Camel ist eine britische Band, die Anfang der Siebziger angefangen hat, Musik zwischen Progressive Rock, Jazz und orchestraler Musik zu machen. In den Achzigern glitt die Band wie viele andere in seichte Popgefilde ab, ohne daß das den Erfolg wesentlich erhöht hätte.
Mirage ist meiner Meinung nach eines der gelungensten Werke aus der Jazzrock-Phase. Die Platte lebt vom Wechsel zwischen ruhigen, verträumten Passagen mit viel Flöte, sanftem E-Piano und schönem Gesang einerseits und wilden, frickeligen Instrumentalorgien andererseits. Die Musiker sind allesamt, besonders hervorheben muß ich allerdings Andy Latimer, einen meinen absoluten Lieblingsgitarristen. Er hat nicht nur einen wunderbar vollen, singenden, angenehmen Gitarrenton, sondern auch ein untrügliches Gespür für die richtige Melodie am richtigen Ort. Ein paar perfekt gespielte Noten setzen immer wieder den richtigen Schlusspunkt unter ausgiebige Solopassagen. Nebenbei spielt Latimer auch die Flöte, die für viele der anderen Höhepunkte verantwortlich ist.
Anspieltipp und Höhepunkt der Platte ist das Zwölfminutenstück "Lady Fantasy", das nicht nur einige meiner Lieblingsgitarrenparts enthält, sondern auch vor traumhaften Melodien und Atmosphäre nur so überfließt.
Bemerkenswert an der Musik von Camel ist, daß selbst die melancholischsten Stücke nie depressiv sind, sondern immer eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlen. Gefallen könnte die Scheibe allen, die ein Ohr für verspielte, romantische Musik haben. Wer an den ruhigen Passagen besonderen Gefallen findet, sollte auch in Camels drittes Album "The Snow Goose" reinhören - rein instrumental, sehr entspannt, sehr schön.