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Mit Ballschuhen im sibirischen Schnee
 
 
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Mit Ballschuhen im sibirischen Schnee [Gebundene Ausgabe]

Sandra Kalniete , Matthias Knoll
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Herbig; Auflage: 1., Aufl. (Februar 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3776624248
  • ISBN-13: 978-3776624243
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 678.576 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Für Verbrechen gegen die Menschlichkeit gibt es keine Verjährung"

Sandra Kalniete - Schlüsselfigur im Kampf um die Unabhängigkeit Lettlands - führte als Außenministerin ihr Land in die EU. Sie plädiert für ein gemeinsames Geschichtsverständnis des alten und des neuen Europa zur Bewältigung der gemeinsamen Vergangenheit.
Die Geschichte ihrer Familie ist ein Teil davon: 1941 im okkupierten Riga vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet, führte sie ihr Leidensweg als Zwangsdeportierte nach Sibirien, wo Sandra Kalniete geboren wurde. Erst nach Stalins Tod sollte sie mit ihren Eltern in ihre Heimat zurückkehren dürfen.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Ligita Dreifelde ist gerade 14 Jahre alt, als ein sowjetisches Kommando an die Tür ihrer Familie klopft und sie am 14. Juni 1942 zusammen mit 34.250 anderen Menschen, die als "antisowjetische Elemente" eingestuft sind, nach Sibirien deportiert. Von ihrem Vater, der in einen Gulag deportiert wird, wird sie getrennt. Dann wird sie mit ihrer Mutter, beide werden als so genannte "Sondersiedler" bezeichnet, in das westsibirische Tomsk transportiert. Ratten als Nahrungsmittel und harte Arbeit auf einer Kolchose bestimmen den eintönigen Alltag. Das Leben der beiden Frauen ist ein einziger Kampf ums Überleben. Geplagt von Hunger und Kälte träumen sie von der Rückkehr nach Lettland.
Die wird für Ligita nach einiger Zeit Wirklichkeit. Sie darf zurückkehren, jedoch nicht für lange. Nach anderthalb Jahren wird Ligita zusammen mit tausenden weiteren Letten wieder nach Sibirien geschickt, wo sie dann ihren späteren Ehemann Aivars Kalnietis kennenlernt und auch heiratet. Ihre Tochter Sandra Kalniete wird im Jahre 1952 geboren und fünf Jahre später darf die Familie in ihr Heimatland zurückkehren.

Fazit: Sandra Kalniete, eine Aktivistin im Unabhängigkeitskampf Lettlands, führte als Außenministerin ihr Land in die EU. In diesem Buch hat sie die Geschichte ihrer Familie aufgeschrieben. Es ist ein Stück europäischer Geschichte, über das viel Unwissenheit herrscht. Das tragische Schicksal ihrer Familie ist beispielhaft für viele baltische Familien, die von stalinistischen Repressionen betroffen waren. Allein im März 1949 wurden 95.000 Menschen (davon 73 Prozent Frauen und Kinder) aus dem Baltikum in den Gulag oder in so genannte Sondersiedlungen" nach Sibirien deportiert. Mehr als 15.000 kamen dabei ums Leben.

Dieses Buch gibt einen Einblick von der gnadenlosen Unterdrückungsmaschinerie Stalins und davon, wie sie sich auf Lettland auswirkte. Die Familienverhältnisse sind hin und wieder verwirrend, doch ein Stammbaum auf der ersten Seite des Buches verschafft einen Überblick. Insgesamt ist das Buch gut geschrieben und wenn man sich erst einmal eingelesen hat, ist es spannend, Stück für Stück mehr über die lettische Geschichte zu erfahren. Sandra Kalnietes Buch über das Los ihrer Familie ist ein wertvoller Beitrag dazu, dass das Schicksal der unrechtmäßig nach Sibirien deportierten Menschen nicht in Vergessenheit gerät.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Ihre Geschichte klingt einzigartig und doch steht sie für das Schicksal, welches ein ganzes Volk unter der Herrschaft Stalins erleiden musste. Sandra Kalniete erzählt die Geschichte ihrer Familie und die Geschichte Lettlands.

Es ist der 14. Juni 1942 als es an der Tür von Familie Dreifelde klopft. Es bleiben nur wenige Minuten Zeit, ein paar Sachen zu packen, bevor die Familie wie weitere 34.250 antisowjetische Elemente in die Deportationszüge Richtung Sowjetunion gepfercht wird. Wenig später werden Mutter und Tochter von ihrem Ehemann und Vater Janis Dreifelde getrennt, welcher kurz darauf in einem Gulag an Entkräftung sterben sollte.

Nach tagelangen Irrfahrten und Zwischenaufenthalten in den berüchtigten Todeslagern der Sowjetunion, gelangen die beiden Frauen nach Petropawlowka, im sibirischen Tomsk. Vollkommen auf sich allein gestellt, werden sie ohne Behausung und Kleidung in einer der sogenannten Sondersiedlungen zurückgelassen. Hunger und die tödliche Kälte Sibiriens bestimmen den Alltag der Frauen, doch Ligita Dreifelde, die einzige Tochter des Hauses, bekommt die Gelegenheit, auf Grund einer Lockerung der sowjetischen Verwaltung, in ihre Heimat zurück zu kehren. Die neu gewonnene Freiheit währt jedoch nicht lange und so befindet sich Ligita Dreifeld, ebenso wie etwa 43.000 weitere Letten und ihr späterer Ehemann Aivars Kalniete und dessen Mutter, nach etwas mehr als anderthalb Jahren zum zweiten Mal auf dem Weg in die sibirische Verbannung.

