Das neue Gloria-Estefan-Werk scheint noch nicht überall erhältlich zu sein. Ich habe es zum Glück geschenkt bekommen und bin als Fan natürlich absolut erfreut darüber. Meine Version ist als Deluxe-Version deklariert und enthält 15 Titel.
Gloria versucht aufzuholen, sich zu probieren, modern zu klingen und dabei Ihren Latina-Charme nicht zu verlieren und das klappt auch. Was die Lopez kann, können die befreundeten Estefans als eigentlichen Entdecker dieses Genres schon lange. Auch wenn mir nicht alles komplett auf diesem Album komplett gefällt, so habe ich doch eine ganze Menge Spaß mit dieser lebendigen Scheibe. Die doch recht modernen Produktionen, überwiegend von Pharell Williams, verfremden nicht den kubanischen Charme von Gloria, sie verkleiden ihn überwiegend sehr zeitgemäß und angenehm.
Mit >Miss little Havana<, >So good< und >Say ay< kann ich nicht nur sehr gut leben - sie sind geniale Stimmungsaufheller und Dancetracks der sonnigsten Art. Der Titelsong ist mit sanftem R&B unterlegt und >Hotel national< erinnert stark an "We no speak americano", dem Sommerhit-Remix 2010 (Traut man dem Aufkleber, wird oder ist das bereits irgendwo eine Single, bzw. ein Radio-Release). Die Richtung des Albums erinnert insgesamt eher an das Werk >Gloria!<, welches zur Jahrtausendwende mit einer Überdosis Pop aufwartete, aber nur eingeschränkten Erfolg genießen konnte und somit der Allgemeinheit begrenzt bekannt ist. Die Lust an dieser Pop-Kost ist dem Estefan-Team wieder deutlich anzumerken, leider gibt es ein paar wenige schwache Songs unter dieser explosiven Havana-Mischung (>I can t believe< ist zwar fantastisch produziert, doch passen Musik und Strophen nicht so richtig zusammen, während >On< und >Wepa< ganz schön schnell beginnen, etwas zu nerven, bzw. fehlt einem doch mal der Moment des Durchatmens).
Nach etlichen beeindruckenden Alben der unterschiedlichsten süd- und mittelamerikanischen Stilrichtungen und Kulturen, hat sich Gloria hier eher erneut im poppigen zeitgemäßen als im traditionellen Stilmix ausgetobt, eher aber Kuba/Kolumbien den Vorzug gelassen und das Ganze mit Dance und etwas Street-Glamour clever lackiert.
Leise geht definitiv anders und darum singt unsere (inzwischen auch über 50-jährige) sympatische Heldin das bereits seit Jahren bekannte Stück >Let s get loud< nicht zufällig zum Schluss, wie ein Aufruf.
Das Album kann ich nicht nur Fans empfehlen, sondern allen mit Herz und Sinn für Latin-Pop. Gloria enttäuscht wirklich nie und haut in diesem Fall ganz schön auf den Putz. Eine Ballade sucht man vergebens.
Vor einer Überdosis dieses verlässlichen Anti-Depressivum muß ich, obwohl ich mich für einen feurigen Mitteleuropäer halte, zwar etwas warnen - ansonsten ist das hier aber wieder ziemlich perfekt produzierte Lebensfreude mit genialem Sound und etlichen BPM. Lovely Gloria ... like always!