Das graphisch wunderschön gestaltete Buch wirkt schon beim Betrachten des Titelbildes einladend und verführt zum neugierigen Weiterlesen. Es beginnt mit einer kurzen, informativen Einleitung zur Geschichte und den verschiedenen Varianten der Zauberei. Erste Kostproben des Spielens mit Sinnestäuschungen werden demonstriert und metaphorisch auf das Gebiet der Veränderungsarbeit übertragen.
In den darauf folgenden Kapiteln beschreibt die Autorin sehr eindrucksvoll die Potentiale des „therapeutischen Zauberns" in den vielfältigsten pädagogischen und therapeutischen Arbeitsfeldern. Bereits auf den ersten Seiten vermittelt sie überzeugend, daß nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche, Erwachsene, Familien, ältere Menschen sowie Menschen mit oder ohne Behinderungen über das geheimnisvolle Spiel mit Illusionen staunen können und auf diese Weise erreichbar sind. Und genau diese Faszination macht sich Frau Neumeyer - selbst Zauberin sowie Heil- und Sozialpädagogin - mit ihrem Arbeitsansatz zunutze.
Anhand verschiedener therapeutischer Fragestellungen skizziert die Autorin jeweils kurz, übersichtlich und prägnant die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des „therapeutischen Zauberns". Sie demonstriert, wie mit „zauberhafter Hilfe" Kontakt hergestellt, ein positiver Selbstwert gefördert und Sprechfreude aktiviert werden kann. Auch komplexe Bewegungsabläufe, feinmotorische Fähigkeiten und kognitive Funktionen - wie etwa Aufmerksamkeitsfokussierung, Konzentrationsdauer, ... - können spielerisch geschult werden. Dabei gelingt es der Autorin, ihre theoretischen Ansätze mit vielen Fotos und einer Fülle von Fallbeispielen praxisnah zu belegen.
Nach diesen einführenden Kapiteln wird der Leser eingeladen, den eigenen „Zauberer" in sich zu entdecken. Das 3. Kapitel ist eine wahre Schatztruhe. Hier finden sich alle erdenklichen - großen und kleinen - Kostbarkeiten für eine sofortige praktische Umsetzung. In dieser Sammlung bunter Zauber- und Illusionskunststücke entdeckt der Leser eine Vielfalt verschiedener Tricks mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Es finden sich sowohl verblüffend einfache Illusionen, die ohne weiteres von Vorschulkindern ausgeführt werden können, als auch sehr viel anspruchsvollere Zaubertricks.
Jedes dieser Kunststücke wird nicht nur unter den Aspekten der Präsentation und Ausführung, sondern auch vor dem Hintergrund pädagogisch-therapeutischer Überlegungen und Erfahrungen dargestellt. Viele Fotos und sowohl anschauliche als auch aussagekräftige graphische Abbildungen lassen den Zauberfunken rasch auf den Leser überspringen. Etliche Zaubertricks sind mit heilsamen Metaphern verbunden und können sofort in der therapeutischen Arbeit genutzt werden. Neben praktischen Anleitungen zum Herstellen von Zauberrequisiten erfährt der Leser u.a. die Bedeutung der „goldenen Zauberregeln", erhält einen Crashkurs im Schauspieltraining und wird mit praktischer „Zauberpannenhilfe" vertraut gemacht. Auch hier verbindet die Autorin theoretische Konzepte anschaulich mit einer praxisorientierten, lebendigen Umsetzung.
„Mit Feengeist und Zauberpuste" ist ein außergewöhnlich vielseitiges und wertvolles Praxisbuch, das nicht nur in der therapeutischen und pädagogischen Arbeit mit Kindern und Erwachsenen, sondern auch für die eigene Kreativität von unschätzbarem Gewinn ist.