Der frisch gebackene bulgarische Botschafter, Varadin Dimitrov, trifft zwei Tage zu früh in der Londoner Botschaft ein, wo er eine Balkan-Fassung von Sodom und Gomorrha vorfindet: Sein Koch steckt in irgendwelchen dubiosen Geschäften mit der Russen Mafia, die junge Botschafts-Putzfrau, angeblich eine Bulgarische Studentin, ist Stripperin, und der Bürgermeister von Provadija steht mit seinem Prachtkörper unter der Dusche, weil man ihn nicht woanders unterbringen konnte. Kein guter Start für den Botschafter, der sich anschickt, den Sauhaufen aufzuräumen.
Damit hat er sich viel vorgenommen, denn hinter seinem Rücken gehen merkwürdige Dinge im Keller der Botschaftsküche vor sich. So hat der Koch, Kosta Banicarov, 40 Enten in der Tiefkühltruhe der Botschaftsküche liegen, die einer seiner Mafia-Freunde aus dem Hyde-Park entwendet hat. Die sollen nun schleunigst meistbietend an ein Chinarestaurant verscherbelt werden. Leider muss Kosta jedoch feststellen, dass die Parkleitung die armen Dinger mit einem Sender versehen hat, was den MI6 auf den Plan ruft, der sich prompt auf die Suche nach den Enten-Kidnappern macht. Die Missverständnisse, die sich allein aus dieser Situation ergeben sind, einfach nur zum schreien. Überhaupt musste ich in der ersten Hälfte dieses Buchs ständig lachen.
Sprachlich ist dieser Roman wie Honig für die literarische Seite meines Gehirns. Wo mache Autoren sich mit dem Krummsäbel durch den Wortdschungel hacken, benutzt der Bulgare Alek Popov, ein Skalpell. An jedem Satz wurde so lange mit Schmirgelpapier und Politur gearbeitet, bis er sitzt. Dabei ist das Ganze mit viel Wortwitz, sehr akkurat, und doch von leichter Hand geschrieben, dass es einfach nur eine Freude ist, dem zynischen Humor des Autors bis zum Ende zu folgen.
Im letzten Drittel wandelt sich dann allerdings dieser Wortwitz verstärkt in Albernheit und der feine Humor in Klamauk. Mir persönlich waren es am Ende zu viele Doppelgänger, und eine in sich arg verquirlte Story, wie z.B. die von Katja, der Putzfrau, die erst strippt, sich dann als Lady Di Double durchschlägt, und sich zum Schluss als Esmeralda Corazon Revolutionären in der Nähe des Ungaja-Flusses anschließt. Auf den letzten Metern hat mir der Autor ein bisschen zu dick aufgetragen '- zu viel von allem -' das hat der Geschichte in meinen Augen nicht gut getan.
Dafür ziehe ich allerdings nur einen Stern ab, denn in den wunderbaren Formulierungen, die Alek Popov in den ersten beiden Dritteln seines Romans benutzt hat, werde ich noch eine Zeitlang schwelgen.
Das war Literatur vom Feinsten, die sollte man wirklich gelesen haben.