Theocracy sind eigentlich Matt Smith. So war das zumindest beim ersten Album, das Matt Smith im Alleingang aufnahm. Mittlerer Weile ist Theocracy zu einer Band herangewachsen. Drei junge Kerle aus Athens/GA, die sich vorgenommen haben, Power-, Melodic- und Epic-Metal mit Prog-Metal Einflüssen zu verbinden. Die erstgenannten Stilarten zu verknüpfen scheint für die Jungens auch mit Null Problemen verbunden zu sein; das klappt wunderbar. Mit dem Prog scheint es, obwohl viele dahin gehende Ansätze Theocracy's sehr gut und auf gewisse Weise auch originell sind, noch kleine Startschwierigkeiten zu geben. Dennoch sind die Jungens auf dem richtigen Weg. Wenn nicht jetzt, wann dann, sollten sie sich ausprobieren?
Mit "Mirror Of Soul" legen Theocracy also ihre zweite CD vor. Und ohne groß um den heißen Brei zu reden: "Mirror Of Souls" ist eine sehr gute Metalscheibe!
Mit "A Tower Of Ashes" startet "Mirror Of Souls" standesgemäß und ziemlich Stratovarius- oder Rhapsody-like. Herrlich gesetzte Highlights, sägende Gitarren und eine einprägsame, sehr melodisch-eingängige Hookline pendeln den Song ziemlich ausgewogen zwischen Up- und Mid-Tempo Passagen aus. Insgesamt gibt es hier nichts zu meckern.
Bei Nummer 2, "On Eagles' Wings", geben sich Theocracy ebenso ambitioniert. Auch hier ist die Hook sehr melodiös (aber auch etwas glatt). Sehr schön eingebaute Chöre verhindern aber gottseidank ein abdriften in die Kitsch-Ecke. Von Prog-Metal Ansätzen bisher keine Spur.
Das ändert sich aber mit der Killernummer "Laying The Demon To Rest". Natürlich ist so ein Demon nicht auf die Schnelle zur Strecke gebracht. Aus diesem Grund hat die Nummer also schon mal Überlänge. Und alldieweil ist es jetzt auch an der Zeit, dass Matt Schmidt das Prog-Ferkel von der Wiese holt. Böse sägende, beinahe schon TOOL-ähnliche Gitarren fegen zu Beginn des Songs mit tödlichen Riffs über den Hörer hinweg. Ein vorhersehbares und sehr hartes Break leitet über in einen kurzen, epischen Part samt Glockenschlag und flüsternder Stimme. Dann geben sich Theocracy erstmal ein wenig trashig, aber mit hervorragender Singstimme, ehe sich die Band in einem blitzsauberen Refrain zu gemäßigteren, epischen Klängen wieder findet. Dem Spiel mit den Prog-Ansätzen fehlt m.E. noch ein kleines bisschen die Raffinesse, weshalb die Nummer in einigen Teilen etwas vorhersehbar und in kleinen Teilen auch ein bisschen überambitioniert wirkt; drei Minuten weniger, und "Der Demon..." wäre: a) genauso erlegt und b) der Song eine halbe Klasse besser! Versöhnlich stimmt, dass die Nummer nach dem etwas bemüht wirkenden Mittelpart, wirklich stark ausklingt! Stellenweise ist das also wirklich großes Kino, was THEOCRACY da abziehen!
Schön weihnachtlich wird's mit "Bethlehem". Ein Song der mit andalusisch-angehauchter Akustikgitarre und angenehmen Cleangesang sehr verhalten beginnt. Im Hintergrund baut sich, fast unbemerkt, eine kleine Epic-Wand auf, die dann im Refrain, mit erstklassig hereinbrechenden Gitarren geradezu explodiert. Die Hookline ist zwar eher kommerziell, was die Band aber mit herrlichen Chorsätzen und brennenden Riffs auf wirklich professionelle Art zu kaschieren vermag. Trotz dieser glatten Hook lass' sich bitte niemand täuschen: Wir haben wir es hier mit einem erstklassigen Ohrwurm zu tun, der sich ordentlich in den Gehörgängen verbeißt und so schnell nicht mehr heraus will! Wenn es Theocracy geschickt anstellen, bzw. die Werbetrommel richtig zu rühren wissen, dann wird das die amtliche weihnachtliche Metalhymne der kommenden Jahre...!
