Die amerikanische Vorstadt-Adams-Family lässt grüßen. Die Mutter ist heimlich lesbisch, der Vater ist heimlich schwul ' beide, von schlechtem Gewissen geplagt, frönen ihrem Sexualtrieb mit gleichgeschlechtlichen Seitensprüngen. Die jüngere Tochter der beiden erweist sich als frühreif und hat, was Sex und Jungs angeht, jegliche Moral über Bord geschmissen. Die ältere Tochter, übergewichtig, naiv und dumm, lässt sich von einem dahergelaufenen Unbekannten schwängern. Und DAS in den 50igern! Eine Lösung muss her. So wird die lesbische Mutter zur Mutter des unehelichen Kindes, genannt Joan, und die wahre Mutter zur Schwester.
Joan wiederum scheint nicht ganz von dieser Welt zu sein und so gar nicht in dieses Familie zu passen. Es ist hochintelligent, spricht nicht und weiß als Einzige über alle im Haus Bescheid.
Wer erwartet hat, dass sich die Handlung hauptsächlich um das mysteriöse Verhalten der kleinen Joan dreht, der irrt. Jedem Familienmitglied wird Platz für seine Geschichte, Beweggründe und Gefühle gewährt. Das an verstörenden Momenten nicht gespart wird, schreckte mich zum Teil ab, ist jedoch zur Darstellung der einzelnen sonderbaren Charaktere von Nöten.
Mister Sandman ist ein skurriles Buch, dass eine Bandbreite von Menschen wohl nicht anspricht, für eine handvoll jedoch geeignet ist. Für solche Leser, die den oskarprämierten Film American Beauty gut fanden, da sich Parallelen zwischen den Charakteren im Buch wie im Film ziehen lassen.