Die Eltern der Autorin lernen sich wenig später in der Sondersiedlung Tomsk kennen und heiraten. Durch harte Arbeit und Ausdauer schaffen sie es, ein für die sibirischen Umstände wohlhabendes Leben zu führen. Sie bauen ein Haus, in dem das Ehepaar mit Aivars Mutter Milda lebt, und im Jahr 1952 bekommen sie ihr erstes und letztes Kind, Sandra Kalniete. Erst im Mai 1957 kann die Familie aus der Verbannung nach Lettland zurückkehren.

Sandra Kalniete ist mit ihrem Buch Mit Ballschuhen im sibirischen Schnee zwar keine literarische Meisterleistung gelungen, aber das muss dieses Buch auch gar nicht sein. Schritt für Schritt hilft es dabei, die lettische Geschichte der 50er Jahre anhand von persönlichen Erinnerungen und sorgfältig aufbereitetem Archivmaterial besser zu verstehen. Ein Stammbaum der Familien und Photographien der Angehörigen vermitteln ein Bild von den beschriebenen Personen und dienen dem Leser außerdem zum nochmaligen Nachschlagen der Familienverhältnisse. Ebenso hilfreich sind die über 280 Anmerkungen, die über historische und politische Vorgänge informieren und für den nicht auf die baltische Geschichte spezialisierten Leser von essentieller Bedeutung sind, um die politischen Hintergründe der Deportationsgeschichte zu verstehen. Sandra Kalniete gelingt es nicht nur, das Leben in Gefangenschaft realistisch zu beschreiben, sondern dieses außerdem mit dem welthistorischen Geschehen der 50er Jahre zu verknüpfen.

Rationell, aber auch gefühlvoll erzählt sie so eine Geschichte, die bewegt  Letten, Deutsche, Russen und alle, die gegen das Vergessen kämpfen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Detlef Rüsch #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
„Mit Ballschuhen im sibirischen Schnee" ist ein grandioses Buch, um aus einer anderen Perspektive heraus nicht nur die Geschichte Europas in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts besser zu verstehen, sondern auch zu begreifen, wie nachhaltig sich historische Ereignisse auf Biographien von Menschen auswirken.
Die lettische Außenministerin Sandra Kalniete vermittelt mit der „Geschichte meiner Familie" einen sehr persönlichen Eindruck von der Lebenswirklichkeit in Lettland und in Sibirien. So vermischen sich in der Konsequenz eines solchen Werkes persönliche Eindrücke, erzählte Geschichten von Angehörigen und die subjektive Bewertungen.
Letzten Endes vermag die Autorin aber einen im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut gehenden" Eindruck von den Erfahrungen ihrer Familienangehörigen zu vermitteln.
Hierzu sind auch die Fotographien der Vorfahren von Frau Kalniete zu Beginn des Buches sehr hilfreich. Auch wenn die Anordnung der Bilder der üblichen Verfahrensweise zur Aufstellung eines Genogramms oder Stammbaums nicht entspricht, kann man doch immer wieder auf diese Darstellung zurückgreifen. Nur so lassen sich die für Mitteleuropäer nicht immer leicht zugänglichen Namensgebungen auf bestimmte Personen beziehen.
Überhaupt wird man in diesem Buch viel blättern müssen; allein schon aufgrund der über 280, durchaus aber wichtigen Anmerkungen im hinteren Teil des Buches. Ebenso wird man immer wieder zur Orientierung auf die Karte der Buchinnenseiten zurückgreifen, welche die GULAG (Internierungslager) auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zeigen. Leider ist diese Karte nicht übersetzt worden und auch eine Karte des heutigen Lettlands fehlt. Dies hätte so manchem Leser, der das Baltikum nicht kennt, eine große Hilfe sein können.
Wie persönliche und weltpolitische Geschehnisse miteinander verwoben sind, wird im letzten Teil des Buches deutlich, wo familiäre und „Historische politische Ereignisse" von 1878 bis 1994 gegenüber gestellt werden.
Die Ausführungen von Sandra Kalniete selbst sind äußerst beeindruckend, vermitteln sie doch ein sehr alltagsnahes, realistisches Bild des Lebens unter den Bedingungen der Okkupation und Gefangenschaft. Okkupation meint hier nicht nur die Besatzung durch die Nationalsozialisten, sondern auch diejenige durch die UdSSR. Die Lebens- bzw. Sterbensumstände in sowjetischen Gefängnissen und Lagern (insbesondere von ihren Großeltern) beschreibt Frau Kalniete so eindrucksvoll, dass es schwer fällt, die Lektüre an manchen Stellen fortzuführen. Auch wenn Kalnietes Eltern 1957 wieder nach Lettland mit ihrer Tochter zurückkehren, die Narben und Erinnerungen des Schicksals dieser Familie bleiben haften. Die Erzählweise von Sandra Kalniete ist sehr persönlich und der Bezug einmal auf die väterliche, dann wieder auf die mütterliche Herkunftsfamilie macht die Lektüre manchmal schwierig.
Dennoch hält man ein fesselndes, zum Teil unfassbares Buch in den Händen. Wer Osteuropa verstehen und den europäischen Einigungsprozess von seiner Notwendigkeit her betrachten will, der wird dankbar sein für dieses, mit persönlichen, geschichtlichen und statistischen Daten reichlich gefüllte Buch. Die Übersetzung hierzu ist im übrigen - auch aufgrund des mit über 350 Seiten großen Umfangs - sehr gelungen und bringt einem das Lettische so sehr nahe.
Ein Buch für Deutsche, Letten, Russen und alle, denen die Vergangenheit mehr bedeutet, als zu vergessen, was nicht verdrängt werden darf.
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