Zugegeben: Michael Giacchinos Soundtrack zum dritten "Mission: Impossible" Teil ist nicht ganz so gut gelungen. Dafür fehlt es an Variationen und einer eigenen Marke, aber das kann auch sehr gut am Film liegen, dem es an beidem leider ebenso mangelt. So wie der ganze Film einen ernsten, teils düsteren Stil hat, kommt auch die Musik daher.
Der nun vierte Film aus der Reihe, "Ghost Protocol", ist da anders und gefällt vor allem dank einer guten Prise Humor und Selbstironie, fällt aber auch sonst tempo- und abwechslungsreicher aus. Nun mag man darüber staunen, dass es derneut Giacchino ist, der hier die Musikuntermalung geschrieben hat, aber wer ihn kennt darf zurecht erwartungsvoll an sein aktuelles Werk herangehen - denn wenn Giacchino eins kann, dann auf völlig unterschiedliche Weise tolle Melodien zu komponieren. Wer seine diversen Soundtracks miteinander vergleicht, mag womöglich irgendwann kaum glauben, dass sie von ein und demselben Mann komponiert wurden.
Und genau so fällt auch diese CD aus: Zu Beginn des Soundtracks hören wir einen sehr klassischen Giacchino. Das ist was von "Lost" dabei und auch vom dritten M:I-Score. Das bekannte "Mission: Impossible"-Hauptthema fällt diesmal spürbar langsamer aus, was aber gar nicht stört, denn es steht ja einfach für sich. Giacchinos Version finde ich diesmal recht elegant und sie passt gut zum Gesamtbild des Films (Track 2). Auch in weiteren Tracks auf der CD lässt er immer wieder das bekannte Thema einfließen. Interessant wird es, wenn er schließlich russische Klänge einbaut und hier klassischerweise einen Chor sehr präsent einsetzt (Track 5). Während das im Film selbst sofort die perfekte Stimmung aufbaut, kann die Musik auch sehr gut nur für sich stehen. Es macht ordentlich Spaß mitanzuhören, wie Giacchino sehr gekonnt zwischen langsamer, angespannter Musik, dem klassischen Hauptthema, dem genannten russischen Touch und dann widerrum sehr flotter Musik in einem einzigen Stück wechselt! (Track 6)
Zur Mitte hin wirds dann etwas arabischer, schließlich wechselt hier auch der Schauplatz des Films nach Dubai. Und einmal mehr schafft es Giacchinos Musik sofort die entsprechende Stimmung aufkommen zu lassen (Track 10 - eines der Highlights auf der CD!). Track 14 ist dann schließlich das Musikstück, bei dem ich mir im Kino dachte: "Den Soundtrack musst du kaufen!" Leider nimmt der Track erst ab der Mitte so richtig Fahrt auf, was bei Amazon in der Hörprobe deshalb nicht zu hören ist. Der Track geht einher mit Nr. 15, in beiden hat Giacchino sehr ähnliche Elemente eingebaut. Beide Tracks sind meiner Meinung nach wieder echte Highlights und es fasziniert mich jedes Mal aufs Neue, wie Giacchino hier die unterschiedlichen Instrumente des Orchesters einsetzt, um Tempo und Anspannung zugleich zu erzeugen.
Ab Track 17 wechselt die Location nach Indien und genau hier zeigt Giacchino einmal mehr, wie unterschiedlich er klingen kann. Dieser Track hat klanglich mit den orchestralen Stücken zuvor eigentlich gar nichts zu tun, es geht wesentlich elektronischer und basslastiger zu. Trotzdem ein überragendes Stück, meiner Meinung nach. In den anschließenden Tracks macht Giacchino dann dem Orchester wieder Feuer unter'm Hintern und legt stimmungsvoll an Tempo zu, bis wir mit Lied Nr. 21 nicht nur ein sehr schönes Liebesthema zu hören bekommen, es ist auch ein alter Bekannter aus dem Soundtrack zum dritten M:I-Teil.
Noch am Premierentag von "Mission Impossible: Ghost Protocol" habe ich mir den Soundtrack gekauft und seit nun knapp einem Monat rotiert die CD in meinem Autoradio. Michael Giacchinos Werk ist derart abwechlsungsreich und zugleich gefüllt mit prägnanten Stücken, die wirklich was Eigenes aufweisen, dass man viele Stücke immer wieder hören möchte. Wenn es nach mir geht, liefert er hier eine seiner besten Arbeiten ab.
Wer Michael Giacchino mag, muss eigentlich sofort zugreifen. Alle anderen sollten zumindest mal meine gesondert erwähnten Tracks der CD länger als nur über die Amazon-Hörprobe anhören - und spätestens dann sowieso kaufen ;)