Aus der Amazon.de-Redaktion
Auch Christian von Ditfurths zweiter Krimi um Stachelmann gräbt in der deutschen Geschichte, dieses Mal freilich in der etwas jüngeren: ehemalige Stasi-Spitzel und DDR-Fluchthelfer verwickeln Stachelmann vierzehn Jahre nach Ende des kalten Krieges in ein streckenweise bizarres Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ost- und Westdeutschland. Historisch akkurat und mit kriminalistischer Sorgfalt konstruiert Ditfurth einen Fall, der seinen Ermittler so sehr in Bedrängnis bringt, dass er um seine geistige Gesundheit fürchten muss.
Glücklicherweise, handelt es sich jedoch um den wohl sympathischsten und glaubwürdigsten Ermittler, der derzeit auf dem deutschen Krimimarkt zu haben ist. Ein furchtloser Held ist Stachelmann im Angesicht des Verbrechens keineswegs, und dann und wann hadert er schon mal mit dem detektivischen Gespür, das ihn unweigerlich dazu bringt, sich in Gefahr zu begeben. Aber letztlich siegt doch immer der Stachelmann, der von keinem Geheimnis lassen kann, und der innerlich aufblüht, wenn der zähe Historikeralltag durch eine kleine Prise Mord und Totschlag gewürzt wird. Unter Druck läuft dieser ungewöhnliche Ermittler, ganz entgegen seiner eigenen Erwartungen, zu Höchstform auf. So erzeugt Ditfurth ein schönes Wechselspiel von Lesefreude und Spannung und spart sich -- angenehm gelassen -- trotz der politischen Brisanz seines Themas die Moralkeule. Seinem Vorgänger Mann ohne Makel steht dieser Krimi damit in nichts nach: einfach ein gutes Buch. Der geplagte Stachelmann muss da wohl verzeihen, wenn man ihm wünscht, dass er in Zukunft noch in viele Mordfälle verwickelt wird. --Jakob Schmidt
