Aus der Amazon.de-Redaktion
Sein Buch Disarming Iraq ist auf Deutsch unter dem treffenden Titel Mission Irak. Wahrheit und Lügen erschienen. Frei vom Zwang diplomatischer Rücksichtnahmen lässt der schwedische Ex-Außenminister hier noch einmal die Ereignisse vor dem Krieg Revue passieren. Und liefert eine mögliche Erklärung für den sichtlich aufgesetzten Ernst und das mühsam unterdrückte Grinsen, mit denen George W. Bush und Donald Rumsfeld vor und während des Krieges vor die Kameras zu treten pflegten. Es war der Spaß, alle Welt an der Nase herumzuführen.
Die Risiken um der politischen Unterstützung wegen bewusst übertrieben zu haben, findet Blix allerdings alles andere als komisch: "Man weiß es und geht davon aus, dass Regierungen komplexe internationale Probleme vereinfachen müssen, um sie ihrem Publikum in demokratisch verfassten Staaten zu erklären. Aber Regierungen handeln nicht mit irgendeiner Ware, sondern übernehmen die politische Führung, und man sollte von ihnen ein gewisses Maß an Aufrichtigkeit fordern können, wenn sie ihre Verantwortung für Krieg und Frieden in der Welt wahrnehmen." Solche Kritik sowie sein Unverständnis, warum dubiosen Überläufern mehr Glauben geschenkt wurde als unabhängigen Inspektoren, richten sich auch an die Adresse der Briten.
Blix sieht den irakischen Diktator als Ersatzopfer für den entfleuchten Osama bin Laden. Er bezweifelt, dass sein Sturz schon vor dem 11. September 2001 auf der Agenda stand und zitiert in diesem Zusammenhang Dick Cheney fünf Tage nach den Terroranschlägen: "Saddam Hussein ist eingemacht." Uneingeschränkt teilt der Schwede die damalige Einschätzung von Colin Powell: "Ich glaube, unsere Politik der Eingrenzung war ein Erfolg. Wir konnten ihn in der Kiste halten." Heute offenbart sich, dass die von den Amerikanern bei aller Konzilianz gering geschätzte Arbeit von IAEO, UNMOVIC und zuvor UNSCOM im Verein mit militärischem, politischem und wirtschaftlichem Druck ein voller Erfolg waren. Blix: "Die Vereinten Nationen und mit ihnen die Welt hatten den Irak entwaffnet, ohne es selbst zu wissen." Unbedingt lesenswert, auch wenn dem Buch in Stil, Aufbau und Übersetzung der enorme Zeitdruck vor dem international abgestimmten Erscheinungstermin zum Jahrestag der Irak-Invasion anzumerken ist. --Roland Detsch
Rheinischer Merkur, 18.03.2004
Ruhr Nachrichten, 03.07.2004
Kurzbeschreibung
Über den Irak-Krieg ist viel spekuliert worden: Welche Ziele haben Präsident Bush und die US-Regierung in Wahrheit verfolgt? Welche Motive waren ausschlaggebend für sie, die Welt in ein militärisches Abenteuer mit unabsehbaren Folgen zu stürzen?
Als Chef der UN-Waffenkontrolleure stand Hans Blix unmittelbar im Zentrum des Geschehens. Gestützt auf Kenntnisse und Informationen, die nur ein Insider von den Ereignissen haben kann, entlarvt er jetzt Schritt für Schritt die gezielten Lügen und Halbwahrheiten der Kriegsallianz und deckt auf, wie die Welt getäuscht wurde.
Klappentext
In seiner brillanten Analyse des Irak-Konflikts stellt Blix nicht nur unbequeme Fragen, sondern er zeigt, wie vor den Augen der Weltöffentlichkeit ein großangelegtes Propagandamanöver inszeniert wurde. Die Behauptungen der Amerikaner, der Irak verfüge über Massenvernichtungswaffen, bezeichnet er als "die Mutter aller Fehlurteile" über 90 Prozent der Waffen im Irak wurden bereits 1991 zerstört. Die behauptete "Bedrohung des Weltfriedens" durch den Irak war eine reine Zwecklüge.
Blix berichtet über die Geschehnisse hinter den Kulissen der Weltpolitik. Wenn er seine Erlebnisse mit George W. Bush, Tony Blair, Jacques Chirac, Joschka Fischer, Condoleezza Rice, Colin Powell und anderen maßgeblichen Akteuren schildert, werden die Frustrationen und Spannungen deutlich, die im Vorfeld des Irak-Kriegs das Tauziehen der internationalen Politik bestimmten. Zugleich liefert der Mann aus Schweden eine detaillierte und spannende Chronik der Aktivitäten seines Teams. Hans Blix beschreibt die Hindernisse und Unwägbarkeiten, mit denen die Inspektoren konfrontiert waren, und er berichtet von den Risiken, die die Inspektionen mit sich brachten.
Dem Rückblick folgt ein Ausblick: Mit der für ihn so typischen "Stimme der Vernunft" entwirft Hans Blix ein Modell, wie ähnliche Konflikte in Zukunft gelöst werden müssen. E zeigt auf, welche Möglichkeiten es gibt, die Verbreitung und den Einsatz von Massenvernichtungswaffen wirksam zu unterbinden.