Mit "Absolution Day" greift die Band ziemlich ungeniert in die Melodic-Metal Kiste. Mir ist die Nummer, zumal sich hier auch mal das Riff vom "Demon..." zu wiederholen scheint, viel zu gefällig und viel zu platt! -Schade, da hätte man auch mehr draus machen können.
Mit theatralischer Orgel wird "Writing In The Sand" eingeleitet. Das nachgeschobene Riff findet man zwar auf jedem besseren True- und Power-Metal Album, aber das tut dem Song keinen Abbruch. Denn der punktet wiederum mit schönem Chorgesang und mit diesmal wirklich guter Hook. Die Prog-Ansätze sind eher verwaschen, dafür prescht ein erstklassiges Gitarrensolo aus dem mittleren, eher ruhigeren Part heraus wie ein wild gewordener Mustang und macht die Nummer zu einem echten Hinhörer!
Mit einem fast mechanischem Riff wird "Martyr" eingeleitet. Die Nummer versprüht am ehesten wieder einen gewissen "Prog-Charme". Zwar sind die Breaks genauso vorhersehbar wie beim "Demon...", aber immerhin gelungen integriert. Der bereits mehrfach gelobte Chorgesang adelt diese Nummer ebenso, wie der raffiniert eingestreute, abermals andalusisch angehauchte Akustik-Part. Die Hook ist vorwärts stürmend-sympathisch; kurzum: "Martyr" ist ein weiterer, überzeugender Song!
Versorgten uns Theocracy bis jetzt mit meist gelungenen bis überaus appetitlichen Häppchen, so ist das, was jetzt kommt, der Sattmacher. Eine mächtige Schöpfkelle an mächtig kohlenstoffhaltigen Metal! Eine Schöpfkelle plus ordentlich Nachschlag sozusagen, denn der Titeltrack verspricht beinahe 23 Minuten kurzweiliges Vergnügen ohne Wenn und Aber! Hier lassen Theocracy mehr und radikaler als in jedem anderem Song das Tier vom Acker. Das heißt aber in ihrem Fall kein endloses Double Bass Geballer und auch kein hippeliges Petrucci-Gefrickel, sondern eine wirklich aufregende Mixtur an allen gemäßigten Metal-Stilen mit einer ganzen Menge an sehr gut bis sehr kommerziell eingestreuten Prog-Metal Tupfern. An mancher Stelle wäre sicherlich weniger mehr gewesen, aber wie gesagt, die Jungens probieren noch und haben, was die Prog-Einflüsse anbelangt, wohl noch keinen wirklich eigenen Stil entwickelt. Aus diesem Grund grüßen halt ab und zu nicht nur kleinere Dream Theater Ideen, sondern es schauen auch mal Dead Soul Tribe oder Evergrey vorbei. Insgesamt ist das aber nicht weiter schlimm, denn dieser Longtrack lebt vor allem durch sich selbst und versprüht jede Menge Spielfreude. Akustisch-Elektrische Parts wechseln mit mal schwermütigen, mal aggressiven Riffs, Laut-Leise-Passagen mit schön eingebauten Breaks, während eine immer gegenwärtige Hookline das ganze Gebilde zusammen hält. Eine überaus ambitionierte Vokalleistung macht die Nummer zu keiner Zeit langweilig bzw. lässt den Hörer nicht einmal auf die Uhr sehen. Ergo: Diese 22:30 Minuten machen mächtig Laune!
Fazit: "Mirror Of Souls" ist eine überaus solide, vor allem auch sehr gelungene Metal-Scheibe. Der Sound ist druckvoll, sauber und differenziert, die Höhen sind klar, die Bässe wuchtig; rein aufnahmetechnisch also 1a! Natürlich wird ein Vielhörer die eine oder andere Melodie oder Harmonie von irgendwoher kennen und dabei das eine oder andere Deja Vu erleben, aber insgesamt ist "Mirror Of Souls" eine CD, die, von ein, zwei Songs abgesehen, eine immense Power versprüht und die enorm viel Spaß macht. Auf die nächste Scheibe kann man sich also nur freuen. Die Jungens können eigentlich nur besser werden!
Also: Nicht lange überlegen, sondern Kaufen! Weihnachten steht an...
*Ein hooked-on-music.de Review*