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5.0 von 5 Sternen
LeCarré hat sich neu erfunden, 21. April 2008
Das Ende des Kalten Krieges und der Untergang der Sowjetunion waren nicht nur für diverse Nationen und die Rüstungsindustrie von nachhaltiger Bedeutung, sondern auch ein ganzes Literaturgenre mit all seinen Autor, was von vielen gefeiert wurde, war für andere der mögliche Untergang des Spionageromans und seiner bedeutendsten Vertreter wie John le Carré. Und nach mehreren eher mittelmäßigen Romanen und Rückbesinnungsversuchen auf die goldenen Jahre schlägt er mit Mission Song einen neuen Weg ein, wobei man besonders betonen muss dass sich John le Carré als einer von wenigen Autoren nicht für einen Thriller über den Krieg gegen den Terrorismus hergegeben hat.
Der Top-Dolmetscher Bruno "Salvo" Salvador ist als Sohn eines irisch-französischen Missionars und einer Kongolesin im Kongo aufgewachsen, bis er nach dem Tod seines Vaters in ein englisches Waisenhaus abgeschoben wurde. Dort geschah was sein Leben von da an bestimmen sollte, denn Pater Michael erkannte den Jungen als Sprach-Genie und verschaffte ihm eine entsprechende Förderung, um zahlreiche weitere Sprachen und Diplome zu erwerben, deshalb ist Salvo in der Branche sehr gefragt und das haben nicht nur Konferenzleiter und Firmenbosse erkannt, sondern auch der Geheimdienst, für den er insgeheim als freier Mitarbeiter immer wieder als Übersetzer einspringt. Nebenbei arbeitet Salvo auch für einige Londoner Krankenhäuser, wo er die ebenfalls aus den Kongo stammende Diplomkrankenschwester Hannah kennen lernt.
Doch Salvo ist unglücklich verheiratet und erhält gerade auf einem Empfang für seine Frau, seinen bisher wichtigsten Geheimdienstauftrag, den er annimmt und sofort aufbricht. Neu eingekleidet, grundlegend eingewiesen wird er für einen "Fronteinsatz" eingespannt und soll als Brian Sinclair den Dolmetscher für ein anonymes Agrarsyndikat mimen. Umgehend wird er in den Kongo gebracht, wo er in einem sicheren Haus auf eine handvoll Männer, einen französischen Notar mit Spezialisierung auf Steuerrecht und einen mysteriösen "Vertrag" trifft, der die Situation im Kongo nachhaltig verbessern soll. Zum ersten Mal in seinem Leben beginnt Salvo ein eigenes Interesse am Inhalt der Gespräche zu entwickeln und so führt ihn seine gefährliche Heimatliebe dazu, auch in Aufzeichnungen hineinzuhören, die eigentlich unter Verschluss bleiben sollten...
Im Zentrum von Mission Song steht die bewegte Geschichte des Kongo und dient als Beispiel für die neokolonialen Ambitionen ehemaliger Großmächte wie Frankreich oder eben England. Der Spion Bruno Salvador ist dabei das ideale Beispiel für einen naiven Idealisten, der langsam erkennen muss, dass sich selbst hinter den Lichtgestalten der Entwicklungshilfe oft sehr zwielichtige Interessen stehen. Für einen Autor wie John le Carré versteht es sich dabei schon wie von selbst, dass dieses Werk auch gut recherchiert und mit einer aufschlussreichen Gewissensfrage ausstaffiert ist. In diesem Fall sind das Brunos persönliche Interessen und moralische Skrupel, die er sich in seinem Beruf nicht erlauben kann, denen er aus Liebe zur einstigen Heimat jedoch nachgibt.
Mission Song ist nur noch ansatzweise mit den klassischen Spionageromanen aus dem Kalten Krieg zu vergleichen und dennoch, es könnte als Beispiel dafür dienen dass auch John le Carré im 21. Jahrhundert noch eine feste Größe des Genres bleiben könnte. Zu bedenken gilt allerdings dass Mission Song aus der Sicht des Protagonisten dargestellt wird und daher in der Ich-Form verfasst wurde, was womöglich nicht jedermanns Sache ist. Wendungen über Wendungen sind es was die Spannung in Mission Song nie abreißen lässt, es gibt immer wieder etwas zu entdecken. Die Charaktere selbst tragen noch zu dieser Atmosphäre bei, sind sie doch schwer berechenbar und fern jeglicher Klischees vielleicht sogar mit einer psychologischen Tiefe ausgestattet, die man sonst nur selten findet, wobei sie sich freilich nur schwer in die Karten schauen lassen.
