Mit "Killing Me Softly" rührte uns Lauryn Hill 1996 zu Tränen. Die 23jährige Mutter und Freundin von Bob Marley-Sohn Rohan, die zusammen eine Tochter und einen Sohn auf die Welt brachten, veröffentlichte ihr Solo-Debüt "The Miseducation Of Lauryn Hill". Die zweifache Grammy-Preisträgern, die in South Orange, New Jersey geboren wurde und mit klassischem Soul aufwuchs, umging die Neuauflage eines Fugees-Allstar-Album, indem sie die gesamte Verantwortung in eigene Hände nahm: Lauryn Hill produzierte, schrieb und sang fast alles in Eigenregie. Das Resultat: die Platte ging bereits in der ersten Woche 500.000 mal (Platin) über den Ladentisch und kletterte sofort auf Platz eins der USA-Charts. L-Boogie, so der Künstlername von Lauryn Hill, verzichtete bei der Produktion der Scheibe auf die Unterstützung ihrer Fugees-Kollegen und Cousins Wyclef Jean und Pras Michel, mit denen sie die beiden Fugees-Alben "Blunted On Reality" (1993) und "The Score" (1996) auf den Markt brachte. Die zwei Rapper hätten auch nicht in den sehr persönlichen Kontext des Albums gepasst. Auf dem Hit "Doo Wop (That Thing)" unterstreicht L-Boogie die Aussage, daß zu einer Beziehung mehr gehört als nur Sex und auf dem von seelischen Qualen gepeinigten Liebeskummerlied "Ex-Factor" entführt uns Lauryn in die Tiefen eines gebrochenen Herzens. Ein bewegender und realistischer Track. Bei der Kollaboration mit Mary J. Blige auf "I Used To Love Him" geht es um den Ausstieg aus einer schwierigen Beziehung. Die Platte beinhaltet auch einen Cover-Song: Die zerdehnte Version des Frankie Valli-Klassikers "Can't Take My Eyes Off Of You" besitzt durchaus Hitpotential und war ursprünglich für einen Soundtrack geplant. Bei der Ode an ihren Sohnemann "To Zion" unterstützt Carlos Santana Miss Hill mit seinem famosen Latin-Gitarrenspiel, das den Soul derart ausdrückt, wie andere es nur mit der Stimme können. Mit "Superstar" richtet sich Lauryn Hill an alle Puff Daddies und "Alte Hits-Recycler": "Everything you drop is so tired / music is supposed to inspire / how come we ain't getting no higher?" Tracks mit groovenden HipHop-Beats ("Lost Ones") und ein balladeskes Duett mit D'Angelo ("Nothing Even Matters") ergeben eine gelungene Mischung. Auf "The Miseducation Of Lauryn Hill" hebt die Künstlerin ihre Sangeskünste im Stile von Marvin Gaye und Roberta Flack hervor und schiebt den Sprechgesang etwas in den Hintergrund. Wer also puren HipHop erwartet hat, wird etwas enttäuscht: Es verschmelzen die Grenzen des harten HipHop der Neunziger sowie des Souls der 70er Jahre mit den Einflüssen aus den Bereichen R'n'B, Reggae und Gospel. Alle selbstgeschriebenen Texte der mit vielen Talenten ausgestatteten Sirene, die mit "Sister Act II" schon Schauspielerfahrung sammelte, gehen teilweise in persönliche und doch für alle Menschen zugängliche Themen. Das emotionale und musikalisch gute Album "The Miseducation Of Lauryn Hill" gehört auf jeden Fall in jede Platten-Sammlung. Eine angenehme Notiz gibt es noch zu Lauryn Hill. Sie ist die Mitinitiatorin der sanitären Einrichtung "Refugee Project", das Kinder, denen eine richtige Ausbildung und die nötige Zuwendung fehlt, Möglichkeiten eröffnet, um aus dem harten Ghetto herauszukommen. Solche genialen Künstler mit einem großen Herzen haben wir gerne. Bitte mehr davon. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)