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Miss Wyoming
 
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Miss Wyoming [Gebundene Ausgabe]

Douglas Coupland
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Kurz nach seinem Tod hat der B-Movie-Produzent John Johnson eine Vision, die sein Leben verändern wird. Im Rausch einer Überdosis hört er im Medical Center von Beverly Hills die blendend weiße Stimme des Werbestars Susan Colgate, die vor ihrer drittklassigen TV-Karriere einmal Miss Wyoming gewesen ist. Nach seiner Wiederbelebung verkauft Johnson alles, was er besitzt, und streift als Penner durch Hollywood.

Wer klinisch schon einmal gestorben ist, hat die besten Voraussetzungen, um noch einmal ganz von vorne anzufangen. Fans des kalifornischen Kult-Autors Douglas Coupland wissen das -- spätestens seit dem Roman Girlfriend in a Coma, in dem die Heldin Kate nach 17 Jahren Dämmerzustand in einer beschleunigten Zukunft erwachte. Auch Johnson versucht, nach seinem Abgleiten in den Drogenwahnsinn aus seiner Hollywood-Existenz auszubrechen. Aber als er auf der Natursteinveranda des Nobelrestaurants "Ivy" plötzlich Susan gegenübersteht, die selbst nur knapp einer Flugzeugkatastrophe entronnen ist und seitdem ein neues Leben zu führen sucht, muss er gestehen, dass seine Erleuchtung im Krankenhaus damals nichts als der kitschige Drehbucheinfall eines mediokren Schreiberlings gewesen ist: keine "mystische Vision in Dolby-THX", sondern "irgendeine alte Folge dieser Serie, in der Sie mitgespielt haben," und die zufällig im Fernseher des Krankenzimmers lief.

Dies alles erzählt Coupland mit jener stilistisch raffinierten Oberflächlichkeit, die sein Stoff ihm abverlangt. Beizeiten glaubt man, sich wirklich in eben jener Soap Opera wiederzufinden, die die Protagonisten für ihr wahres Leben halten. Aber dann erzählt Coupland auch von der Suche Johns und Susans nach der wahren Liebe. Es ist eine Suche, die beiden Abgestürzten wieder Hoffnung gibt: Ein neuer Coupland-Ton, trashig und très chic zugleich. Unbedingt lesen. --Thomas Köster

Neue Zürcher Zeitung

Cocktail ohne Extras

Douglas Coupland und sein Roman «Miss Wyoming»

Was zeichnet die erfolgreiche nordamerikanische Literatur der Moderne aus? Im Mittelpunkt stehen meist Figuren, die sich selbst kreieren, aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen und mit Gefühlen ihre Handlungen rechtfertigen. Das Individuum, ein mit sich, anderen und seinem Land unzufriedenes Wesen, hat am Ende sich, andere und das Land besiegt – selten aber bevor eine spirituelle Krise durchlitten wurde und alte Ideale entmystifiziert sind. Imponierend ist, wie gut die Literaten Soziolekte imitieren, wie sie die Sprache rhythmisieren und gewöhnliche Rede in Poesie verwandeln. Die Themen, die der Held transportiert, sind beschränkt. Entwurzelung, Einsamkeit, Identitätssuche, Gewalt, Drogen, Bedrohung durch Technik oder Verrückte – welcher Autor Nordamerikas hat sich in diesem Arsenal nicht bedient? Hinzu kommt manch Extremes und Skurriles (in der Regel mit lokalem oder regionalem Flair), ausserdem humorvolle Kritik an Populärkultur, Konsum und Medien. Verpackt ist derlei schliesslich gern in eine Story, die zwischen Realität und ihrer Parodie changiert.

Was wie ein Programm für einen Kurs im kreativen Schreiben klingt, bedarf jedoch noch eines erfindungsreichen Geistes, der seine persönlichen Anliegen als allgemeine deklariert. Damit das gesamte Œuvre Anklang findet, muss der Autor ferner ein stetes Interesse als ein wechselndes verkaufen. Nennen wir all dies den Erfolgscocktail – dem stets ein frappierender Grundgedanke beizumischen ist. Einer, der Gefahr lief, dem fulminanten Début kein Konglomerat prickelnder Art folgen zu lassen, ist der Kanadier Douglas Coupland, Jahrgang 1961. Seinem Roman «Generation X» (dt. 1994) schloss sich erst mit dem vierten Prosawerk, «Mikrosklaven» (1996), ein Opus an, das die Stärken des ersten Wurfs mit einem guten Einfall verband – der lebensnahen Darstellung von Computerfreaks auf Sinnsuche.

Als Stärken Couplands erwiesen sich: die knappen und treffenden Wortfolgen, mit denen Menschen, Milieus oder Alltagsdinge charakterisiert werden; das eindringliche Beschreiben eines fragilen Miteinanders, das durch Krankheit, Tod, Glück oder Gewinn bedroht ist; das sympathisierende Ausstellen von Orientierungslosigkeit; und das Erkennen sowie Benennen der Schönheit, die vielen Untergängen anhaftet. Zur frischen Idee in «Generation X», dessen McJob-Welt der Dreissigjährigen erschreckte und ernüchterte, gesellten sich mit «Shampoo Planet» (1994) und «Life after God» (1995) recht matte Alltagskultur-Kollektionen. Das gilt im Ganzen auch für «Amerikanische Polaroids» (1998), weniger jedoch für «Girlfriend in a Coma» (auf Deutsch unter demselben Titel, 1999). Dessen erzählerischer Kunstgriff ist clever: Die 18 Jahre anhaltende Bewusstlosigkeit einer jungen Frau wird mitunter zum Trampolin, das dem Schriftsteller faszinierende Sprünge ins Metaphysische ermöglicht.

