Ähnlich wie die Beatles machten Queen in ihren letzten Jahren ausschließlich Studioaufnahmen, infolge des sich bereits verschlechternden Gesundheitszustandes von Freddie Mercury (was damals freilich nur Eingeweihte wußten...). Es war daher fast konsequent, nach den jahrelangen Stilwechseln allmählich zu den Wurzeln zurückzukehren, einem homogeneren Gruppensound, der sich am besten im Eingangsmedley "Party/Kashoggi's Ship" zeigt, das spontan und beiläufig wirkt, sowie im rockig-hymnischen Finale "Was it all worth it", das dem '91er "Show must go on" nur unwesentlich nachsteht.
Wie bei den meisten Queen-Alben stehen auch bei "The Miracle" große Hits ("I want it all", "Breakthru", "Invisible Man" sowie der Titeltrack) neben brauchbarem Material (z.B. "Scandal", "My Baby does me") und eher unwichtigen Sachen ("Rain must fall", Langfassung von "Invisible Man"). Trotzdem klingt das Album weitgehend aus einem Guß, und nur die unwahrscheinliche Perfektion der Gesamtaufnahme läßt erkennen, daß nicht "live im Studio" gespielt wurde.
Ich gehöre zu jenen Queen-Fans, die keinen Unterschied machen zwischen den "klassischen" Queen der 70er und dem (angeblich) "synthetischen" 80er-Output, vielmehr sehe ich die Bandkarriere als großes Ganzes. "The Miracle" markiert nach meiner Meinung einen wichtigen Punkt der Queen-Geschichte, den Beginn der faszinierenden letzten Verwandlung der Gruppe: Durch die verstärkte Gruppendynamik flossen nun sämtliche Facetten des Queen-Stils immer stärker ineinander, bis - spätestens beim "Innuendo"-Album - etwas entstand, das schon jenseits des Begriffes "Rockmusik" lag.