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Wenn man Hustons Spätwestern heute sieht, muss man natürlich immer auch daran denken, dass Clark Gable kurz nach den Dreharbeiten gestorben ist und dass Marilyn Monroe keinen weiteren Film mehr vollenden konnte. Dieses Wissen verstärkt noch seine melancholische Atmosphäre, aber es trübt in gewisser Weise auch den Blick auf den Film. Der Tod seiner Stars hat einen Schatten über Misfits geworfen, aus dessen Dunkel man sich möglichst befreien sollte. Nicht er gibt diesem bitteren und doch hoffnungsvollen amerikanischen Stück seine Bedeutung, sondern dessen Handlung und dessen Haltung.
Der Dramatiker Arthur Miller hat das Drehbuch zu Misfits auch als ein Geschenk an seine damalige Ehefrau Marilyn Monroe geschrieben. Es sollte ihr die Möglichkeit geben, sich endgültig als große Schauspielerin und nicht nur als Star zu profilieren. So ist ein Film entstanden, in dem Marilyn Monroe mehr als nur eine Rolle spielt. Ihr Porträt der geschiedenen Tänzerin Roslyn, die sich plötzlich zwischen zwei Männern, Gay und Guido, wiederfindet und doch ihren eigenen Weg gehen will, ist zugleich auch eine Reflexion über ihre eigene Karriere und ihr Image. Sie erschafft sich hier noch einmal neu.
Auch wenn Miller in seinem Symbolismus vielleicht etwas zu deutlich wird -- die Mustangs sollen an eine Fleischfabrik verkauft werden, die sie zu Hundefutter verarbeitet -- erzählt Misfits auf höchst eindrucksvolle Weise vom Ende des Westens und des Westerns. Die alten Ideale und Lebensweisen sind nicht mehr praktikabel, die Zeit der Cowboys ist unwiderruflich vorbei. Gay steht auf verlorenem Posten und ist sich dessen durchaus bewusst. Das macht seine Größe aus. Wenn er am Ende den Blick in die Zukunft richtet, dann ist das alte, das mythische Amerika tot. Aber es geht trotzdem weiter. Lang lebe Amerika. --Sascha Westphal
Der Film zeigt die gebrochenen HeldInnen mit ihrer eigenen Sehnsucht nach Liebe und Wahrheit. Roslyn (Marilyn) fungiert dabei als Katalysator für die drei Männer, da sie ständig deren Handeln und Nichthandeln in Frage stellt und von Mitgefühl überflutet. Die Schwarzweißbilder erzeugen eine zusätzliche Dramatik, die durch den großartigen Soundtrack enorm verstärkt wird.
Das eigentliche Drama spielte sich hinter den Kulissen ab. Marilyns Ehe mit Arthur Miller lag in Trümmern, Marilyn taumelte von einem Zusammenbruch zum nächsten und strapazierte die Nerven ihrer Mitspieler über jede Grenze des Erträglichen und das bei Wüstentemperaturen. Dass Clark Gable kurz nach den Dreharbeiten starb und es zudem Marilyns letzter vollendeter Film wurde, lag wie ein Fluch über dem Film. Dennoch scheint es dem Film sehr genützt zu haben: Alle DarstellerInnen spielen mit einer unglaublichen Intensität und Sensibilität. Marilyn ist so gut wie nie zuvor und ihre Darstellung geht einem unter die Haut.
Es gibt eine hervorragende Dokumentation über die Geschichte der Dreharbeiten von Misfits vom Bayrischen Rundfunk. Es ist ein Jammer, dass diese nicht als Bonus auf dieser DVD gelandet ist.
„Misfits“ ist sicher eher ein Film für Fans der DarstellerInnen von Marilyn bis Monty, die auch kritische Untertöne und einen nicht gerade reißerischen Film zu schätzen wissen, der eher die Psychologie beleuchtet, ohne zu psychologisieren ( bemerkenswert allein die Szene, wie sich alle in Perces Kopfverband verwickeln, als gäbe es eine gemeinsame Wunde). Ohne diese Wertschätzung fürs Sujet und SchauspielerInnen wird der Film manchen sicher eher langweilig erscheinen und schwer im Magen liegen.
Von einem Wertschätzenden: 5 Sterne.
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