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Miss Wyoming
 
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Miss Wyoming [Gebundene Ausgabe]

Douglas Coupland
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 335 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (März 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455011756
  • ISBN-13: 978-3455011753
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,6 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 822.627 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Kurz nach seinem Tod hat der B-Movie-Produzent John Johnson eine Vision, die sein Leben verändern wird. Im Rausch einer Überdosis hört er im Medical Center von Beverly Hills die blendend weiße Stimme des Werbestars Susan Colgate, die vor ihrer drittklassigen TV-Karriere einmal Miss Wyoming gewesen ist. Nach seiner Wiederbelebung verkauft Johnson alles, was er besitzt, und streift als Penner durch Hollywood.

Wer klinisch schon einmal gestorben ist, hat die besten Voraussetzungen, um noch einmal ganz von vorne anzufangen. Fans des kalifornischen Kult-Autors Douglas Coupland wissen das -- spätestens seit dem Roman Girlfriend in a Coma, in dem die Heldin Kate nach 17 Jahren Dämmerzustand in einer beschleunigten Zukunft erwachte. Auch Johnson versucht, nach seinem Abgleiten in den Drogenwahnsinn aus seiner Hollywood-Existenz auszubrechen. Aber als er auf der Natursteinveranda des Nobelrestaurants "Ivy" plötzlich Susan gegenübersteht, die selbst nur knapp einer Flugzeugkatastrophe entronnen ist und seitdem ein neues Leben zu führen sucht, muss er gestehen, dass seine Erleuchtung im Krankenhaus damals nichts als der kitschige Drehbucheinfall eines mediokren Schreiberlings gewesen ist: keine "mystische Vision in Dolby-THX", sondern "irgendeine alte Folge dieser Serie, in der Sie mitgespielt haben," und die zufällig im Fernseher des Krankenzimmers lief.

Dies alles erzählt Coupland mit jener stilistisch raffinierten Oberflächlichkeit, die sein Stoff ihm abverlangt. Beizeiten glaubt man, sich wirklich in eben jener Soap Opera wiederzufinden, die die Protagonisten für ihr wahres Leben halten. Aber dann erzählt Coupland auch von der Suche Johns und Susans nach der wahren Liebe. Es ist eine Suche, die beiden Abgestürzten wieder Hoffnung gibt: Ein neuer Coupland-Ton, trashig und très chic zugleich. Unbedingt lesen. --Thomas Köster

Neue Zürcher Zeitung

Cocktail ohne Extras

Douglas Coupland und sein Roman «Miss Wyoming»

Was zeichnet die erfolgreiche nordamerikanische Literatur der Moderne aus? Im Mittelpunkt stehen meist Figuren, die sich selbst kreieren, aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen und mit Gefühlen ihre Handlungen rechtfertigen. Das Individuum, ein mit sich, anderen und seinem Land unzufriedenes Wesen, hat am Ende sich, andere und das Land besiegt – selten aber bevor eine spirituelle Krise durchlitten wurde und alte Ideale entmystifiziert sind. Imponierend ist, wie gut die Literaten Soziolekte imitieren, wie sie die Sprache rhythmisieren und gewöhnliche Rede in Poesie verwandeln. Die Themen, die der Held transportiert, sind beschränkt. Entwurzelung, Einsamkeit, Identitätssuche, Gewalt, Drogen, Bedrohung durch Technik oder Verrückte – welcher Autor Nordamerikas hat sich in diesem Arsenal nicht bedient? Hinzu kommt manch Extremes und Skurriles (in der Regel mit lokalem oder regionalem Flair), ausserdem humorvolle Kritik an Populärkultur, Konsum und Medien. Verpackt ist derlei schliesslich gern in eine Story, die zwischen Realität und ihrer Parodie changiert.

Was wie ein Programm für einen Kurs im kreativen Schreiben klingt, bedarf jedoch noch eines erfindungsreichen Geistes, der seine persönlichen Anliegen als allgemeine deklariert. Damit das gesamte Œuvre Anklang findet, muss der Autor ferner ein stetes Interesse als ein wechselndes verkaufen. Nennen wir all dies den Erfolgscocktail – dem stets ein frappierender Grundgedanke beizumischen ist. Einer, der Gefahr lief, dem fulminanten Début kein Konglomerat prickelnder Art folgen zu lassen, ist der Kanadier Douglas Coupland, Jahrgang 1961. Seinem Roman «Generation X» (dt. 1994) schloss sich erst mit dem vierten Prosawerk, «Mikrosklaven» (1996), ein Opus an, das die Stärken des ersten Wurfs mit einem guten Einfall verband – der lebensnahen Darstellung von Computerfreaks auf Sinnsuche.

