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Als bester schwedischer Thriller des Jahres wurde Dahls erster Paul-Hjelm-Krimi gelobt, gar auf eine Stufe mit Åke Edwardson und Håkan Nesser gestellt. Verdient hat er's ganz sicher, denn es dauert nur wenige Seiten und man wird zum stillen Mitglied in jenem "handverlesenen" Sonderkommando. "Eine Art ritualisierte Hinrichtungsmethode mit Wiedererkennungseffekt?". Wer waren die drei Männer, hatten sie gleiche Freunde, Feinde, Geschäfte, Hobbys? Minutiös werden Recherchen geschildert, Details bleiben nicht unerwähnt, fast pedantisch genau wird der Fall literarisch seziert; das klingt dröge, ist es aber nicht. Im Gegenteil: "Man stößt ständig auf neue Verästelungen... neue Triebe, die aus den Stengeln sprießen" -- je sachlicher und distanzierter die Schilderungen, desto spannender und fesselnder die Stimmung.
Fünf Männer und eine Frau im Sonderteam, "und sie wissen, was auf dem Spiel steht", ganz unterschiedliche Charaktere, gut heraus gezeichnet, individuell, jeder mit nachvollziehbaren Absichten handelnd, dynamisch in der Gruppe. Ein gelungenes Potpourri.
Ein gewöhnlicher Fall ist es nicht, Arbeit, Einsatz und Gefahr gehen weit über andere Ermittlungen hinaus; an Gesellschaftskritik wird nicht gespart: "Was bis vor wenigen Jahren echten Verbrechern vorbehalten war, Geldwäsche, Geldschieberei... sind inzwischen salonfähige Geschäftsfelder." Wenn die Toten "Kapitalisten der neuen Sorte waren, nichtproduzierende Wirtschaftskapitäne", wo sind dann die Täter zu suchen?
Und dann ist da noch ein Saxofonstück, das eine große Rolle spielt, "er könnte das Stück wieder und immer wieder hören" -- aber wer? Der Täter? Der Mörder? --Barbara Wegmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Was mich allerdings ärgert, ist, dass Piper mittlerweile 14 Euro für ein Taschenbuch verlangt!
Bereits bei diesem Plot ist ganz deutlich der Stil Dahls zu erkennen, der sich durch teilweise aprubte Szenenwechsel, Vielschichtigkeit der handelnden Personen und Genauigkeit bei der Auflösung der Geschichte auszeichnet. Nach dem Mord an zwei Geschäftsleuten führt Dahl den Leser zunächst geschickt auf die falsche Fährt und nur langsam klärt sich das Bild. Eine entscheidende Rolle spielt ein Jazzstück namens "Misterioso". Selten bekam man ein Musikstück so plastisch beschrieben, wie in diesem Buch. Man glaubt, die Melodie wahrnehmen zu können. Und das ist literarisch sicher das Glanzstück dieses Titels. Aber auch die Beziehung zwischen Paul Hjelm und Kerstin ist toll abgehandelt und steckt voll knisternder Erotik.
Letztlich ist Misterioso aber vor allem eines: Ein hervorragend geschriebener, spannender und glaubhaft dargestellter Krimi. Wer sich für die Bücher aus der Krimireihe rund um Paul Hjelm interessiert, der sollte unbedingt mit "Misterioso" beginnen. Erfährt man doch hier mehr über die vielen Personen aus der A-Gruppe, was einem bei den später erschienenen Werken sehr weiterhilft. Till Hagen als Vorleser ist allererste Güte. Eine sympathische Stimme, die Spannung und Dramatik perfekt zum Hörer zu transportieren weiß. Eine Empfehlung und fünf Sterne!
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