Vor allem der Mangel eines zündenden Funkens ist es wiederum, der Couplands jüngsten auf Deutsch erschienenen Roman in die Reihe seiner schwächeren Publikationen stellt und die Ingredienzen des Erfolgscocktails, der erneut fachmännisch komponiert ist, umso erkennbarer macht. Es geht in «Miss Wyoming», das überwiegend im heutigen Hollywood spielt, um die 28-jährige Susan Colgate, die als junges Mädchen Schönheitswettbewerbe gewann, dann zeitweilig Star einer Fernsehserie war, bevor sie im Niemandsland der halbwegs Bekannten strandete. Susan, die als Einzige unversehrt einen Flugzeugabsturz überlebte, begegnet John Johnson, 37, einem abgehalfterten Produzenten, der eine Zeit lang, vom Leben frustriert, als Penner durch die Strassen lief. Wird Susan der charmanten Dekadenz Johns erliegen? Wir verraten es nicht und verweisen lieber auf weitere Mängel des Textes.

Zum Beispiel das Widersprüchliche, das nicht gewollt sein kann. So ist davon die Rede, wie vor der Protagonistin «drei Schlafzimmer und zwei Bäder von bedrückender Enge» liegen, bevor es kurz darauf heisst: «Das Badezimmer war gross und sauber.» Oder hat hier und andernorts die sonst verlässliche Übersetzerin Tina Hohl gepatzt? Oder das Lektorat? Dem jedenfalls müssen die klischeehaften Randfiguren auch sauer aufgestossen sein, etwa die krankhaft ehrgeizige Mutter, der schwule Musiker, die superschlaue EDV-Expertin, die sonderbare Wahrsagerin und der coole Videofreak mit dem Drehbuch in der Schublade. Aber da hätten editorische Handgriffe wenig ändern können – anders als bei den Geschmacklosigkeiten, die Coupland, der einst sicher auf dem Grat zwischen Trash und Witz wandelte, in «Miss Wyoming» zu Papier bringt. Wer findet es etwa gelungen, wenn der Autor über die Absturzstelle eines Jets schreibt: «Ohne die überall verstreuten Leichen und aufgeplatzten Gepäckstücke ähnelten die Flugzeugtrümmer öffentlichen Skulpturen auf den Plätzen zu Füssen der Bankenhochhäuser in Manhattan.»

Fast so lange, wie es die Traumfabrik in Kalifornien gibt, ist sie auch Gegenstand von Persiflagen und – meist zu freundlicher – Kritik. Elisabeth Bronfens Analyseband «Heimweh: Illusionsspiele in Hollywood» (1999) ist ein jüngeres Exempel für den gelungenen Umgang mit der Filmbranche, da das Geschehen in den Studios ernst genommen wird. Couplands Buch hingegen misslingt nicht zuletzt, weil es die Sphäre der Sterne und Sternchen nicht genug überzeichnet, um als Satire gelten zu können.

Thomas Leuchtenmüller

Kurzbeschreibung

Douglas Coupland ("Generation X") führt in seinem neuen Roman durch die Hollywood-Welt, die flach und schön wie ein Werbeposter ist. Vor dieser Pop-Kulisse begegnen sich zwei Menschen auf der Suche nach dem wahren Leben und der großen Liebe.

"Miss Wyoming", Douglas Couplands neuestes Buch, ist ein Hollywood-Roman. Das Setting: die schöne neue Welt Kaliforniens, ein ewig sonniges Hier-und-Jetzt mit den trashigen Zügen einer postapokalyptischen Zukunft. Medien- und Schönheitsindustrie sind allgegenwärtig. Die Natürlichen und die Menschlichen, das sind die halbprominenten Sternchen der Hollywood-Massenmaschinerie. Sie glauben noch - an Gefühle und vor allem: an das Schicksal. Auch wenn die sie umgebende Postkartenwelt aus Pool-Partys, McDonald's, Kentucky Fried Chicken und Seifenopern allenfalls dessen Verkleinerungsform zu bieten hat: den Zufall. John Johnson, ein ehemaliger B-Movie-Star, wird durch eine Nahtoderfahrung zu einem neuen Menschen. Auch Susan Colgate, eine frühere Schönheitskönigin, küsst den Tod, als sie als Einzige einen Flugzeugabsturz überlebt. Beide nehmen die Ereignisse zum Anlass, ihr Leben zu ändern. Nach einem Jahr als Tramp in einer Landschaft, die zu schön scheint, um darin sterben zu können, wagen beide einen Besuch im alten Leben und begegnen sich zufällig eines Nachmittags auf der idyllischen Terrasse des "Ivy", eines einschlägigen Hollywoodlokals. Es ist ein Moment spontanen Erkennens und der Verheißung der großen Liebe. Am nächsten Tag ist Susan spurlos verschwunden...

Über den Autor

Douglas Coupland, geboren 1961, brachte mit seinem ersten Roman "Generation X" (1994) das Lebensgefühl einer ganzen Generation auf einen Nenner. Im Hoffmann und Campe Verlag erschienen von ihm bisher "Mikrosklaven" (1996), "Amerikanische Polaroids" (1998) und "Girlfriend in a Coma" (1999).
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