Als Stärken Couplands erwiesen sich: die knappen und treffenden Wortfolgen, mit denen Menschen, Milieus oder Alltagsdinge charakterisiert werden; das eindringliche Beschreiben eines fragilen Miteinanders, das durch Krankheit, Tod, Glück oder Gewinn bedroht ist; das sympathisierende Ausstellen von Orientierungslosigkeit; und das Erkennen sowie Benennen der Schönheit, die vielen Untergängen anhaftet. Zur frischen Idee in «Generation X», dessen McJob-Welt der Dreissigjährigen erschreckte und ernüchterte, gesellten sich mit «Shampoo Planet» (1994) und «Life after God» (1995) recht matte Alltagskultur-Kollektionen. Das gilt im Ganzen auch für «Amerikanische Polaroids» (1998), weniger jedoch für «Girlfriend in a Coma» (auf Deutsch unter demselben Titel, 1999). Dessen erzählerischer Kunstgriff ist clever: Die 18 Jahre anhaltende Bewusstlosigkeit einer jungen Frau wird mitunter zum Trampolin, das dem Schriftsteller faszinierende Sprünge ins Metaphysische ermöglicht.

Vor allem der Mangel eines zündenden Funkens ist es wiederum, der Couplands jüngsten auf Deutsch erschienenen Roman in die Reihe seiner schwächeren Publikationen stellt und die Ingredienzen des Erfolgscocktails, der erneut fachmännisch komponiert ist, umso erkennbarer macht. Es geht in «Miss Wyoming», das überwiegend im heutigen Hollywood spielt, um die 28-jährige Susan Colgate, die als junges Mädchen Schönheitswettbewerbe gewann, dann zeitweilig Star einer Fernsehserie war, bevor sie im Niemandsland der halbwegs Bekannten strandete. Susan, die als Einzige unversehrt einen Flugzeugabsturz überlebte, begegnet John Johnson, 37, einem abgehalfterten Produzenten, der eine Zeit lang, vom Leben frustriert, als Penner durch die Strassen lief. Wird Susan der charmanten Dekadenz Johns erliegen? Wir verraten es nicht und verweisen lieber auf weitere Mängel des Textes.

Zum Beispiel das Widersprüchliche, das nicht gewollt sein kann. So ist davon die Rede, wie vor der Protagonistin «drei Schlafzimmer und zwei Bäder von bedrückender Enge» liegen, bevor es kurz darauf heisst: «Das Badezimmer war gross und sauber.» Oder hat hier und andernorts die sonst verlässliche Übersetzerin Tina Hohl gepatzt? Oder das Lektorat? Dem jedenfalls müssen die klischeehaften Randfiguren auch sauer aufgestossen sein, etwa die krankhaft ehrgeizige Mutter, der schwule Musiker, die superschlaue EDV-Expertin, die sonderbare Wahrsagerin und der coole Videofreak mit dem Drehbuch in der Schublade. Aber da hätten editorische Handgriffe wenig ändern können – anders als bei den Geschmacklosigkeiten, die Coupland, der einst sicher auf dem Grat zwischen Trash und Witz wandelte, in «Miss Wyoming» zu Papier bringt. Wer findet es etwa gelungen, wenn der Autor über die Absturzstelle eines Jets schreibt: «Ohne die überall verstreuten Leichen und aufgeplatzten Gepäckstücke ähnelten die Flugzeugtrümmer öffentlichen Skulpturen auf den Plätzen zu Füssen der Bankenhochhäuser in Manhattan.»

Fast so lange, wie es die Traumfabrik in Kalifornien gibt, ist sie auch Gegenstand von Persiflagen und – meist zu freundlicher – Kritik. Elisabeth Bronfens Analyseband «Heimweh: Illusionsspiele in Hollywood» (1999) ist ein jüngeres Exempel für den gelungenen Umgang mit der Filmbranche, da das Geschehen in den Studios ernst genommen wird. Couplands Buch hingegen misslingt nicht zuletzt, weil es die Sphäre der Sterne und Sternchen nicht genug überzeichnet, um als Satire gelten zu können.

Thomas Leuchtenmüller


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Zeitgeist nahe der Midlife-Crisis, 20. Mai 2001
Rezension bezieht sich auf: Miss Wyoming (Gebundene Ausgabe)
Coupland versteht es noch immer, in Inhalt und Form seiner Romane dem aktuellen Zeitgeist nachzuspüren. Diesmal entgleiten ihm seine Figuren allerdings etwas: seine bizarren Einfälle, die in "Mikrosklaven" die handelnden Personen noch originell und interessant machten, verkommen hier allzu oft zu reinen Klischees und Abziehbildern: die Mutter, die ihre Tochter von Schönheitswettbewerb zu Schönheitswettbewerb zerrt, der saufende Stiefvater, der drogen- und sexkonsumierende Filmproduzent etc. etc. Man fühlt nicht mehr echt mit den Helden mit, ihre Handlungen und Beweggründe bleiben oft nicht nachvollziehbar. Die "Slacker" von vor 10 Jahren sind die etablierten, aber orientierungslosen Mittdreißiger von heute, und vielleicht würde Coupland gut daran tun, seinen Schreibtisch zu verlassen, ein paar Monate durchs Land zu wandern und sich von weggeworfenen Cheeseburgern aus Mülltonnen zu ernähren, bevor seine Romane in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft zu Parodien ihrer selbst verkommen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Hollywooooood, 1. August 2007
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Miss Wyoming. (Taschenbuch)
Was haben Susan Colgate - Schauspielerin, Soup-Darstellerin ohne Engagement und Talent und ehemalige Schönheitskönigin - und John Lodge Johnson - Produzent von Action-Filmen - gemeinsam?

