Wenn Fernsehleute ein Buch schreiben, kommt meist nichts Gutes dabei heraus. Aber dieses Buchdebüt hat mich sehr überrascht: Ein großartiger, erzählerischer Text - angenehm zu lesen und dennoch präzise, detailliert und enorm scharfsinnig. Gastmann's Sprache hat einen unverwechselbaren, lakonischen Sound. Es gelingt ihm, seine oft bitteren Begegnungen mit Schießwütigen, korrupten Präsidenten, Hexenheilern, Stierkämpfern oder dem Chef des Ku-Klux-Klan in Arkansas mit einer außergewöhnlichen Lockerheit und erfrischend entspannten, subtil witzigen Art zu beschreiben. Ein moralisches Buch - aber ohne erhobenen Zeigefinger. Gastmann nimmt sich selbst nicht zu wichtig. Im Gegenteil: Den Rahmen für die Geschichte bietet eine hinreißende, 89jährige Röhrkohlbäuerin aus Bremerhaven, die den Reporter immer wieder sprachlos macht und auf den Teppich zurück holt. Frage Gastmann zu Beginn des Buchs: "Frau Brunkhorst, ich darf um die Welt ganze Welt bummeln!" - Antwort: "So? Dann bummel mal." Herrlich.