"Echt? Ich dachte, dein Vater ist Biologe." "Nee, das ist mein Stiefvater." "Hast du zwei Väter, oder was?" "Ja-ha. Der eine ist Biologe, der andere hat eine Hot-Dog-Bude." Mit diesem Dialog im Schullandheim während der Fahrt ihrer Klasse klärt die 11-jährige Mira ihre Mitschülerinnen über ihre Familienverhältnisse auf. Die Ich-Erzählerin beschreibt in diesem Jugendroman ihr Außenseiter-Sein in der Schule, ihre Geborgenheit in der neuen Familie mit Stiefvater und Halbbruder und ihr schwieriges Verhältnis zum leiblichen Vater. Dieser hat vor elf Jahren die Mutter mit dem Kind verlassen, lebt jetzt er mit neuer Lebenspartnerin und Kind in einer Wohngemeinschaft. Dort ist alles ein wenig schmuddelig und das Essen schmeckt nicht. Auch sonst ist der Vater ein "echter Verlierer": er verliert sein Handy, bleibt wegen Benzinmangel mitten auf der Straße stehen, er ist nicht krankenversichert, er verunglückt beim Pony-Klauen und er 'entführt' fast seine Tochter, die es auf der Klassenfahrt nicht mehr aushält. Mit "Mira reicht's" mutet die Autorin den Leserinnen viel zu, die junge Schriftstellerin läßt einen hilflos und ratlos zurück. Nur am Schluß keimt ein bisschen Hoffnung auf, als Mira die Kraft hat, gemeinsam mit ihrem zweiten Vater ihren verunglückten Papa zu retten. Dargestellt wird das oft schwierige Verhältnis zwei Männer, die gemeinsam die Vaterrolle für ein Kind übernehmen. Die Autorin beschreibt anschaulich und mit großer Selbstverständlichkeit familiäre Zustände, die problematisch sind. Das ganze kombiniert mit Mobbing in der Schule und der ersten zarten Liebe zu Moritz scheint mir ein wenig zuviel Probleme in die 140 Seiten gepackt zu sein. Jugendliche Leser vermissen in diesem Taschenbuch positive Identifikationsfiguren, vermissen eine positive Perspektive und etwas Heldenhaftes. Das muss sich jetzt jede Leserin und jeder Leser am Ende dazu erfinden, damit man nicht ganz so ungetröstet zurückbleibt.