"Mit Gas?" wird man in Holland gefragt wenn man ein Wasser bestelt, wenn man dann nicht weiß was gemeint ist kommt die Frage "Gas... Mit Bubbels?" und wegen eben dieser Frage nannten Tomahawk ihr zweites Studioalbum Mit Gas.
Kein Witz, das hat nix mit deutscher Geschichte zu tun, wie viele beim ersten sehen des Titels asoziieren.
Mit Gas, war sodann auch das erste Album an dessen Songwriting sich alle vier Musiker aktiv beteiligten.
Tomahawk stammt fast vollständig aus Duane Denison(Jesus Lizard) Feder, er schickte den Bandmitgliedern Mike Patton(Faith No More, Mr.Bungle, Fantomas) Kevin Rutmanis(Melvins) und John Stanier(Helmet) fertiges Material und ließ sie ihren Part hinzufügen, am meisten Freiheit bem Debüt hatte noch Patton, der die Lyrics noch schreiben musste.
Bei "Mit Gas" lief das alles anders, die Band kam als Band von einer Tour(unter anderem als ausgebuhte Vorband für Tool in den USA), alle schrieben gemeinsam Songs gingen ins Studio und nahmen "Mit Gas" auf. Und was dabei entstand war ein fett grinsendes und groovendes Ungetüm Alternative Rock, dass sogar Maynard James Keenan in einigen Interviews empfahl. Faith No More Fans zeigten sich begeistert und nannten "Mit Gas" das beste Pattonalbum seit dem Bruch mit Bottum, Puffy und Co. Kritiker verneigten sich vor dem Album, dass jedoch nahezu nirgends gut genug für das Album des Monats war.
Trotz dieser ultimativen Lobhudelei lag das Album wie Blei in den Regalen. Die wenigen Fans kauften natürlich, aber neue Hörer fand die Band keine, als Vorband für Tool waren sie mit dem Material des ersten Albums daran gescheitert neue Hörer zu gewinnen. In Alternative Rock Kreisen war das 2003 veröffentlichte Album immer noch zu schräg und zu sperrig, es passte weder in den Garage Rock Revival Hype um Hives, Strokes und White Stripes noch zwischen die poplastigen Post Grunge und Dark Rock Bands.
"Mit Gas" kaufte ich mich direkt bei Erscheinen und höre es seither regelmäßig.
Ich würde nicht behaupten, es sei das beste Album mit Pattons Beteiligung, das sind für mich
Delirium Cordia und
Disco Volante, aber es ist eines der besten Alternative Rock Alben der Dekade 2000 - 2009. Jeder Song ist ein Erlebnis, ob nun Countrylastige Ballade(Aktion 13F14), der rockige ja fast Grungelastiger Brecher(Rape this Day), Rocksongs mit funky Einschlag(Mayday), TripHopSpielerei(Capt. Midnight), Jesus Lizard typischer Noise Rock(When the Stars...), an das Ende von Faith No More erinnernte Stücke(Birdsong), Surfrock(Harelip) und oder einfach alles in der unzähmbaren Gesamtheit dieser vier Musiker die alle ihren Teil zu diesem unglaublich dichtem und gelungenem Album beitrugen.
Für visuell ausgerichtete muss man dann noch hinzufügen, dass das Digipack-Artwork mit goldenem Prägedruck ein echter Hingucker ist. 9/10