"Sympathy for Mr. Vengeance" (wie der Film eigentlich heißt) ist mehr ein Arthaus-Film denn ein Thriller, mehr eine Tragödie denn ein Actionfilm. Nichtsdestotrotz ist er knallhart und blutig. Er ist keineswegs leicht zu verdauen und absolut nichts für Ungeduldige oder Menschen mit schwachen Nerven. Sehr ruhig, beinahe stumm kommt der Film daher. Fast genau so stumm wie seine eine Hauptfigur. Es sind Stimmungen, Töne und Bilder, die den Film ausmachen. Keine Wörter. Deswegen ist es auch nicht wichtig, dass man vielleicht nicht immer jede Wendung hundertprozentig nachvollziehen kann. Die Geschichte überzeugt auch so.
Es ist die Geschichte eines liebenden, aber naiven, taubstummen Bruders, der für seine schwer kranke Schwester verzweifelt eine Niere sucht (er fällt als Spender aus, weil er eine andere Blutgruppe hat). Da das Krankenhaus ihm keine Hoffnung macht, schnell genug ein passendes Organ zu finden, geht er zu mafiösen Organhändlern - und wird promt übers Ohr gehauen: Anstatt ihm eine passende Niere für seine Schwester zu besorgen - schneiden sie ihm eine von seinen eigenen heraus und nehmen ihm auch noch eine ganze Stange Geld ab. Plötzlich arm kann er die Niere, die inzwischen das Krankenhaus - wie durch ein Wunder - aufgetrieben hat, nicht mehr bezahlen. Seine (süße und antikapitalistische) Freundin bringt ihn deswegen dazu, die Tochter eines Industriellen zu kidnappen, um an Geld zu kommen. Es soll eine "gute" Entführung werden; der Kleinen soll nichts geschehen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse (sofern man bei der entschleunigten Geschwindigkeit des Films überhaupt von "überschlagen" reden kann), und der Vater des Kindes sowie der liebende Bruder stehen sich nach Rache dürstend gegenüber. Sie beide sind "Mr. Vengeance" (also Herr Rache) - und sie beide sind weit davon entfernt, als Günstlinge des Schicksals gelten zu können...
Geschichte und Film sind wirklich gut und anspruchsvoll. In keiner Weise zynisch oder selbstjustizverherrlichend. Den einen Punkt ziehe ich lediglich ab, weil ich nach einer halben Stunde einen Ausschaltimpuls bekämpfen musste (der Film ist an dieser Stelle recht zäh). Glücklicherweise habe ich ihm nicht nachgegeben - sonst hätte ich einen faszinierenden Film verpasst. Eine Empfehlung für den Einsamen in einer schlaflosen Nacht.