Fazit:
Mission Song ist ein Meisterwerk und das nicht nur weil es von einem "Meister des Spionageromans" geschaffen wurde, sondern schlichtweg weil es dank seines wendungsreichen Plots, seiner spannenden und gut recherchierten Geschichte, sowie gut gezeichneter Charaktere völlig ohne Hollywood-Action auskommt und gehaltvolle Unterhaltung verspricht.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Meisterstück!, 26. Dezember 2008
In "The Constant Gardener" schickte le Carré seinen Protagonisten nach Kenia, in "The Mission Song" ist Ich-Erzähler Salvo eine identitätsverlorene Mixtur zwischen Kongo und England. Salvo ist ein schillerndes Chamäleon: Als Top-Übersetzer zentralafrikanischer Sprachen ahmt Salvo jede Persönlichkeit eines Sprechers nach. Er hat jede und keine Identität aufgrund seiner eigenen Heimatlosigkeit; selbst in seiner Ehe findet er keinen Halt. Als er schließlich die kongolesische Krankenschwester Hannah kennenlernt mit ihrem überzeugten Patriotismus, so lässt er sich unter ihrem Einfluss zu Handlungen hinreissen, die ihm als neutralem Übersetzer nicht zustehen: Bei einer hochgeheimen Absprache zu politisch-militärischen Veränderungen im Kongo nimmt der sonst so wankelmütige Salvo nun die selbst die Zügel in seine naiven Hände...
Mit "The Mission Song" hat le Carré einen weiteren Coup gelandet. Kaum ein europäischer Autor versteht es so meisterhaft, das schwarze Afrika zum Leben zu erwecken. Primitive menschliche Gier ist Motivation für Schwarz und Weiß, das rohstoffreiche Kivu mit allen Mitteln an sich zu reißen, und le Carré entlarvt gutmenschelnde Weltverbesserer mit ihren Euphemismen als egoistische Söldner. Die Handlung erreicht in der Mitte des Romans ihren Höhepunkt mit dem Geheimtreffen der europäischen und kongolesischen Interessensvertreter - Folterung renitenter Teilnehmer in der Kaffeepause inklusive!
Mit Salvo hat der Autor Mut (und Meisterschaft) bewiesen, denn Salvo ist alles andere als ein stabiler Charakter, sondern ein Chamäleon von angedeuteten Identitäten, und dennoch reißt der Roman mit, denn le Carré hat diesem wankelmütigen Wendehals ein geniales rhetorisches Repertoire mitgegeben. Salvos Erzählstimme ist mitreißend, klug, witzig, böse, brillant, entlarvend - eine Meisterleistung!
Hut ab. 5 Sterne.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Not for me, 15. Dezember 2007
John Le Carre has always been a good teller of stories. This one is one too many, I think. Salvo, the main character, the son of an Irish missionary and a Congolese headman's daughter, is a professional interpreter of minority African languages. He lives in London, married to the upper class (at least that's what Penelope, his wife, sounds like) and does interpreting work for corporations, hospitals and other institutions and the occasional job for Her Majesty's Secret Service. On one of these jobs Salvo is loaned to attend a top secret meeting on some North Sea Island to interpret between some Western financiers and Congolese Warlords, which he duly does. During one of his `listening-in jobs', he steals a bunch of tapes, which reveal the whole transaction. I could have stopped reading at that point because the end of the story became rather obvious. Salvo rediscovers his African roots and also figures that the proposed deal is not about helping `his' Congolese people but about making money. He sets out to stop the transaction, first via confronting one of its figureheads, and when that doesn't work by handing it all over to the press. Not surprisingly, his former employees are not terribly amused by all this, but do manage to pick him up and kick him out of Britain. As I said I thought it all rather predictable and there wasn't much of a story.
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