Joja Wendt, der virtuose Tastenmagier, bietet uns mit seiner neuesten CD ein akustisches Wechselbad. Sie soll eine musikalische Reise durch alle Herren Länder sein und tatsächlich gelang ihm ein farbenprächtiger Klangteppich von intensiven Eindrücken und Freuden. Seine Neubearbeitung von bekannten klassischen oder folkloristischen Stücken, sowie die Vorstellung eigener Kompositionen lassen den Hörer stimmungsvoll von fernen Regionen träumen, oder nehmen ihn ganz einfach gefangen, ....nicht selten auch durch Joja Wendts dionysisches Spielen auf seinen 88 Tasten !
Weil es 13 sehr unterschiedliche Titel sind, ist es schwierig, mit ein paar Sätzen etwas Allgemeingültiges zur gesamten Musik der CD zu schreiben, außer natürlich, dass Wendt als profilierter Pianist nahezu in jedem Stück glänzt. Ich halte es für besser, jeden Titel mit einigen Worten speziell zu beschreiben.
Die Reise beginnt in Deutschland mit einer originellen Version des Johannes Heesters Evergreens: Man müsste Klavier spielen können. Es ist sehr reizvoll, wechselweise in diesem Song von 1941, Stefan Gwildis, Roger Cicero, Marc Marshall und Jay Alexander mit ihren unterschiedlichen Stimmen und ihrem bekannt eigenem Stil zu hören. Nostalgische Gesangparts mischen sich raffiniert mit Soul und Rockeinlagen. Von den 13 Musikstücken dieser CD sind allerdings nur drei gesungen
Da singt Maud Rakotondravohitra La vie en rose. Das weltberühmte Chanson beginnt sie zunächst so, wie man es üblicherweise gewohnt ist zu hören. Aber später im Lied entfaltet ihre helle Stimme große emotionale Kraft. So schafft sie es, diesem Lied, welches wohl jeder kennt, neue und mehr dramatische Töne zu entlocken und dadurch mit einen sehr facettenreichen, eigenständigen Vortrag zu beeindrucken.
Als dritten Gesangstitel wählte Wendt Puccinis berühmte Belcantoarie O mio babbino caro. Der Titel ist der letzte dieser CD und wird von seiner Mutter, der Opernsängerin Barbara Wendt mit schöner Inbrunst gesungen. Am Ende dieser musikalischen Reise ist dieses Lied auch eine Widmung und Huldigung an die Person, die ihm die Liebe zur Musik in die Wiege gelegt hat
Auf den anderen zehn Titeln der CD hat Joja Wendt hinreichend Gelegenheit uns mit seinen phantasievollen Arrangements und seiner technischen Versiertheit rein instrumental zu begeistern. Dies geschieht mit kreativer Vielfalt und auch Humor.
Sein Pianospiel ist vorerst bei einer neuen Zusammenstellung von Schumanns Kinderszenen adäquat zart, um aber später mehr und mehr in einen soliden, typischen Wendt-Jazz-Swing zu geraten.
Mit Palast des Zaren nähert er sich einer Scriabin-Etude voller Verehrung. Es berührt, wie seine behutsame Intonation Melancholie und Schönheit der Melodie offen legt.
In Asturias erleben wir eine furiose Klangexkursion. Kollege Dieter Falk ist der ideale Mitstreiter in diesem äußerst temperamentvollem Pianoduell. (Aber wer schrieb das Stück? Leider keine Angaben).
Ganz leichte, wohlige Klänge voller Zauber, bringt Fulaga. Man schließt die Augen, spürt das Meer, den sanften Wind, und sieht die traumschönen Inseln der Südsee vor sich.
Großes Streichorchester plötzlich beim Celtic Cry. Irische Flöte im Wechsel mit der Fiddle und wilden Pianoläufen. Das Orchester setzt volltönend und effektvoll die musikalischen Akzente.
Mit Tschaikowskys Tanz der Zuckerfee hat Wendt neben ungezählten, interessanten Bearbeitungen ( z. B. Duke Ellington ) hier noch eine weitere wunderschöne Version hinzu gefügt. Die Melodie wird durch Joja Wendts filigranes bis kraftvolles Klavierspiel besonders akzentuiert.
Mit der Historia de un amor , einem südamerikanischem Volkslied, wird ein ähnliches entspannendes Stimmungsbild von wohltuender Romantik erzeugt wie bei Fulaga. Eine klare, poetische Melodie, die sofort ins Ohr geht, aber deswegen nicht weniger betörend ist.
Fernöstlich, in halsbrecherischem Tempo tönt es in Siama, dem chinesischen Pferderennen.
Auch die Wanzenjagt und Typewriter zeigen den Meister in Hochform: Verblüffende Virtuosität und Dynamik brillieren mit Zugaben von Charme und Humor.
Sicher ist der Focus dieser CD weniger auf den Jazz gerichtet, auch wenn er oft funkelnd aufblitzt. Natürlich hat auch diese Gegenüberstellung oder Aufreihung verschiedenster Musiken etwas von einem Sonntagnachmittags-Wunschkonzert, welches der Allgemeinheit gefallen soll. Aber es ist ein erfrischend abwechselungsreiches Programm von hohem Niveau und Unterhaltungswert. Es bietet vor allem Entspannung und es macht große Freude, sich einfach diesem schillernden Kosmos musikalischer Welten hinzugeben.