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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Innen ist Aussen,
Von
Rezension bezieht sich auf: In der Misosuppe (Broschiert)
Ich habe nicht das Gefühl, dass die meisten Kritiker hier die Fähigkeit hatten das Buch in seiner Essenz zu verstehen.
Das Buch ist Oberflächlich - absolut korrekt. Aber das muss es sein, wenn der Autor das Innere von vornherein nach Aussen kehrt. Die zwei Protagonisten bieten ein interessantes Bild zweier Welten. Zum einen ein Leben unter der Haut Japans, dass einen Einblick bietet in den Wahnsinn des Tokyoter Alltags. Die Venen durchscheinen lässt und den wahren Antrieb hinter einem System vermittelt, dass für seine Ameisenart und den Extremen Selbstgeisselungstrieb berühmt geworden ist. Zum anderen die Welt eines Amerikaners - keine Amerikanische Welt. Man sollte sich immer vor Augen halten: es wird nicht der Amerikaner beschrieben - es wird das Japanische Farbige Glas beschrieben durch dass der Amerikaner angesehen wird. Vieles in dem Buch ist absolut Metaphorisch zu sehen. Währrend die meisten Autoren darauf zurückgreifen über sanfte Symbolik die Innenwelt der Protagonisten nach Aussen zu tragen, scheint es mir als würde Murakami das gegenteilige tun - indem er das äussere nur selten hervorblinken lässt. Und nur diese kurzen Blitze von absolut banaler oberflächlichkeit, welche (meiner Meinung nach) oft ohne jegliche Symbolik und mit reiner Informationskraft hervorkommen - diese sind es, die es dem Leser möglich machen die Sicht von Ryu Murakami zu übernehmen und auf den eigenen Körper, das eigene Maß anzugleichen. Dennoch würde ich sagen ist "In der Misosuppe" ein Buch, dessen wahre reichhaltigkeit sich erst offenbart, wenn man selber Japanerfahren ist. Und wenn einem bei Szenen wie denen in der Bar, nach all den Grausamkeiten die der Alltag für uns bereit hält - immernoch Übel wird. Nun, mir wurde Übel. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Nihilistischer Shinjuku-Terror,
Rezension bezieht sich auf: In der Misosuppe (Broschiert)
"In der Misosuppe" von Ryu Murakami, der unter anderem auch "Audition" geschrieben hat, welches von Takashi Miike verfilmt wurde, ist ein zwar knapper, aber mit starken Bildern und extremen Momenten bestücktes Stück Kulturverarbeitung.
Viele kritisieren den faden Beigeschmack des kurzen, oder auch die scheinbare Oberflächlichkeit, doch empfinde ich gerade die scharfe Kürze als stärkstes Argument für dieses Buch. Denn obgleich ständig Personen existieren, beschrieben werden, um die Protagonisten ihr Leben leben, so gibt es stetig nur zwei Hauptpersonen. Unterschiedlich wie Tag und Nacht, und doch aufgrund von Kultur und Psyche gleich. "In der Misosuppe" ist ein sehr bildliches Buch, das vor allem durch seine Bilder vom vermeintlich verwerflichem Alltag im Bereich des sexuellen "Vergnügen" dargestellt wird. Es geht um das nihilistischer Leben, dass vor sich hin leben, ignorant anderen gegenüber und doch so abhängig. Typisch Murakami (nicht zu verwechseln mit Haruki Murakami, der eher durch kafkaestische Psychosen überzeugt) extrem und brutal wiedergegeben, entsteht nichts halbes und nichts ganzes, sondern einfach drei Tage, die andere Menschen komplett aus der Bahn werfen würden. Und es endet wie die Tage verlaufen sind. Kritisch sehe ich hingegen die Übersetzung. Ursula Graefe, die schon bei Haruki Murakami durch manch nicht ganz gelungene Übersetzung aufgefallen ist, hat hier zwar solide aber keine bestechende Arbeit geleistet. Auch wenn ich das Original nicht kenne oder lesen könnte, so, mal abgesehen von den Rechtschreibfehlern, gibt es gewisse Unzulänglichkeiten, die aufgrund der Geschichte bewusst werden. Dazu kommt eine zu starke Übersetzung. Es ist eine japanische Geschichte, in welcher man durchaus mehr mit originalen Begriffen hätte arbeiten sollen, denn manchmal sprengen die Übersetzungen einfach den Fluss der Geschichte. Die Balance die das Buch aufzeigt hätte sich hier wiederspiegeln müssen. Insgesamt ein interessantes und fesselndes Buch, welches man nicht überstürzt lesen sollte, durch die vielen kleinen Bilder und Anspielungen die nicht zu unterschätzen sind. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sehr skurril - typisch japanisch eben!,