Beide waren für länger als ein Jahr wie vom Erdboden verschollen! Susan als einzig Überlebende eines Flugzeugabsturzes, John Johnson nach einem verheerenden Drogencocktail. Beide auf der Suche nach Veränderung, nach einem neuen Leben, einer neuen Identität. Beide ein Leben lang gedrillt von ihren dominanten Mütter (wohl gemerkt - Marylin Colgate führt um Längen!!!)

Ob der Roman gefällt? Ich würde sagen: Von Beginn an!!! - weiß man auch noch nicht warum! Chaos zieht sich durch den Roman von Anfang bis Ende. Überaus rasch wechseln Erzählperspektiven, Zeiten und Handlungen. Den Rahmen bildet die kurze Bekanntschaft von Susan und John - geprägt durch einen gemeinsamen Spaziergang und die Suche Johns nach der unmittelbar nach der ersten Begegnung verschollenen Susan. Dass diese wieder auftaucht, darf verraten werden. Dass auch ihre Mutter Marilyn verwickelt ist, damit darf gerechnet werden. Dass pure Komik ohne Unterbrechung hinter schweren Brocken wie Flugzeugabsturz, Drogenexzess, Pornografie und SchönheitsOP an Jugendlichen hervorschielt, ist nicht zu ignorieren und erheitert! Dass Gefühle im Spiel sind, welche im Leben von Glanz und Glorie Hollywoods wenig Raum finden, stimmt traurig und lässt mitfühlen. Hervorragend und wohl nur wenig überzeichnet stellt Coupland die Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Hollywood vor und ihr zum Gegensatz jene, die für einen Hauch Ruhm ihr Kind opfert.

Fazit: Die richtige Mischung aus trauriger Persönlichkeitszertrampelung und witziger, beinahe unvorstellbarer Action, chaotischer und dennoch liebvoller Bekanntschaft mit den Protagonisten und abschließend bestechend durch eine klare Lösung.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Lebenswege, 20. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Miss Wyoming. (Taschenbuch)
Der Kosmos der Figuren, die Douglas Coupland in seinem Roman "Miss Wyoming" beschreibt, erscheint auf den ersten Blick schrullig, ja sogar trashig. Kapitel für Kapitel widmet er sich den verschiedenen Personen, und erzählt immer mehr aus ihrem Leben und wie sie zu dem geworden sind, was sie heute sind.

Da wären zunächst einmal Susan Colgate (28), früher einmal Kinder-Schönheitskönigin und abgedriftetes TV-Sternchen, und John Johnson (37), mehr oder weniger erfolgreicher Filmproduzent mit mehr Tiefen als Höhen. Sie begegnen sich gleich im ersten Kapitel, sind voneinander beeindruckt und spüren eine gewisse Zuneigung für einander. Bevor sie sich dieses überhaupt erklären können verlieren sie sich wieder aus den Augen. Während sich John auf die Suche nach Susan macht, erfahren wir, dass beide Aussteiger waren und ihnen auch sonst Ähnliches im Leben widerfahren ist. Auch Personen aus dem Umfeld der beiden haben Lebensgeschichten und diese werden auch erzählt. Aber die interessanteste Geschichte ist von Susan Colgate, die bereits als sechsjährige von ihrer Mutter Marilyn gedrillt wird auf Misswahlen den ersten Platz zu belegen, und schon als Teenager ihre erste kosmetische OP vornehmen muß...

Auf der Suche nach sich selbst erleben die Figuren in dem Buch so einiges. Zufälle, Schicksalsschläge, Wunschvorstellungen und Visionen. Oberflächlich denkt man sich, dass es soviel Trash-Leben in der Realität gar nicht geben kann, wie es Douglas Coupland hier beschreibt. Aber beim Lesen erwischt es einen eiskalt, und man stellt mit Schrecken fest, dass es schlicht und einfach die Wahrheit ist. Die Story des Buches kann man zwar nicht gerade als originell bezeichnen, aber allein schon der "verdrehte" Schreibstil Couplands macht jede Zeile lesenswert und unterhaltsam.

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