Ohne die Bereitschaft zu einer kleinen Zeitreise wird man diesem Streifen wohl nichts abgewinnen können. Fans des als wortkargem Cyborg berühmt gewordenen Österreichers werden eher irritiert sein, denn "Arnie" ist hier mehr ein ganz anderer Typ. Dem Regisseur ging es um die Thematisierung von Widersprüchen jenseits der Klischees und darum wie niederträchtig und destruktiv Menschen werden, wenn sie nicht bereit sind offen aufeinander zuzugehen. Jeff Bridges spielt einen verwöhntes Wohlstandskind, einen Südstaatler aus altem Adel, das nach dem Tod seiner Eltern versucht, ein eigenes Geschäft aufzubauen und mit einer dubiosen Gruppe von Geschäftsleuten in einen Immobiliendeal eingestiegen ist. Unerfahren wie er ist und daran gewöhnt alles was er anfasst mit der Neugier eines großen (und reichen) Kindes anzugehen, fühlen sich seine Partner bald verprellt, als er statt den Kauf eines heruntergewirtschafteten Bodybuilderstudios festzuklopfen beginnt, dort Freundschaften zu schließen und sich verliebt...
Vom äußeren Handlungsfaden her ist diese Story eine Entwicklunggeschichte, in der Arnold Schwarzenegger die Rolle eines lebensklugen Individualisten und Ausnahmecharakters spielt, den österreichischen "Mr. Universum"-Titelträger Joe Santos, eine charismatische Figur, die dem nach Sinn und Struktur suchenden jüngeren Blake (Jeff Bridges) Hilfestellungen und Orientierung gibt. Die von Sally Field gespielte Freundin Santos' wird zu Blakes Geliebter und der Muskelmann begleitet diese Entwicklung eher wie ein großer Bruder oder ein Guru, der für seine Freunde das für sie Beste im Auge hat und dabei bereit ist, zurückzutreten und allen zu erwartenden Rollenklischees aus dem Wege zu gehen.
Je mehr die Charaktere in diesem Film festgelegt sind, je sicherer die Menschen ihrer Urteile und Vorurteile zu sein scheinen, desto unsympatischer erscheinen sie. Der arrogante und blasierte Umgang der sogenannten besseren Kreise Blakes' mit dem vermeinlich primitiven Santos bei einer Upper-Class-Party, der sich dieser Behandlung mit stiller Würde entzieht (statt mit großer Rache, wie es Arnies Fans wohl erwarten würden) ist ein Plädoyer für die Freiheit, das Leben stets neu und mit offenen Augen zu betrachten. Ausgerechnet den späteren "Terminator" in einer Charakterrolle zu sehen, deren herausragenste Eigenschaft Achtsamkeit und Milde im Umgang mit sich und anderen ist, das ist die eigentliche Überraschung des Filmes, jedoch nicht die einzige... Regisseur Bob Rafaelson läßt die Handlung gegen Ende hin deutlich an Fahrt gewinnen und die einprägsamste Szene ist wohl die, in der 20 Bodybuilder in knappen Shorts und eingeölt aus dem Wettbewerb auf die Hauptstraße laufen und zwischen Passanten und Pkws ihre Posen einnehmen... Surreal und genial. Das ist Ironie und Filmkunst, wie sie dem späteren Megastar nie wieder derartig nahe kommen sollten. Zu erwähnen ist für die Kinofreaks auch noch, daß der spätere "Freddy Krueger"_Darsteller Robert Englund eine kleine Charakterrolle hat.
Weniger als ums Gewinnen - um jeden Preis - geht es darum, Lebendigkeit und Freiheit zu erhalten. Obwohl (wohl wegen einer Sequenz in der Drogen und Sex eine ungute Mischung abgeben und auch Vergewaltigung Thema wird) der Film mal keine Jugendfreigabe hatte (FSK 18!), ist das der friedlichste und sympatischste "Arnie" in diesem Streifen, den es je auf der Leinwand gab (der spätere Cyborg spielt sogar in zwei Szenen mit ein paar Einheimischen Bayoubewohnern zusammen Geige - ungedoubelt!) Ein Geheimtip für diejenigen, die das Unvorhersehbare dem Absehbaren vorziehen.