Von Robert R. (Singapore) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: In der Misosuppe (Broschiert)
Aufmerksam auf Ryu Murakami wurde ich durch seinen sehr viel beruehmteren Namesvetter, Haruki Murakami, der Ryu als sein Vorbild nennt - und das war schliesslich Grund genug sich mit Ryu zu befassen. Ryu Murakami ist offenbar ein Allround Kuenstler in Japan, der bekannt geworden ist als Musiker, Schriftsteller, Filmemacher und Fernsehstar. Ryu Murakami ist integraler Bestandteil der japanische Kulturszene seit mehreren Jahrzehnten, insbes. der Generation der 69er. "In The Miso Soup" ist eines von insgesamt vier Ryu Murakami Buechern, die ich gelesen habe. "Almost Transparent Blue", "Coin Locker Babies" und "69" sind die anderen drei. Waehrend "69" letztlich ein japanischer Pennaeler Roman ist, der sehr witzig und unterhaltsam die Erlebnisse eines (post-) pubertierenden japanischen Schuelers verarbeitet und dabei vergleichsweise sehr harmlos daherkommt, ist "Almost Transparent Blue" am vergleichbarsten mit "In The Miso Soup", was die Art und Weise des Erzaehlstils betrifft. "Coin Locker Babies" gilt als Ryu Murakamis anspruchvollster Roman. Mir persoenlich hat "In The Miso Soup" fast am besten gefallen; "Almost Transparent Blue" ist sicher am radikalsten, und am vergleichbarsten mit "In The Miso Soup". Alle drei Romane (ausser "69") sind fuer und deutsche (westliche?) Leser nicht einfach. Die Geschichten erscheinen oberflaechlich, steril, konstruiert, und insbes. sehr "technisch" und kalt. Es mag nicht so recht gelingen, mit auch nur einem einzigen der Hauptfiguren in naeheren Kontakt zu treten - alles bleibt uns letztlich sehr fremd und undurchschaubar. Und genau das ist es, was letztlich die Essenz der Stories ausmacht. Die Entfremdung im japanischen Alltag, die ungeheuer starren und uralten sozialen Strukturen, Hierarchien, Verhaltensweisen und Traditionen, die nach wie vor den japanischen Alltag dominant praegen. Gleichzeitig hat der rasante technologische Fortschritt Japan zur modenen Industriegesellschaft gemacht, die nach dem 2. Weltkrieg zu allem Ueberfluss auch noch mit US-amerikanischer Lebensweise ueberschwemmt wurde. Das gesellschaftliche Leben in Japan findet also in einem Spannungsverhaeltnis zwischen alter japanischer Tradition und Rollenverstaendnis, technologischer Vorreiterrolle und Amerikanisierung der Lebensweise statt. Und genau diese Zutaten sind es, die die zeitgenoessische japanische Kultur fuer Westler so unverstaendlich und schwer durchschaubar machen. Wer jemals die Gelegenheit hatte, Japan - und insbes. Tokyo - persoenlich kennen zu lernen, hat es vermutlich etwas leichter mit diesen Romanen. Wer sie gesehen hat, die unsaeglichen Vergnuegungsviertel von Roppongi oder Shibuya, mit den abartigsten und skurrilsten Arten von Vergnuegungen und Etablissements, Verkehrsstaus um 5 Uhr morgens, ohrenbetaeubender Laerm aus Spielhallen mit den duemmsten Spielen und Spielautomaten der Welt, Lokalen mit Schildern "Japanese Only", Karaoke an allen Ecken und Enden und immer Millionen von Menschen auf der Strasse, ganz gleich um welche Uhrzeit; wer das gesehen hat, findet Ryu Murakamis Geschichten geradezu zwingend und logisch. Nichts erscheint mehr unglaublich oder unwahrscheinlich. (Ein kleinwenig von dieser totalen Verlorenheit, die den Westler in Tokyo ueberkommt, ist uebrigens eingefangen in "Lost In Translation".) Und genau vor diesem Hintergrund sind Ryu Murakamis Buecher zu sehen: "In The Miso Soup" ist damit weder eine Gesellschaftkritik, noch ein Horrorroman, noch das japanische "American Psycho". Fuer mich ist es nichts weiter als eine Geschichte, die ein Japaner zu Papier gebracht hat, der in dieser eigenartigen Gesellschaft aufgewachsen ist, in ihr lebt und versucht, mit den inhaerenten Widerspruechen der japanischen Gesellschaft von heute zurecht zu kommen. Fuer einen Auslaender kann Japan kulturell ungeheuer interessant und bereichernd sein - allerdings ist vmtl. nichts auf Erden so unertraeglich, wie als Japaner in Japan leben zu muessen (und gleichzeitig nirgens anders leben zu koennen) - und genau davon redet Ryu Murakami in seinen Romanen. 3,5 Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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