In ungeschnittener, aber nicht optimaler Fassung präsentiert Black Hill den außergewöhnlichen Italo Western "Mit Django kam der Tod".
Mit dem "Django" Film von Corbucchi hat der Film nicht das Geringste zu tun. In Deutschland wurden damals viele Western mit Franco Nero in Django-Titel umbenannt. Wer also ein sinnfreies Gemetzel mit MG erwartet, wird enttäuscht. Alle anderen können sich auf einen besonderen nicht alltäglichen Film freuen:
Grandiose Landschaftsaufnahmen, innovative Kameraführung, überzeugende Schauspieler sind die Zutaten für diesen so ganz anderen und tiefsinnigen Western. Gute Filme erkennt man in der Regel daran, dass Bildkompositionen nicht zufällig gewählt werden, sondern die Charaktere und die Handlung illustrieren. Wer also aufpasst, findet hier phantastische Kompositionen symbolhafter Bedeutung (hunderte Anker am Strand, riesige Mauern, verwinkelte labyrinthische Straßenzüge, karge Steinwüste, weißes Pferd usw.). Das alles ist nicht zufällig, sondern mit Bedacht gewählt.
Geschildert wird die Geschichte von Django (alias Franco Nero), der einer schönen lebhaften und lebenslustigen Frau verfällt, die ihn ins Unglueck stuerzt. Anfangs noch Offizier, muss er sich schließlich einer Bande von Desperados anschließen und verspielt sein ganzes Leben- nur durch die blinde Liebe zu einer unberechenbaren femme fatale. Das alles ist keine Minute langweilig, grandios ausgeleuchtet, toll gefilmt und spannend inszeniert und noch mit einem ungewöhnlichen Ende ausgestattet, dass den Kreis zum Prolog schließt.
Obwohl die deutsche Synchronfassung dem Film durch die schnodrige Sprache der Darsteller einiges an Ernst nimmt, wird der Film dadurch nur besser und ist ein Fest fuer die Lachmuskeln, gleichzeitig aber tiefsinnig und ohnehin ewig gültiig zum Thema "Liebe macht blind". Also erst diesen Film sehen, dann nochmal überlegen, ob das Herz der heißblütigen Schönheit, für die man entflammt, auch so schön ist, wie sie selbst. Da kann dieser Film wahre Wunder wirken und mitunter dem Herz die Augen öffnen.
Zu kritisieren ist, dass es keine Untertitel für die italienische Originalversion gibt. Die deutsche Fassung enthält auch Deutsch untertitelte Szenen in Italienisch. Warum auch Szenen, die in der TV Ausstrahlung in der deutschen Synchro enthalten waren (Geschichte des weißen Pferdes, Begräbnisszene nach dem Kampf zwischen Kinski und Nero) hier nur Italienisch mit deutschen Untertiteln vorliegen, ist unverständlich und unnötig. Wenn, dann möchte man ja auch gerne die gesamte verfügbare deutsche Synchro hören und nur jene Szenen, die nicht synchronisiert wurden, sollte man im Original mit Untertiteln bringen.
Regisseur Luigi Bazzoni hat nicht viele Filme gedreht, vor allem aber drei allgemein sehr gut besprochene Giallo Filme. Er ist ein Regisseur, dessen Werk es wiederzuentdecken gilt. Sein einziger Western "Mit Django kam der Tod"- der zudem einen Art Carmen im wilden Westen sein soll- heisst im Original "L'Uomo, l'orgoglio, la vendetta" (Der Mensch (Mann), der (übersteigerte) Stolz (Hochmut), die Vergeltung (Rache)).
Mir ist bekannt, dass die Masse der Italo Fans nicht für diesen Film zu begeistern ist- jedenfalls nach den schlechten Rezensionen zu urteilen. Für mich mit den Revolutionswestern (Tepepa, Töte Amigo, Lauf um Dein Leben)
einer der beeindruckendsten und tiefsinnigsten und spannendsten Filme des Genre.
Tina Aumont und Franco Nero in den Hauptrollen, Guido Lollobrigida und Kinski (grandios besessen wie immer) bilden einen hervorragende Besetzung, die keine Wünsche offen lässt.
Zum Abschluss noch ein denkwürdiger Dialog, im Vorfeld des großen Überfalls in der staubigen Bergschlucht:
Django: Du kannst inzwischen ein Loch in den Felsen treiben- und denk dran, das Loch muss mindestens zwei Armlängen tief sein.
A: Um so ein großes Loch in den Felsen zu schlagen, da brauch'ich ja Monate.
Garcia: Dann knabbere es doch rein- das geht schneller.
A:Warum machst Du das denn nicht mit Deinen Raffzähnen, das wäre doch ne ideale Beschäftigung für deine verschimmelten Hauer.
Garcia: Du fängst dir gleich nen Satz heiße Ohren ein.
Django: na, lass ihn...
Garcia: Wir sind doch schon genug. Lopez hat zwar nichts unter der Mütze, aber er schießt dir nen Spatzen aus der Tasche.
Django: ich habe verboten, dass geschossen wird.
Garcia: Ja, schon gut, wir werden nicht schießen, wir schmeißen mit Lehm.
Fazit: Unbedingt ansehen, mitleiden und mitlachen!