Nein, ein Horrorroman ist das nicht. Fans des Genres müssen wohl noch darauf warten, dass der Meister wieder zu seinen Wurzeln zurückfindet. Macht aber eigentlich nichts. Denn das Buch macht Spaß. Es rockt.
Worum geht es?
Na, die übliche Liebesgeschichte. Bridget Jones. Hässliches Entchen trifft Traumprinzen, man liebt sich, man kracht sich und man versöhnt sich - beinahe. Die Geschichte geht wirklich nicht gut aus, für unsere hässliche Ente - Enterich - Erpel. (Keine Angst, hier wird nicht gespoilt - das Ende der Geschichte erfährt man bereits auf den ersten Seiten)
Dazu ist es auch eine ziemlich intelligente Reflexion über das Schreiben und das Lesen - über Literatur mithin. Doch vor allem ist es eine Liebesgeschichte.
Unser miserabler armer Mister B. wird tatsächlich in größter Bedrängnis von einem Ritter in strahlender Rüstung gerettet. Er kann sein Glück kaum glauben, als der ihn dann auf seine Reisen mitnimmt und beginnt bereits von Hochzeit zu träumen da ...
Das Unglück beginnt, als Mr. B. gerade ganz entspannt ein Bad nimmt. Plötzlich hetzt ihn sein Lover aus der Wanne und zwingt ihn, ihn zu einem wichtigen Meeting zu begleiten. Wie es so ist - auf dem Weg dahin kommt man sich in die Haare. Ein Wort jagt das andere, man wirft sich Dinge an den Kopf und trennt sich - für immer...
Kurz darauf nimmt Mr. B. die Fährte des verlorenen Freundes wieder auf. Klar. Den Traumprinz lässt man nicht so einfach ziehen.
Doch auch, wenn es einen kurzen Moment so aussieht, als ob sich alles noch einrenken würde - als Mr. B. in das wichtige Meeting hereinplatzt, kommt es zu einer Katastrophe. Doch mehr sei nicht verraten.
Ach so. Warum das Buch mehr ist als die übliche Lovestory?
Zuerst einmal: Es geht um Welthistorisches. Um Gut und Böse. Um Himmel und Hölle.
Ach ja. Und dann gibt es so ein paar unwesentliche Details, die bisher noch nicht erwähnt wurden.
Die Wanne beispielsweise in der Mister B. so arglos plantschte, als sich das Unheil über ihm zusammenbraute. Diese Wanne ...
Nun sie war nicht mit Wasser gefüllt.
Auch nicht mit reiner Stutenmilch.
Es war ein exquisiteres Bad.
Das Wort fängt mit B an...
Also, Clive B(!!!!)arker ist bekanntlich mit dem Film Hellraiser berühmt geworden, und den Büchern des Blutes. Worin badet dann einer wie Mr. B.?
Richtig. Dem Blut unschuldiger Kinder.
Bevor sich jemand darüber aufregt, sollt man Mr. B. zugute halten, dass er eine sehr schlimme Kindheit hatte. Die Hölle! Im wahrsten Sinne.
Mister B. wuchs als kleiner Dämon im neunten Kreis der Hölle auf - das prägt.
Es wird kräftig gesplattert in diesem kleinen Büchlein. Trotzdem, dem Charme des knuddeligen, tollpatschigen, romantischen und gelegentlich ziemlich sadistischen Pechvogels Mr. B. kann man sich nicht entziehen. Was auch daran liegt, dass man sich direkt von ihm angesprochen fühlt. Sehr direkt.
Der erzählerische Kniff ist nämlich, dass das Buch das man in Händen hält angeblich von einem Dämon besessen ist - unserem Mr. B. Der tut nun alles um uns - Dich - den Leser davon zu überzeugen, ihn von diesem Schicksal zu erlösen, indem Du das Buch verbrennen sollst - ohne es zu Ende zu lesen. Nun. Man weiß was mit Büchern passiert, die einem verboten werden.
Sie werden gelesen.