So könnte der Titel, wie der des gleichnamigen Ausnahmewestern Leones, hier auch heißen, denn jede (männl.) Figur des Films trägt die Überschrift in sich.
Das Gesellschaftsdrama in Kleide eines Spätwestern, inszeniert von Regieurgestein John Huston, mag zur damaligen Zeit (Anfang der 60er) intellektuelles Hochglanzkino gewesen sein. Heute wirkt das Drama, um Monroe und Gables letzten Film, von seiner Dialoglastigkeit in einzelnen Szenen etwas gestelzt; wie z.B. die Szene mit Monroe und Clift im Kneipenhinterhof (beim Umschalten auf den Originalton wirkt die Sache dann wieder frischer).
Ergo: Das ist die Voraussetzung für das "Mögen" des Films.
Dass das so ist, wundert kaum, da der große Schriftsteller Arthur Miller und damalige Nochehemann der Monroe das Drehbuch schrieb. Sollte und wollte Miller ihr eine "echte", eine seriöse Rolle auf dem Leib schneidern, um endlich als Charakterdarstellerin (nach den ersten Versuchen in Niagara, Bus Stop und 809) Fuß zu fassen. Und die blonde Popikone mag hier wirklich überzeugen, bleibt aber -für mich- trotzdem unverwechselbar und typisch die Monroe.
Die unschuldige Naive und gefühlsehrliche, dazu frisch geschiedene, Roslyn Taber (M.M.), verdreht den drei hölzernen Kerlen mächtig den Kopf. Die reagieren darauf unverhohlen. Aber mit ihrer liebenswerten, lasziven Ehrlichkeit, stößt sie erstmal keinen der drei Landeiern vor den Kopf; hält sie und sich dabei unschuldig auf Distanz. Zu gern beweisen sich die "echten" Burschen (Cowboys und Pilot), als verständnisvolle Gentlemen im rüden Cowboygewand, die sich dazu durch ihre weibliche, friedfertige Art erstmals einer Frau öffnen. Sie alle zeigen ihr gebrochenes, raues, einsames Herz und geben so der Ex-Tänzerin, im Umkehrschluss, eine starke Schulter. Schließlich entscheidet sich die auffallende Blondine für den Ältesten.
Die suspekte Harmonie, in der immer ein latenter Eifersuchtskampf der drei Raubeine von Anfang an bestand, zerbröselt so im Laufe des Films. Der Dramazwist gipfelt letztlich in einer Pferdehetzjagd. Öffnen sich hier durch die archaische Jagd der Männer, wo purer Instinkt und Lust an der Freiheit zählt, die wahren Ideale und Charaktereinstellungen der nicht Gesellschaftsfähigen. Der Tod einer Handvoll Wildpferde, bestimmt als Hundefutter, wird zur Zerreißprobe der vier Außenseiter und zur Erkenntnis ihres eigenen Ichs.
Einzigartig wirken nach dem Abspann des Films die großen Namen Gable, Clift, Wallach und Monroe.
Die letzten Worte vom Gable, auf dem Trittbrett des Lkws, klingen in treffender Traurigkeit, weiß man um den nahen Herztod des Darstellers. Auch, dass die Ehe Monroes mit dem Drehbuchautor Miller während der Dreharbeiten zerbrach, scheint ein Plus für die Glaubwürdigkeit der Filmaussage, sowie auch ihren nahen Tod. Und der nach Method Acting spielende Montgomery Clift, der zeigt ein seelenzerrissenes Leben, was seinem wahren Dasein wohl sehr nahe stand. Keiner in Hollywood jener Zeit soll ein selbstzerstörerisches Wesen gehabt haben.
Das alles wirkt also nicht nur echt gespielt, es ist echt!
Die Melancholie der Darsteller, das Nachhecheln der verlorenen Zeit, der ewige Wandel der Gesellschaft, in den man hilflos schlingert, wie ein Korken im Fluss der Zeit, das alles wirkt in der Einsamkeit Nevadas einzigartig eingefangen. Die Freiheit verliert ihren Mythos, was an den letzten Cowboys von Arthur Miller grandios zelebriert wird. Einzig der vom Theaterfach kommende Wallach verdeckt hier irgendwie, hinter seinem professionellen Spiel, sein wahres Ich.
Zudem wird die manchmal aufkommende filmische Antiquiertheit, aus der heutigen Sehgewohnheit, von der Tatsache verdrängt, wenn man um die traurigen Umstände während und nach den Dreharbeiten weiß.
Der Film, ein Meisterwerk, ist eine grandiose Charakterstudie von vier Außenseiter und setzt ein letztes Denkmal für Clark Gable und die Monroe.
Fazit: 4,5 Sterne
Einen halben Stern Abzug, da ich schon etwas "bessere" S/W-Blu-ray-Umsetzungen, aus der etwa gleichen Entstehungszeit, gesehen hab. Die Bildqualität schwank ein wenig, wird nach hinten heraus aber besser. Der Ton ist halt "entknistert", aber eben alt. Die 15:9 Umsetzung (1,66:1) ist allerdings das richtige Kinourformat und war zur damaligen Zeit das Standardbreitwandverfahren, neben dem "breiteren" Cinemascope. Also, rechts und links sieht man schwarze Balken beim 16:9er TV. Eine ganz kurze Szene (ein Satz, mit neuer Synchro) wurde auch eingeschnitten.
Ferner noch erwähnt: die Hetzjagd der Pferde, die heute bestimmt nicht mehr so abgedreht würde.
Setzt sie zwar den dramaturgischen Höhepunkt punktgenau, aber aus der heutigen, filmischen Machart auch äußerst tragisch dar.