anstrengenden Lebens schnell alterten. Man kann sich angesichts unserer heutigen Transportmittel nur schwer eine Vorstellung davon machen, was es bedeutet, zu Fuß und per Kanu über 4000 km durch unwegsames Gelände zurückzulegen (Mackenzie machte dies gleich zweimal!), bei großer Kälte, Schnee, Regen oder von Mücken geplagt, teilweise unzureichender Lebensmittelversorgung und immer in Sorge vor Indianerangriffen. Zweck der Reisen war die Ausdehnung des Pelzhandels an die Westküste Amerikas und damit die Herstellung einer möglichen Handelsverbindung nach Asien, wo man gute Geschäfte zu machen hoffte. Trotzdem hat sich Mackenzie gerade auf der zweiten Reise (nachdem er sich wissenschaftliche Kenntnisse angeeignet hatte, die ihm auf der ersten fehlten)auch um präzise Aufzeichnungen über Land und Leute und vor allem geografische Messungen bemüht.
Ich finde es bedauerlich, dass der Originaltext für diese Ausgabe gekürzt wurde - aber grundsätzlich muss man dem Erdmann Verlag dankbar sein, derart interessantes Material wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben.