Der erste Teil dieser Reihe ist als Kompilation einer mittelalterlich ANGEHAUCHTEN Gothik-Anthologie sehr gelungen. Bekanntere Vertreter eben jenes Genres sind hier versammelt und zeigen uns ihre Version mittelalterlicher Stücke, oder aber ihre Komposition auf Basis mittelalterlicher Harmonien.
Sollten sich jedoch Liebhaber mittelalterlicher Musik, des Barock und der Renaissance zu diesem Produkt verirrt haben, möchte ich die Warnung aussprechen, dass es sich hier mit wenigen Ausnahmen nicht um "Alte Musik" handelt, sondern um eine moderne subkulturelle Aufbereitung derselben!!! Dem Hörer Alter Musik wird es z.B. unangenehm aufstoßen, dass die meisten Stücke elektronisch produziert wurden und nicht mit den entsprechenden Originalinstrumenten eingespielt wurden.
Jene Hörer halten sich besser an entsprechende Reihen gängiger Label alla Naxos,Komponisten (unzählige je nach Periode und Region, z.B. Biber) und Interpreten (z.B. Jordi Savall oder das Ensemble für Alte Musik Berlin) und sollten sich nicht mit einem Destillat der ursprünglichen Musik zufriedengeben, wie es diese Kompilation bereitstellt. Loben möchte ich jedoch den Mut, sich an klassischer Alter Musik zu versuchen und diese (wenn auch als z.T. gewagte und entfremdete Interpretation) in die Gothic-Szene hineinzutragen.
Daher stellt die Bewertung von 3 Punkten lediglich einen Mittelwert da: als Kompilation, die sich an Gothic-Hörer richtet, verdient diese Anthologie gewiß alle 5 Punkte, dem Hörer, der mit Alter Musik vertraut ist, wird sie nicht mehr wert sein als 1 oder 2 Punkte.